Aus und vorbei

Pläne zum Umbau des Dionysoshofes gescheitert

„Kein Geld für Licht im Tunnel“, „Alles verspielt“, „Dionysoshof bleibt eine Pinkelecke“ – so die Meldungen der letzten Wochen in der Kölner Presse.

Was steckt dahinter? Wie sah der Entwurf für den Umbau des Dionysoshofes aus? Und warum wurde dieser vom Bund abgelehnt? koelnarchitektur fasst zusammen:

Die Fördermittel

Im Rahmen des Konjunkturpakets II stellte Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee 150 Millionen Euro zur Attraktivierung des Umfelds von Welterbestätten bereit. Köln hatte sich mit seinen Umbauplänen für die schmuddelige Unterführung zwischen Dombauhütte, Museum Ludwig und Hauptbahnhof sichere Chancen ausgerechnet, dass der Bund 14 der benötigten 21 Millionen übernimmt. Vor allem Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner kämpfte enthusiastisch für eine Neugestaltung der unwirtlichen Stadtlandschaft.

Der Entwurf …

… stammt von dem Münchner Architekturbüro Allmann, Sattler und Wappner, das sich 2002 in einem Planungswettbewerb durchgesetzt hatte (>>koelnarchitektur berichtete). Im vorigen Jahr hatte die Stadt das Büro mit einer „Machbarkeitsstudie“ beauftragt. Diese Überarbeitung des ursprünglichen Entwurfs bildet die Grundlage des Förderantrages an das Verkehrsministerium.

Der Grundgedanke der neuen Planung: Der Entwurf sieht vor, einen Teil der Domplatte abzubrechen, um Tageslicht in die bislang dunklen Räume zu bringen. Die Straße Am Domhof wird dadurch aus ihrem Kellerdasein befreit. „Es gilt, wieder einfache räumliche Situationen mit wenigen präzise gesetzten Raumkanten zu erzeugen. Die architektonische Umsetzung ist dabei lapidar, die Materialien werden unter dem Gesichtspunkt der Homogenität in Bezug zu den Bestandsgebäuden gewählt“, so die Architekten. Auf dem unteren Niveau soll eine attraktive, ganztägig nutzbare Fuß- und Radwegeverbindung zwischen der nördlichen Innenstadt und der Altstadt entstehen. Vor allem die Sockelbereiche sollen mit neuen Funktionen wie beleuchteten Ausstellungsräumen hinter Vitrinen belegt und Angsträume dadurch aufgelöst werden.

Aus und vorbei

Dieses Vorhaben, mit Bundesmitteln endlich die Ostseite des Doms aus ihrem Schattendasein zu holen, ist nun in weite Ferne gerückt. Ein Grund: Urheberrechtsfragen und Streitigkeiten unter Kollegen. Denn die Architekten Prof. Peter Busmann und Dr. Godfrid Haberer, nach deren Entwürfen vor über 20 Jahren Museum Ludwig sowie Philharmonie und deren Umfeld gestaltet wurden, sahen die vorgelegten Pläne kritisch und haben Einspruch gegen sie erhoben: „Die Stadt hat im Vorfeld nicht das Gespräch mit uns gesucht“, begründet Busmann den Einspruch. Ihn und seinen Kollegen störe der Teilabriss des so genannten „Domchorplätzchens“, einer Freifläche vor dem Domchor. „Auch wir finden die Situation nicht befriedigend, sind an einer Verbesserung sehr interessiert und jederzeit für Gespräche offen.“ Doch der Abbruch eines Teils der Domplatte sei eine „Kurzschluss-Lösung“. (Quelle: Kölnische Rundschau, 15.06.09)

Wie geht es weiter?

Ob diese Auseinandersetzung wirklich ein wesentlicher Grund für die Ablehnung der Förderung war, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Aber einfacher wird die Situation dadurch nicht. „Letzte Woche gab es ein informelles Gespräch mit Dombaumeisterin Schock-Werner, den Herren Streitberger, Schaller und Haberer, um zu überlegen, wie man weiter vorgeht. (…) Der Wille ist da, nach einer Gesamtlösung wird gesucht“, so Architekt Ludwig Wappner. Für das Münchner Büro erscheint manches in Köln noch etwas unverständlich.

