Erweiterung des Kölnischen Stadtmuseums

Stellungnahme des BDA Köln zur aktuellen Situation

Im April wurde die Öffentlichkeit über die Absicht eines Stifter-Ehepaares informiert, die bauliche Erweiterung des Kölnischen Stadtmuseums mit einem erheblichen finanziellen Beitrag maßgeblich zu unterstützen. Die Schenkung soll sowohl Bauleistungen als auch Planungsleistungen umfassen.

Das außergewöhnliche und finanziell umfangreiche Vorhaben der Stifter wird von uns wie auch von vielen anderen grundsätzlich sehr begrüßt. Die Stifter reihen sich ein in eine lange Tradition bürgerschaftlichen Engagements, welches die Identität der Stadt Köln prägt, dessen sie auch bedarf. Es liegt nun an allen Beteiligten, in gemeinsamer Verantwortung den Beitrag der Stifter in einen Prozess einzubinden, welcher der Besonderheit des Ortes und der Bauaufgabe gerecht werden kann.

Das Kölnische Stadtmuseum ist nicht nur ein Museum der Stadt, sondern DAS Museum der Stadt, eben das Stadt-Museum. In der Selbstdarstellung des Museums heißt es treffend, dass man der Öffentlichkeit Einblick gewährt in Geschichte, Geistesleben, Wirtschaft und Alltagsleben Kölns vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Dass die Stadtentwicklung dabei nicht nur retrospektiv Darstellung findet, sondern tatsächlich Gegenwart einbezieht, zeigt sich deutlich darin, dass das Kölner Stadtmodell – als Praxiswerkzeug aktueller Stadtentwicklungsplanung – dem Stadtmuseum angegliedert ist.

Das Kölnische Stadtmuseum hat den Anspruch, gebaute Identität der Stadt Köln zu sein. An der Umsetzung dieses Anspruches misst sich in der öffentlichen Wahrnehmung das kommunale Selbstverständnis.

Ein regelkonformes, transparentes Vergabeverfahren der Planungsleistungen ist nicht nur allein aus formaljuristischen Gründen notwendig, sondern aus baukultureller Sicht dringend geboten. Architektenwettbewerbe sind das Mittel der Wahl, wenn es um das Finden der besten Lösung für eine Bauaufgabe geht. Und mit weniger als der besten Lösung sollte man sich nicht zufrieden geben, schon gar nicht bei einem Prestigeprojekt wie dem Stadtmuseum. Um wie viel wertvoller ist doch das Geschenk der Stifter, wenn die herausragende Qualität des Stadtmuseums durch einen hochkarätigen Architekturwettbewerb gesichert werden kann. Eine sowohl formaljuristisch als auch baukulturell zweifelhafte Direktvergabe hätte zwangsläufig einen schalen Beigeschmack zur Folge, der keinesfalls im Sinne der Stadt Köln und der Stifter sein kann.

Zudem stellt sich die Frage, mit welcher Legitimation die Stadt Köln privaten Investoren zukünftig noch die Durchführung von städtebaulichen und Architekturwettbewerben auferlegen möchte, wenn sie selbst bei dem Bau ihres ureigenen Stadtmuseums nicht mit gutem Beispiel voran ginge.

Die Herausforderung für Politik und Verwaltung ungeachtet der bau- und planungskulturellen Sicht liegt zudem darin, die Verknüpfung einer Schenkung von Bau- und Planungsleistungen differenziert zu betrachten, um konform mit den vergaberechtlichen Vorgaben für die Realisierung einer öffentlichen Bauaufgabe umzugehen. Dies war in der jüngeren Vergangenheit der Stadt bekanntermaßen nicht immer der Fall, so dass hier erhöhte Aufmerksamkeit und Sensibilität angebracht ist. Alle einschlägigen Regeln für die Vergabe öffentlicher Aufträge sehen im vorliegenden Fall unmissverständlich ein Vergabeverfahren vor. Dem Vernehmen nach wird diese Einschätzung nicht von allen verantwortlich Beteiligten geteilt, ja selbst die Anwendbarkeit der städtischen Vergaberichtlinien überprüft. Wir befürchten hier einen nachhaltigen Schaden für das Ansehen der Stadt, wenn der Geist des Vergaberechtes sich dem Einzelfall beugt.

Wir sind uns der diffizilen Lage von Politik und Verwaltung sehr wohl bewusst, im Spannungsfeld von privaten und öffentlichen Interessen nicht auszugrenzen, sondern zu verbinden. Gerne sind wir bereit, uns mit unserer Kompetenz und unserem Fachwissen in die Klärung einzubringen.

28. April 2008 // Stefan Schmitz, Vorsitzender // Christian Wendling, Geschäftsführer

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Bild: Kottmaier/Kölnisches Stadtmuseum

1 Kommentar

Wir freuen uns auf die Erweiterung, die natürlich ausgeschrieben werden muss –
damit wir uns auch in 50 Jahren noch an einem optimalen Bauwerk erfreuen können.

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