Kölner Dreigestirn

Ein Kommentar zu den Planungen um Archäologische Zone, Stadtmuseum und Schauspielhaus

Drei Projekte – unzählige Wendungen: Die Planungen zur Archäologischen Zone, zur Erweiterung des Stadtmuseums und zum Neubau des Schauspielhauses lenkten in Köln die Aufmerksamkeit im wahrsten Wortsinne auf die „Baukultur“, nämlich auf Projekte mit offensichtlich kulturellem Anspruch. Dass die Stadt sich nicht ganz zu Unrecht ihrer Kulturgüter rühmt, ist bekannt. Doch zu einer lebendigen Stadtkultur gehört die bewusst gestaltete Fortschreibung der Geschichte, und dies nicht zuletzt in architektonischer Form. Hinsichtlich der Zukunftssicherheit seiner Kulturbauten gründet Köln jedoch auf eher sandigem Boden.

Archäologische Zone

Alles schien klar: Aus einem Wettbewerb, der im Sommer vergangenen Jahres entschieden wurde, ging ein eindeutiger Sieger hervor. Das Büro Wandel Hoefer Lorch, das schon andernorts – etwa in München – seine stadträumliche Feinfühligkeit unter Beweis stellen konnte, überzeugte die Jury mit seinem gemeinsam mit Nikolaus Hirsch eingereichten Entwurf. Doch schon kurz nach Bekanntgabe des Wettbewerbsergebnisses entbrannte eine rege Diskussion um die Brachfläche vor dem Kölner Rathaus, von der manche nicht müde werden, sie „Platz“ zu nennen. Zu groß sei der dort zu errichtende Schutzbau der Archäologischen Zone, in dem ein Haus und Museum der jüdischen Kultur seine Heimstatt finden sollte. Der medial geschürte öffentliche Druck zeigte Wirkung bei den Stadtoberen, der Entwurf erfuhr eine Verkürzung seines zum Wallraf-Richartz-Museum gerichteten Gebäudeteils.

Wesentlich für das Museumsprojekt war eine zuversichtlich in Aussicht gestellte finanzielle Unterstützung durch einen Förderverein. Als die Zuversicht jedoch der Ernüchterung wich, dass die erforderlichen Mittel nicht aufzubringen seien, brach das private Standbein ersatzlos weg. Somit kippte auch die Idee eines eigenständigen Museums der jüdischen Kultur. Die Architekten standen vor der Aufgabe, die Ausstellung von Judaika weiterhin am authentischen Ort des ehemaligen jüdischen Viertels zu gewährleisten, ohne dafür ein eigenständiges Museum vorsehen zu können. Der aktuelle, im September vorgestellte und vom Stadtrat angenommene Entwurf weist nun Ausstellungsflächen im Rahmen des Schutzbaus der Archäologischen Zone aus. Damit wird das zuvor zweiteilige Projekt zwar erheblich in seinem Umfang reduziert, was sich in einem – die Kritiker wird’s freuen – abermals vergrößerten Abstand zum Wallraf-Richartz-Museum äußert, doch zumindest konnte die Idee der Ausstellung jüdischer Kulturgüter in situ beibehalten werden. Es bleibt zu hoffen, dass die Architekten ihr formales und räumliches Geschick auch weiterhin bewahren, um der Stadt an diesem wichtigen Ort zu einem würdigen Baustein zu verhelfen.

