„Region macht Zukunft“

Die Kölner Projekte der Regionale 2010

Am 16. Juli 2009 hat Oberbürgermeister Fritz Schramma im Spanischen Bau des Kölner Rathauses die Ausstellung der Kölner Projekte zur Regionale 2010 mit dem Titel „Region macht Zukunft“ eröffnet. Es sind noch rund acht Monate bis zur geplanten „Rheinischen Weltausstellung“. Zeit also, um den Kölnern – wenn auch noch keine fertigen Projekte oder Baustellen zu zeigen – die Perspektiven ihres Strukturprogramms zu eröffnen.

Strukturpolitik von unten wird diese Art von Politik als Erbe der IBA genannt, bei der kein Masterplan ausgegeben wird, denn die Regionalen begreifen sich eher als Summe von Einzelprojekten, die sich im günstigsten Fall durch Netzwerke verstärken lassen. Im Bewerbungszeitraum von 2002 bis 2007 gingen rund 400 Anträge aus den Städten und Kommunen bei der Regionale-Agentur ein. Rund 60 davon wurden als regional bedeutend, beispielhaft, zukunftsorientiert und Struktur stärkend anerkannt und in den Katalog der Regionale aufgenommen.

Die öffentlichen Mittel, die die Regionale-Agentur beim Land NRW, dem Bund und der EU beantragen, sollen – schließlich ist die Regionale auch ein Instrument der Wirtschaftsförderung – ungefähr im Verhältnis 1:1 von ortsansässigen Unternehmen und privaten Institutionen aufgestockt werden. So wurden inzwischen rund 400 Mio. € zur Förderung der einzelnen Projekte zugesagt. Doch müssen die Kommunen zur Durchführung auch einen Eigenanteil von inzwischen 30 Prozent der Kosten leisten.

Die rund 20 in der Ausstellung gezeigten Kölner Projekte sollen der Region den Weg in die Zukunft weisen, doch erscheinen sie merkwürdig blass und sprachlastig – kaum zu glauben, wenn man durch den Projektkatalog blättert, dass es sich hier um die drittstärkste Metropolregion in Deutschland handelt.

Die Projekte der Regionale 2010 sind in sechs Arbeitsbereiche gegliedert: Stadt, Rhein, Grün, Kulturelles Erbe, Gärten der Technik und Impulse für den Standort.

Stadt – Raum für neue Ideen

„Stadtentwicklung beiderseits des Rheins“ ist das städtebauliche Leitprojekt der Stadt Köln, auf dem Papier ganz einfach dargestellt mit einem großen um die Innenstadt gezogenen Kreis. Die linksrheinische Stadthälfte steht unter dem Titel Bewahren, die rechtsrheinische wenig überraschend unter dem Schlagwort Aufbruch. Dazwischen liegt der Rhein als trennendes oder verbindendes Element. Plakativer könnte man kaum zeigen, dass hier das existierende Ungleichgewicht der Stadt angegangen werden soll. Die drei Module des städtebaulichen Leitprojektes sind für die Regionale 2010 nicht neu erfunden aber mit frischer Energie und finanzieller Unterstützung angegangen worden: Linksrheinisch soll mit der Errichtung der Archäologischen Zone und dem Haus und Museum der Jüdischen Kultur ein Stück der 2000jährigen Stadtgeschichte für die Zukunft bewahrt werden. >>>Archäologische Schichten

Im rechtsrheinischen Stadtgebiet soll durch die beiden Module der Regionale 2010 die dynamische Stadtentwicklung gefördert werden: Der Rheinboulevard, zwischen Deutzer Hafen und dem Rheinpark, soll dem rechten Rheinufer eine neue Gestalt geben, und als Pendant zu dem mittlerweile an vielen Stellen attraktiv gestalteten linken Rheinufer, wirken. >>>Wettbewerb „Rheinboulevard“ zur Neugestaltung des rechten Rheinufers

Wichtige Entscheidungen sind gefallen, jetzt hofft man, bis 2011 – auch wenn heute davon noch nichts zu sehen ist – in einem ersten Abschnitt die Freitreppe zwischen Deutzer- und Hohenzollernbrücke realisieren zu können.

