Gratwanderung

Köln bekommt ein Geschenk: Den Anbau für das Stadtmuseum. Die Art und Weise wie hier geschenkt wird, ist umstritten. koelnarchitektur.de beleuchtet die Hintergründe.

Ich mag meine beste Freundin wirklich sehr. Deshalb schenke ich ihr – einfach so – ein sehr teures Buch, das sie seit langem schon haben möchte. Meinen Namen hab ich reingeschrieben, damit sie immer daran erinnert wird, dass ich ihr dieses großzügige Geschenk gemacht habe. Zusätzlich möchte ich aber, dass sie sich noch ein Regal extra für das Buch kauft. Ich habe es schon ausgesucht, es ist weiß und ein bisschen teuer. Vielleicht passt es auch nicht so ganz zu ihren Naturholzmöbeln, aber wenn ich ihr dieses Geschenk schon mache, kann sie auch etwas dafür tun.

Zugegeben, dieser Vergleich ist ein bisschen weit hergeholt, aber im Kern trifft er das, was zwischen einem noch anonymen Stifterehepaar und der Stadt Köln abläuft. Ich jedenfalls würde mich nicht wundern, wenn meine Freundin das Geschenk ablehnen würde. Die Stadt Köln wird das Geschenk annehmen. Es ist der Anbau für das Kölnische Stadtmuseum im Wert von mindestens fünf Millionen Euro. Die Stadt aber muss mindestens sechs Millionen Euro zusätzlich investieren.

Fertiges Haus für die Stadt

Hier wird jedoch nicht einfach nur das Geld für das Gebäude gespendet, die Stifter haben einen fertigen Entwurf von Hanspeter Kottmair, nach dem gebaut werden soll. Auch wer den Bauauftrag bekommt, ist schon klar. Warum das Stifterehepaar dem großzügigen Geschenk den Beigeschmack des Kölner Klüngels gibt, können wohl nur sie beantworten. Es ist ja gar nicht gesagt, dass sie bestimmten Personen über den Umweg der Schenkung ein Großprojekt vermitteln möchten. Vielleicht wollten sie den Neubau einfach nur beschleunigen, vielleicht möchten sie wissen, was genau mit dem Geld passiert, das sie stiften. So wie Bauprojekte in Köln manchmal laufen, ist dieser Wunsch auch durchaus berechtigt.

Öffentliche Ausschreibung oder privater Auftrag?

Aber hier geht es nicht nur um möglichen Klüngel, sondern um juristische Fakten. Nämlich um die Frage: Müsste dieses Projekt nicht öffentlich ausgeschrieben werden? Die Stadt ist hier nicht der Auftraggeber, deshalb ist eine öffentliche Ausschreibung nicht notwendig, private Bauherren sind dazu nicht verpflichtet. Nachdem aber in den 1990er Jahren der Bau öffentlicher Gebäude über private Investoren Überhand nahm, wurde in der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB) der §32a zum Thema Baukonzessionen eingeführt. Wenn ein öffentlicher Bauherr indirekt ein Gebäude errichtet, also inhaltliche Vorgaben macht, vielleicht das Grundstück zur Verfügung stellt oder Personal- und Sachkosten investiert, ist auch der private Bauherr zur Ausschreibung nach der Vergabeordnung für freiberufliche Leistungen (VOF) verpflichtet. Von verschiedenen Gerichten wurde dieser Paragraph inzwischen sehr eng ausgelegt, so dass selbst der Bau eines Einkaufszentrums aufgrund der städtebaulichen Komponente schon ausschreibungspflichtig sein kann. Aber all dies ist natürlich Auslegungssache, so hat die Stadt Köln bereits zwei juristische Gutachten, die die Rechtmäßigkeit des geplanten Verfahrens bescheinigen. Und so lange sich niemand die Mühe macht, das Gegenteil zu beweisen, wird auch so verfahren.

Eine Chance im Verhandlungsverfahren?

Wenn aber der Auftrag öffentlich ausgeschrieben würde, hätte der Architekt Hanspeter Kottmair überhaupt eine Chance? Die VOF hält die Bedingungen für die Teilnahme am Verhandlungsverfahren sehr allgemein, grundsätzlich muss der Auftragnehmer fachlich kompetent, zuverlässig und wirtschaftlich leistungsfähig sein. Es ist davon auszugehen, dass das Architekturbüro Kottmair diese Anforderungen erfüllt. Nach §16 der VOF wird dann genauer abgefragt, welche Kriterien für die Entscheidung zur Auftragserteilung berücksichtigt werden. Für Aufträge an Architekten, besonders bei einem Kulturgebäude, ist aber der Entwurf das wichtigste Kriterium. Da beim Verhandlungsverfahren – im Gegensatz zum Wettbewerb – keine Entwürfe eingereicht werden, kann nur anhand von früheren Projekten des Architekten geurteilt werden. Ein Museum befindet sich nicht darunter, auch kein anderes Ausstellungsgebäude oder ein Kulturbau, das Büro Kottmair hat bislang hauptsächlich Büro- und Gewerbegebäude geplant. Baumärkte als Referenzobjekte für das Kölnische Stadtmuseum? Unter geschätzten 200 Teilnehmern an einem öffentlich ausgeschriebenen Verhandlungsverfahren würden sich mit hoher Wahrscheinlichkeit andere, ähnlich leistungsfähige Büros befinden, die Erfahrungen mit Museumsgebäuden vorweisen können.

