Durch das Fundament in die Höhe

Neuer Domeingang eingeweiht

„Das macht ja richtig Spaß!“ Kommentare wie dieser werden wohl in nächster Zeit noch häufiger rund um den Dom zu hören sein. Denn der neue Eingang zum Südturm des Kölner Doms beeindruckt.

Die Eröffnung

Am 02. April 2009 war es endlich soweit – der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner weihte im Beisein von NRW-Bauminister Lutz Lienenkämper, OB Fritz Schramma sowie Dombaumeisterin Prof. Barbara Schock-Werner den Bau ein. Vor allem Letzterer ist es zu verdanken, dass von nun an nicht nur der Dom, sondern auch dessen Zugang Bewunderung findet.

Zur Geschichte

„Angefangen hat alles im Jahr 2002. Der Lärm der rund 500.000 jährlichen Turmbesteiger störte insbesondere bei Gottesdiensten so sehr, dass der Kardinal manchmal sogar den Turm schließen ließ“, so die Dombaumeisterin. Und repräsentativ war auch etwas anderes.

Die Chance ergab sich, als unter der Südturmhalle archäologische Grabungen stattfanden und dort ein etwas 120 m² großer Raum freigelegt wurde. Dieser musste von außen erschlossen werden. Nach dem OK von Denkmalpflege, Statikgutachtern und der Stadt (das Grundstück rund um den Dom gehört nicht der Hohen Domkirche), wurden zehn internationale Büros zu einem Wettbewerb eingeladen. Aus den neun eingereichten Arbeiten – warum Herzog & de Meuron zurückzogen, weiß man nicht – wählte die Jury eindeutig das Kölner Büro Kaspar Kraemer Architekten zum Sieger. „Der Entwurf überzeugte, da er keine Unterwelt geschaffen hat wie die anderen, sondern eher einen tiefer gelegenen Platz. Zudem gefiel uns, dass alles hell, klar, durchsichtig und offen gestaltet war“, so Barbara Schock-Werner. Der Entwurf von Kaspar Kraemer war aber mehr als ein reines Zugangsbauwerk: Er integrierte den Zugang zu Parkhaus, die öffentlichen Toiletten und ein neues Kiosk.

Die neue Erschließung

Und die Idee funktioniert. Heute freuen sich die Besucher über die Funktionalität des eleganten Bauwerks. Der Weg führt zunächst über eine großzügige, unüberdeckte Freitreppe hinab auf die verteilende Hofebene. Man erreicht von hier aus barrierefrei alle Nutzungen. Zudem bietet sich aus dem Hof nach oben ein bisher nicht da gewesener Blick auf den Südturm des Doms. Von seinem – nun sichtbaren – mittelalterlichen Fundament bis zur Turmspitze. Vier Messingportale markieren die Zugänge.

Material und Licht

Kaspar Kraemer erklärt: „Der architektonischen Grundidee entsprechend, kamen nur wenige Materialien zur Verwendung: Naturstein als Wand-, Boden- und Dachbekleidung, bronzierte Messingbehänge als Einbruch- und Sonnenschutz, anthrazitfarbene Fassaden- und Geländerelemente sowie Glas für Geländer und Fensteröffnungen.“ Uneinsichtige Bereiche werden vermieden. Funktionalität verbunden mit zurückhaltender Architektur – der Bau wird seinem großen Nachbar absolut gerecht.

Im Inneren

„Wir wollten einen Profipartner für die Planung“, so Schock-Werner und entschied sich für Züblin. Gearbeitet wurde ausschließlich nachts. Und so entstanden in gut 8 Monaten zwei Tunnel durch die im Mittelalter erstellten Fundamente des Südturms mittels Kern- und Pressbohrungen. Ein Bohrloch pro Nacht. Das Resultat ist beeindruckend: Die Form der Bohrköpfe im alten Mauerwerk wurde unverkleidet gelassen und der Besucher erhält so eine kleinen Eindruck von der Massivität der Domfundamente. Gelangt man heute vom lärmenden Roncalliplatz durch diesen beieindruckende Tunnel in den neuen Eingangsraum, vorbei an mittelalterlichen Fundamenten bis in den nun freigelegten römischen Keller, betritt man eine völlig andere Welt. Und wagt man dann noch den Aufstieg über die 509 Stufen – Genuss pur!

„Es gibt natürlich auch noch ein paar Kinderkrankheiten“, räumt die Dombaumeisterin ein. Oft finden die Besucher den neuen Domaufgang gar nicht. Denn warum soll ich erst eine Treppe runter gehen, wenn ich doch eigentlich nach oben will? Eindeutigere Schilder sollen das Problem lösen. Auch die Messingtüren das Aufzugs lassen Prof. Schock-Werner noch ins Schwitzen kommen. Deutliche Fingerabdrücke störten sie so sehr, dass sie selbst zum Putzeimer griff!

Und nun?

Nach dem Trubel um das neue Domfenster und dem Bau des Turmzugangs, möchte die Höhe Domkirche sich eigentlich in nächster Zeit nur einigen Renovierungsarbeiten widmen. Obwohl – da gibt es doch noch etwas. Nachdem der Bund 150 Mio Euro an Fördermitteln freigegeben hat, kämpft die Dombaumeisterin für den Umbau des Dionysoshofes. Die Machbarkeitsstudie des Büros Allman Sattler Wappner liegt ihr seit Jahren auf dem Tisch …

Natalie Bräuninger

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Zur Homepage von Kaspar Kraemer Architekten

Eröffnung

Am 02. April wurde das neue Zugangsbauwerk eingeweiht.

Eröffnung Kardinal

Joachim Kardinal Meisner spendete ihm seinen Segen.

Treppe nach unten

Statt einer Unterwelt gestaltete Kaspar Kraemer einen tiefergelegenen Platz

Südeingang von Westen

Der neue Südeingang von Westen ’steht seinen Mann‘, nimmt dem Dom aber keinerlei Präsenz

Tunnel

Durch einen neuen Tunnel gelangt der Besucher in den neuen Eingangsraum.

Der neue Südeingang von Osten

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