Die Entwicklung des Deutzer Ottoplatzes zu einem repräsentativ und funktional gestalteten Entree in die rechtsrheinische Innenstadt wurde durch den im Rahmen des Landeswettbewerbes „Stadt macht Platz – NRW macht Plätze“ von der Stadt Köln 2005 ausgelobten Realisierungswettbewerb erheblich vorangetrieben. >>>Realisierungswettbewerb für die Neugestaltung des Ottoplatzes und des Messeplatzes am Bahnhof Köln Messe/ Deutz ist abgeschlossen.

Die hochkomplexe Planungsaufgabe ist wegen ihrer großen stadtentwicklungspolitischen Bedeutung das dritte der städtebaulichen Leitprojekte der Regionale 2010 in Köln.

Rhein – Rückgrat der Region

Dem Wunsch unmittelbar am Wasser zu Wohnen steht immer die Gefahr des Hochwassers gegenüber. Das Hochwasserkompetenzcentrum HKC, das seit September 2007 als gemeinnütziger Verein eingetragen ist, begleitet die flussnahen Projekte der Regionale mit Expertenwissen zu Umwelt und Hochwasser. So auch bei der Machbarkeitstudie, die die Stadt Köln zusammen mit der Regionale Agentur in Auftrag gegeben hat, um verschiedenste Ortslagen, Hochwasserschutzmaßnahmen und Bebaubarkeiten zu untersuchen. Ende 2007 konnten die Ergebnisse eines im Rahmen der Regionale 2010 ausgelobten internationalen Architektenwettbewerbs für sechs ausgewählte Standorte am Rheinufer präsentiert werden. Ob es jedoch im Einzelnen zur Realisierung kommen wird, ist derzeit noch ungewiss.

>>>:rhein – „wohnen am strom“

Grün – blau-grüne Infrastruktur

Die Städten und Kommunen der Region Köln/Bonn haben den Masterplan:grün entwickelt, der regional bedeutsame Freiräume über die kommunalen Grenzen hinaus zu einem grünen Netzwerk zusammen fügen soll. Im Rahmen der Regionale 2010 entstand daraus das Konzept RegioGrün, das ausgehend von den beiden Kölner Grüngürteln das städtische Grün durch radiale Freiraumkorridore mit den außerstädtischen Naherholungsgebieten verbinden möchte. Allein in Köln sind es sieben einzelne Projekte, darunter der Strunder Bach, die Lindenthaler Kanäle, die südliche Heideterrasse oder Landschaftspark Belvedere, die einzeln keine große Lobby gehabt hätten. Doch als Bausteine des Kulturlandschaftsnetzwerkes RegioGrün kann jeder einzelne Ort dazu beitragen, die blau-grüne Infrastruktur der Region zu stärken.

Kulturelles Erbe

Die Sicherung und Entwicklung des kulturellen Erbes im städtischen wie im ländlichen Raum ist ein besonderes Anliegen der Regionale 2010. Der weite zeitliche Rahmen der Projekte vom Erlebnisraum Römerstraße bis zum Flughafen Butzweilerhof zeigt deutlich, wie vielfältig sich das Kulturlandschaftsnetzwerk der Region entwickeln kann.

Gärten der Technik – Vernetzte Potentiale

Bereits im April 2009 eröffnete das Cologne Science Center Odysseum, ein riesiger Edutainmentpark auf dem Gelände der ehemaligen Chemischen Fabrik Kalk.

Das von der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrtmedizin in Porz geplante envihab erforscht die Wechselwirkung von Mensch und Umwelt und soll die Auseinandersetzung der Öffentlichkeit mit Fragen nach dem zukünftigen Leben auf der Erde auf der Basis dieser Forschungsergebnisse anstoßen. (Baubeginn September 2009).

>>>Das Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin bekommt ein neues Zuhause.

Beide Institutionen sehen es ganz im Sinne der Regionale 2010 als ihre Aufgabe an, Wissen als Grundlage zukunftsorientierten Handelns nicht nur an Erwachsene, sondern insbesondre auch an Kinder und Jugendliche zu vermitteln und erlebbar zu machen.