Der Stadtentwicklungsausschuss verabschiedete kürzlich bereits einstimmig eine Resolution, mit der er den Bundesminister bittet, die Entscheidung noch einmal zu überdenken. koelnarchitektur bleibt dran!

Natalie Bräuninger

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Der geplante Blick von oben: klar und hell

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Der schmuddelige Dionysoshof wird wahrscheinlich eine Pinkelecke bleiben …

Alle Bilder stammen aus der Machbarkeitsstudie ‚Kölner Domplatte 2009‘ von Allmann Sattler Wappner Architekten.

4 Kommentare

Zwar halte ich den Entwurf von ASW für gut, aber nicht konsequent genug: Eine Freilegung des Gleiskörpers ohne Weg zum HBF eine weitere „Unterwelt“ beseitigen. Aber die Reaktion von B&H ist natürlich völlig kontraproduktiv. Es musste klar sein, das die Planung ohne Fördermittel in die Tonne wandert.

Ein seltsamer Ort.
Auf Augenhöhe mit dem Kölner Bahnhof. Ein moderner Ort.
Im Rücken der Kölner Dom. Ein stiller Ort.
Unter mir, viel weiter als das worauf meine Füße stehen, die geteerte und rasant befahrene Straße. Ein dreckiger und lauter Ort.
Ach ja richtig, noch viel weiter unten, ganz verborgen fährt und rumpelt die U-Bahn. Ein tiefer Ort.
Ich fühle mich an etwas in mir erinnert. Was ist es nur?
Ein bewegter Ort.
Ein seltsamer Ort.

Hier mitten in der Kölner Innenstadt, genauer gesagt
„Am Domhof“ treffen nicht nur die unterschiedlichsten Baustile mit ihren Epochen, die sie verkörpern, aufeinander sondern da ist noch mehr.
Zeit – Zukunft, Vergangenheit, Gegenwart.
Dimensionen – oben, unten, vor mir, hinter mir.
Bewusstsein – um mich herum wird zu meinem innersten.
Für mich regelrecht spürbar mit all meinen Sinnen.
Ich sehe mit den Augen: Das Bahnhofsdach, ein Ruhepol; die Hohe Domspitze, so fern; die kreuzenden Autos, die aus dem nichts des Tunnels auftauchen und auch dort wieder verschwinden; die vielen Züge, die von überall herkommen und mit denen man so viele Orte erreichen kann; die Menschen in ihrer vielerlei Kleidung, um mich herum, neben mir, ich schau auch auf sie herab.
Ich höre mit den Ohren: das Brummen und Knurren des nie endenden Autostromes; die Bahnsteigdurchsagen, die von weiter Ferne künden, von Verspätung und Zurücktreten; Menschengekreisch dringt in mein Gehirn, Wortfetzen und Absatzgeklapper.
Ich fühle mit den Nerven meiner Haut: die Brüstung, auf der meine Hand ruht erzittert unter der Last der kreuzenden Vehikel; der Wind in meinem
Gesicht, ob kalt ob warm; der laue Stadtregen tropft auf meinen Kopf.
Ich schmecke auf meiner Zunge, rieche mit der Nase: Autoabgase; riecht Beton?; ach, was duftet doch der Dom nach Mittelalter.
Ich bin berührt und nehme wahr mein Innenleben außerhalb von mir. Ich seh das Hin und Her der Dinge, hab die Vergangenheit in meinem Rücken, der Zug ist abgefahrn, ich sitz mit drin, vielleicht, es grollt in mir.

Ohne die „Pinkelecke“ hätte ich nicht das Tiefenerlebnis, ohne die Schlucht zu sehen hätte ich nicht das Klaffen meiner Brust vor mir. Der Lichtschlucker als Spender zur Erkenntnis seiner selbst. Hier kotz ich mich aus!

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