Kölnisches Stadtmuseum

Ein solcher „würdiger Baustein“ war an einem anderen Kölner Ort, der die öffentliche Diskussion ebenfalls beschäftigte, inzwischen kaum mehr zu erwarten. Die Rahmenbedingungen an beiden Orten waren einander nicht unähnlich: Sowohl am Rathaus als auch an der Burgmauer, an der sich das Kölnische Stadtmuseum findet, war der bauliche Ausdruck der Stadtgeschichte Gegenstand der Diskussion. Und auch bei der Planung zur Erweiterung des sanierungsbedürftigen Stadtmuseums spielte eine private Stiftung eine entscheidende Rolle. Einzig in einem Punkt bestand ein Unterschied, der letztlich zum Scheitern des Projekts führen sollte: Die von den Stiftern in Aussicht gestellten Mittel waren – neben weiteren Forderungen – an die Realisierung eines Entwurfs geknüpft, der nicht etwa siegreich aus einem Wettbewerb hervorgegangen wäre, sondern eigens ins Spiel gebracht wurde. Vergaberechtliche Bedenken angesichts der freihändigen Vergabe bei einem öffentlichen Bauauftrag führten zwar zu Beginn des Jahres zu einem Werkstattverfahren mit geladenen Architekten, doch die Stifter legten sich in der Folge wieder auf die ausschließliche Förderung des von ihnen favorisierten Entwurfs fest. Am Ende zogen sie ihr Angebot zurück, so dass das Kapitel der Erweiterung des Stadtmuseums vorerst beendet sein dürfte.

Die Posse um diese Erweiterung offenbart insbesondere eines: Es ist zwar äußerst löblich, dass sich private Stifter um die baulichen Belange ihrer Stadt kümmern und dieser dort, wo das Geld fehlt, aushelfen. Doch wenn dabei rechtliche Usancen auf der Strecke bleiben, ist ein Abbruch des Verfahrens die einzige Lösung. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass dieser Abbruch von Seiten der Stifter und nicht seitens der Beschenkten vorgenommen wurde, die mit den rechtlichen Folgen des Geschenks sicher noch lange beschäftigt gewesen wären. Angesichts der Qualität des unterstützten Entwurfs dürfte der Stadt damit das größere Geschenk gemacht worden sein.

Schauspielhaus

Und zuletzt: das Opernquartier. Auch hier geht es um die bauliche Fortschreibung der Stadtstruktur, allerdings an einem weitaus jüngeren Ort der Kölner Geschichte. Am Offenbachplatz, dort, wo das emblematische Opernensemble Wilhelm Riphahns mit den Zeugnissen des Fortschrittsglaubens der autogerechten Stadt kollidiert, sollen die Oper saniert und ein neues Schauspielhaus errichtet werden. Hier gab es, wie im Fall der Archäologischen Zone, einen Wettbewerb, und auch hier wurde mit dem Entwurf des Büros JSWD Architekten in Zusammenarbeit mit dem Atelier d’architecture Chaix & Morel et Associés ein eindeutiger 1. Preis gekürt. Und, wie sollte es anders sein, auch hier übernahm die Finanzierung eine Hauptrolle.

Aufgrund technisch notwendiger Entwurfsanpassungen und einer Erhöhung des Kubikmeterpreises stieg die Bausumme deutlich an. Angesichts überschaubar gefüllter Stadtkassen, an denen schon eine eigenfinanzierte Erweiterung des Stadtmuseums gescheitert war, wurden die Architekten im Sommer zur erneuten Überarbeitung der Planungen angehalten. Nun liegen verschiedene Varianten vor, die Einsparungen beim Neubau des Schauspielhauses versprechen: So würde der Verzicht auf eines der Untergeschosse die Kosten nicht unerheblich senken. Und auch das – zuvor integrierte – Produktionszentrum mit Werkstätten könnte mit seiner Auslagerung zur Kostenersparnis beitragen, ebenso der Wegfall vormals geplanter Räume für Ballett und Orchesterproben. Welche Lösung sich letztendlich durchsetzen wird, bleibt abzuwarten. Klar ist allerdings, dass die „Kulturstadt“ Köln auch hier Gefahr läuft, ein Projekt derart zusammenzukürzen, dass sie sich weiter ins bundesdeutsche Abseits dribbelt. Der städtischen Planungskultur jedenfalls stellen alle drei Verfahren kein gutes Zeugnis aus.

Rainer Schützeichel

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