Impulse für den Standort

Eigentlich sollen ja alle Regionaleprojekte Impulse für den Standort geben, im Katalog finden sich unter diesem Stichwort jedoch die nicht direkt verorteten Beiträge. Das Internetportal >>>mobil-im-rheinland hält alle Informationen zu Verkehrslage, einen Routenplaner, Park- und Fahrplanauskünfte und vieles mehr bereit. Speziell auf den Radverkehr und -tourismus ausgerichtet ist die Rad Region Rheinland, ein geplantes Radwegenetz, das auf über 2000 km Strecke das ganze radtouristische Potential der Region ausschöpfen möchte.

An dieser Stelle sind noch die Interkommunal Integrierte Raumanalyse (IIRA) und das Projekt Zukunft in der Tasche zu erwähnen. Die IIRA möchte die Kommunen besser vernetzen und die Zusammenarbeit stärken Das Projekt „Zukunft in der Tasche“ fasst die Bildungsmöglichkeiten der Region für Schulabgänger in einer interaktiven Datenbank zusammen.

In die Kategorie der virtuellen Netzwerke gehört auch die Skulptur „Standortmitte“ von Lutz Frisch. Die beiden 50m hohen roten Stahlsäulen an den Endpunkten der A 555 tragen einen großen intellektuellen Überbau. Seit September 2008 soll dadurch „die ganze Region eine Kennzeichnung ihrer historisch geographischen Verbundenheit erfahren“ – so Rainer Molitor, Geschäftsführer der Regionale 2010 Agentur.

Uta Winterhager

Weiterführende Veranstaltungen

Unter dem Titel „Regionale vor Ort“ veranstaltet die Stadt Köln seit zwei Jahren Fahrradtouren und Spaziergänge um die kulturlandschaftlichen Hintergründe vieler Projekte zu erläutern. (Informationen hierzu im Veranstaltungskalender Regionale vor Ort)

Im Präsentationszeitraum der Regionale 2010 von März 2010 bis Juni 2011 wird die Regionale Agentur „Reisen in die Heimat“ anbieten, auf denen die Projekte und Perspektiven vorgestellt werden.

In der Kategorie „Integriert und regional handeln“, des vom Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Stadtentwicklung ausgelobten nationalen Preises für integrierte Stadtentwicklung und Baukultur, bekam die Regionale 2010-Agentur einen Preis für ihr Projekt „Regionale 2010 – Zukunft gemeinsam gestalten“.

Über Kölner Regionale-Projekte informiert eine Ausstellung, die vom 17. Juli bis 20. August im Rathaus, Spanischer Bau, gezeigt wird. Sie ist montags, mittwochs und donnerstags von 8 bis 16 Uhr geöffnet, dienstags von 8 bis 18 Uhr und freitags von 8 bis 12 Uhr.

Alle Projekte der Regionale 2010 im Überblick.

Bild: Regionale 2010 Agentur

Die Fotomontage zeigt den Wettbewerbsentwurf zu ‚Archäologischer Zone und Jüdischem Museum‘ der Architekten Wandel Hoefer Lorch + Hirsch, Stand Nov. 2008

Der erstplatzierte Entwurf des Berliner Landschaftsarchitekturbüros Planorama entwickelt für das Planungsgebiet Rheinboulevard eine lange Freitreppe.

Rechte: Planorama

Eins der Wettbewerbsergebnisse zum Thema ‚Wohnen am Strom‘:

Graalfs Architekten fassen den Dorfrand an der Cohnenhofstraße mit drei freistehenden Gebäuden.

Rechte: Graalfs Architekten

Die Städten und Kommunen der Region Köln/Bonn haben den Masterplan:grün entwickelt, der regional bedeutsame Freiräume über die kommunalen Grenzen hinaus zu einem grünen Netzwerk zusammen fügen soll.

Bild: Regionale Agentur

Die Skulptur „Standortmitte“ von Lutz Frisch konnte im Rahmen der der Regionalen- Kategorie ‚virtuellen Netzwerke‘ verwirklicht werden.

Foto: Uta Winterhager

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