plan09: wie was mal war und was man damit machen soll

Unterwegs auf der historischen Route.

13 Guten Morgen, meine schöne Uni!

Zurück auf Los, Humanwissenschaftliche Fakultät

In den Balkan habe es sie nun verschlagen, musste sich Professorin Heidi Helmhold bei Amtsantritt sagen lassen: jenseits der Dürener Straße zu den Erziehungswissenschaften, die heute in Humanwissenschaften umgetauft, aber dem Rest der exzellenzforschenden universitären Welt immer noch nicht ganz koscher sind. Helmholds Beschreibung ihres Fachbereichs als „Fakultät, die kein Bewusstsein von sich selbst hatte“ und als „Ort, der mich nicht meint“ dürfte gleichwohl nicht nur Pädagogikstudenten aus dem Herzen sprechen.

Studierende des Projektes „school is open“ haben sich in Kooperation mit dem M:AI Museum für Architektur und Ingenieurkunst NRW nun dem eigenen Raum angenommen. Hier herrschte das typische Uni-Habitat mit surrenden Getränkeautomaten, unerlösten Topfpflanzen, jeder Menge Papier und einem Dickicht an Hinweisschildern. Die Studenten brachten diese Zustände „zurück auf Los.“

Der 50er Jahre Bau von Hans Schuhmacher verbindet Transparenz und Helligkeit mit einer dezent fröhlichen Farbigkeit. Gefragt, wie ihnen denn die Farben gefallen, reagierten einige Studierende sehr erstaunt. War ihnen doch gar nicht aufgefallen, dass es überhaupt welche gibt. Und was für die Einen eine „Vernutzung“ des Raumes ist, darauf möchten die Anderen ungern verzichten. Müssen sie auch nicht, nach drei Monaten wird Schuhmachers Freiheitsmoderne sich wieder in die unwirtliche Durchgangszone zurückverwandeln. „Universitätsbauten als Spiegel universitären Selbstverständnisses. Wie entwickelt sich der Kölner Uni-Campus?“ ist die Frage, auf die am Mittwoch, den 30.09. um 19 Uhr in der Aula bei einer Diskussion u.a. mit Albert Speer eine Antwort gesucht wird.

22 I went out for birds and came up with Nazis

Vogelsang Intervention 2009, KHM

Angeregt von der Infoveranstaltung eines stadtbekannten Outdoor Ausrüsters kam Julia Scher, Professorin für Medienkunst an der KHM, eines Tages auf die schöne Idee, sich in der Eifel eine „bird show“ anzusehen. Da die Deutschkenntnisse der Amerikanerin noch ähnlich ausbaufähig sind wie die Englischkenntnisse ihres Reiseberaters am Kölner Hauptbahnhof, landete sie – und dies ist jetzt kein Kalauer – in Vogelsang. Die dortige „Ordensburg“, bis 1936 vom Kölner Architekten Clemens Klotz als Schulungsstätte errichtet, ist immer noch wenigen Kölnern ein Begriff. Nach dem Abzug der belgischen Armee wurde das Gelände 2006 für zivile Besucher geöffnet, und ein NS-Dokumentations- und Besucherzentrum – auch für den Nationalpark – soll einziehen. Es entwickelt sich jedoch alles sehr schleppend.

Julia Scher war von dem Gelände so beindruckt, dass sie nun mit ihren Studenten eine künstlerische „Anreise“ versucht. Vom 16. bis zum 18. Oktober wird die Vogelsang Intervention 2009 stattfinden, zu der die plan-Ausstellung eine knappe Vorschau gibt. In dem eigentlichen Projekt werden Performances, Klanginstallationen, Modelle, räumliche Eingriffe und Videoprojektionen zusammenfinden. Zwei Bustouren am 17. und 18.10. sind geplant, eine Anmeldung ist erforderlich unter presse@khm.de.

27 Haus der Kölner Baukultur – Die Erschließung der Archäologischen Zone

Boucherie, Mauritiussteinweg

Vorgestellt wird die von Prof. Gerd Hamacher betreute Diplomarbeit von Alexander Unsin, die 2008 den Preis der Fakultät für Architektur für die beste Diplomarbeit erhielt. Ein historischer Mauerrest möglicherweise römischen Ursprung im Keller der Boucherie bildet den Hintergrund für die Präsentation. Der Entwurf schlägt vor, die Erschließung vom Alter Markt aus vorzunehmen, wo eine Verbindung mit dem neuen U-Bahn-Zugang hergestellt werden könnte. Mindestens so vielschichtig wie die Kölner Stadthistorie an diesem Ort ist mittlerweile die Kontroverse um die Bebauung des Rathausplatzes. Da tut es gut, noch einmal ganz andere und neue Fragen zu stellen. Aber das reicht wirklich schon für einen Projekteintrag im plan Programm?

Am Mittwoch, 30.09., 20 Uhr stellt A. Unsin seinen Entwurf vor.

15 Die Spuren des Krieges

Komma4 Architekten, Maybachstraße 159

Das Architekturbüro hat zusammen mit der AG Festung Köln e.V. und P. Folkersma von CQ Cologne einen Rundgang zu Kriegsspuren im Stadtbild ausgearbeitet. Dazu gibt es auch ein etwas knapp gehaltenes Faltblatt und eine Handvoll Bildtafeln im Hauseingang. Das Büro selbst war nicht geöffnet. Wer nicht zu den angebotenen Führungen kommen kann, bleibt mit sehr dünnen Informationen zurück.

Weitere Rundgänge gibt es am Di, 29.09., 17 Uhr und Do, 01.10., 15 Uhr.

42 Teehaus und Block 10: Architektur in der DDR

Ort des Extra – Raum des Ordinären, Projektraum Weiss

In Ehrenfeld lockt eine Schau zum „Schalenbaumeister“ Ulrich Müther. Auch hier ist der eigentliche Beitrag zum Thema nur zu bestimmten Zeiten zu haben, ein Dokumentarfilm wird jeden Abend um 19 Uhr vorgeführt. Margarete Fuchs zeigt außerdem Fotos und eine Installation zum Thema DDR Städtebau, Anja Webers Porträts von Mieterinnen aus Halle Neustadt nebst Interviews ergänzen das Thema. Interessante, noch weitgehend unbekannte Bauten, gute Bilder und Texte – aber leider viel zu wenig!!!! Den Künstlerinnen und Initiatorinnen hätte man einen zentraleren und größeren Spielort sehr gewünscht.

Ira Scheibe

Der transparente Bau von Hans Schuhmacher verbindet Licht, Luft und Baumgrün, die bei Kölner Universitätsbauten sonst eher knappe Güter sind.

Foto: Ira Scheibe

Theresa Krause hat in zweieinhalb Wochen die Ordensburg in Second Life nachgebaut. Auch die geplanten Installationen sind in der Animation zu sehen.

Foto: Ira Scheibe

Diplomarbeit für das Haus der Kölner Baukultur, Der Zugang zur archäologische Zone könnte vom Alter Markt aus erschlossen und mit dem neuen U-Bahn-Zugang verbunden werden.

Foto: Ira Scheibe

Spuren des Krieges, Projekt Nr: 15.

Foto: Ira Scheibe

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