Wettbewerb die bessere Alternative

Besser als ein reines Verhandlungsverfahren wäre aber für ein solches Gebäude in jedem Fall ein Wettbewerb, woran sich das Büro Kottmair durchaus beteiligen könnte. Hier wäre der Entwurf die direkte Vergabegrundlage, nur so kann sichergestellt werden, die optimale Lösung zu finden, von der der bisherige Kottmair-Entwurf weit entfernt ist. Einen Wettbewerb aber lehnen die Stifter ab. Laut Schenkungsvertrag soll allerdings die jetzige Vorplanung „gestalterisch optimiert“ werden, auch unter Beteiligung anderer Architekten. Eine Lösung, die sicher allen Beteiligten schadet, zuvorderst dem Architekten, der öffentlich korrigiert wird, aber auch der Stadt und ihren Bürgern, die wieder einmal eine suboptimale Lösung bekommen werden.

Vera Lisakowski

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Homepage des Architekturbüros Kottmair

STADTMUSEUM HPK 02g Kopie

Die Planung für den Anbau des Stadtmuseums: Zur Burgmauer hin kragt der Neubau über die erhaltene Stadtmauer aus.

Bild: Kottmair/Kölnisches Stadtmuseum

stadtmuseum vl 03

Der Parkplatz des Regierungspräsidiums ist der Bauplatz für den Anbau.

Foto: Vera Lisakowski

STADTMUSEUM HPK 07f (Image/Foto)

Blick von der Zeughausstraße auf den Erweiterungsbau des Architekten Hanspeter Kottmair.

Bild: Kottmair/Kölnisches Stadtmuseum

stadtmuseum vl 02 (Image/Foto)

Blick auf das Zeughaus.

Foto: Vera Lisakowski

STADTMUSEUM HPK 03c Kopie

Der Weg nach oben: Sympathisches Treppenhaus oder Kaufhauscharme?

Bild: Kottmair/Kölnisches Stadtmuseum

6 Kommentare

…man mag bei den anstehenden Bauprojekten der Stadt Köln aus jüngerer Vergangenheit ja schon oft gedacht haben, „das darf doch nicht wahrsein…“, oder sich gefragt haben, „wie konnte der denn gewinnen, gab´s da keinen Besseren…?“. Aber, wenn man so etwas liest, besonders im Zusammenhang mit dem damit verbundenen Entwurf, muss ich wirklich sagen: Gute Nacht Baukultur und Gute Nacht Köln. Irgendwann werden auch Euch die exponierten und relevanten Bauaufgaben ausgehen… dann wiederum muss auf Einkaufszentren und Ähnlichen Mist von allein zurückgegriffen werden.
Solange diese Not aber nicht besteht, sollte man die vorhandenen Kulturbauaufgaben aber doch bitte ernster nehmen und der Stadt die Chance geben, sich, nicht zuletzt den (Kunst-)Touristen interessanter und hochwertiger zu präsentieren… es könnte sich ja lohnen…
Aber so? Dafür fahr ich nirgendwohin…

in köln steht der dom! seine attraktion reicht aus um millionen touristen in die stadt zu locken. das ist was die stadtverwaltung möchte.

und sie kommen, egal was sonst noch in köln verbaut wird. andere städte müssen sich da halt etwas mehr anstrengen, und schaffen auch mehr qualität.

herr professor(!) lemper, ihre rede ist ggü. den ratskollegen mit anderem standpunkt am liebsten polemisch, wissenschaftlich betrachtet eher unsachlich und tatsächlich „rheinische art“ (art: engl. kunst), genannt klüngel. nur das durchhaltevermögen ist kein kriterium für gute baukultur!

Warum werden externe Gutachter beauftragt, um etwas rechtmäßig zu machen, was offensichtlich nicht rechtmäßig ist? Man stelle die Frage der Auftragsvergabe dem Zentralen Vergabeamt der Stadt Köln. Dieses wird genug Fingerspitzengefühl haben, was geht und was nicht geht!

ein stadtmuseum aus addierten kisten – reicht für ein polizeipräsidiuum, aber was hat diese architektur mit dem ort zu tun? ein großzügiges geschenk – auf jeden fall – aber warum dürfen wir nicht mal über architektur sprechen?

Als wir uns in unserer Diplomarbeit für eine Kulturwerkstatt mit dem benannten Grundstück beschäftigt haben, hatten wir einen Termin bei dem stellvertretenden Direktor des Stadtmuseums. Das Thema Kulturwerkstatt konnte Ihn nicht begeistern. Ihm war schon damals klar, was er für die Erweiterung seines Stadtmuseums wollte: eine Kiste ohne Fenster. Die bekommt er jetzt wohl…

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