Weiter Abwärts?

Stellungnahme des BDA Köln zur geplanten Erweiterung des Kölnischen Stadtmuseums

Angesichts der Katastrophe des Historischen Archivs und der jüngsten Enthüllungen um die massiven Defizite bei Planung, Bau und Überwachung der Nord-Süd-Stadtbahn sollte man meinen, dies sei ein heilsamer Schock für die Stadtgesellschaft und ihre Repräsentanten in Politik, Verwaltung und Kultur. Unzählige namhafte Bürger artikulieren auf allen erdenklichen Ebenen ihren Unmut über die kaum zu durchschauenden Verflechtungen; und selbst die Lokalpresse reiht sich mit ihren Kommentaren in die massive Kritik der nationalen und internationalen Presse an den Vorgängen in Köln ein.

Doch kaum ist der Staub des Einsturzes verflogen und das Chaos der städtischen Verantwortung offensichtlich, so schickt sich unser Oberbürgermeister an, einen nächsten Schritt zu tun, der die Verantwortungspflicht gegenüber städtischen Kultureinrichtungen empfindlich verletzt.

Es geht um das Kölnische Stadtmuseum, das Flaggschiff Kölner Kultur und Geschichte und Stolz der Kölner Stadtgesellschaft. Die Erweiterung dieses Museums war in den letzten Monaten Gegenstand eines zwischen Politik, Verwaltung und Stiftern abgestimmten Wettbewerbsverfahrens.

Der Wettbewerb hat stattgefunden; das Berliner Büro „raumzeit“ ist als Sieger aus diesem zwischen allen Beteiligten abgestimmten Verfahren hervorgegangen. Es akzeptiert unter Voraussetzung seiner Federführung eine Arbeitsgemeinschaft mit dem Architekten des Stifters.

Doch der Kreis um das Stifterehepaar will dies nicht akzeptieren, beharrt auf der Beauftragung ihres Intimus und erhält postwendend die Unterstützung ihres Oberbürgermeisters. Beide greifen damit der noch ausstehenden, abschließenden Beratung und Empfehlung des von der Politik eingesetzten Planungsbeirates vor, in den sie doch selbst eingebunden sind. Kölner Klüngel?

Welche Selbstachtung bleibt den Entscheidungsträgern dieser Stadt noch, wenn sie sich dermaßen vorführen und erpressen lassen?

Welcher Geist offenbart sich in dem Verhalten der Stifter, die ihr grundsätzlich ehrenhaftes Bemühen, der Stadt etwas Gutes zu tun, so in Verruf bringen lassen?

Hinzu kommt die Tatsache, dass die Direktvergabe einer öffentlichen Bauaufgabe rechtlich höchst umstritten ist. Somit wird zumindest eine lange Blockade des Projekts durch eine mit Bestimmtheit zu erwartende juristische Prüfung der EU-Kommission riskiert.

Nun ist die Politik als Ganzes aufgerufen, diesem Treiben Einhalt zu gebieten!

Angesichts der Vorgeschichte des Projekts bleiben nur noch die Umsetzung des Wettbewerbsergebnisses mit den Stiftern oder die Ablehnung der Stiftung als Handlungsalternative. Alles andere beschädigt den Ruf der Stadt einmal mehr und enttäuscht all jene, die hoffen, dass die Spitze unserer Stadtgesellschaft aus der Tragödie des Stadtarchivs etwas gelernt hat.

gez. Stefan Schmitz

Vorsitzender des BDA Köln

Hintergründe zur Stellungnahme vom 23. März 2009

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