Unprätentiös unverkrampft

Schulwettbewerb in Köln-Ehrenfeld entschieden

„Gebt die Welt in Kinderhände, dem Trübsinn ein Ende, wir werden in Grund und Boden gelacht – Kinder an die Macht“ …

Wie wollen Kinder lernen? Wie können Kinder am besten lernen? Welches Umfeld, welche Architektur passt zu einer Schule? Dies und noch vieles mehr haben sich die 30 Büros, welche am Wettbewerb „Neubau Grundschule mit Turnhalle und Kindertagesstätte Ottostraße“ in Köln-Ehrenfeld teilnahmen, sicherlich auch gefragt. Hinzu kam der interessante Standort: Ehrenfeld konnte sich in den letzten Jahren vom sozialen Brennpunkt zum Szeneviertel entwickeln. Welche Form, welches Konzept drückt diese Entwicklung aus und schafft es, drei unterschiedliche Vorgaben – einfach, kindsgerecht und klar – zu vereinen?

Die Preisträger

Am 14. März wurde der begrenzte, einstufige Wettbewerb (mit vorgeschaltetem Losverfahren) nun entschieden. Die Jury mit u.a. Manfred Hegger, Kassel/Darmstadt, Adrian Meyer, Baden/Zürich, Inken Baller, Berlin/Cottbus, Bernd Streitberger, Köln, und Ulrike Beuter, Oberhausen/ Bochum, kürte folgende Preise:

1. Preis: Bär Stadelmann Stöcker Architekten BDA, Nürnberg

2. Preis: Prof. Ulrich Coersmeier GmbH, Köln, mit Kastner Pichler Architekten, Köln

3. Preis: mattes sekiguchi partner architekten bda, Heilbronn

4. Preis: Gramlich Architekten BDA, Stuttgart

Anerkennung: Otto + Hufftlein-Otto Freie Architekten BDA, Stuttgart

Anerkennung: Hertel Kilian Reichle Architekten, Köln

Die Ausstellung im Stadthaus Deutz

Ob und wie die 30 Arbeiten mit der Aufgabenstellung umgehen, ist in der Ausstellung im Stadthaus Köln-Deutz nun zu sehen. Auf der dreieckigen Grundstücksform – begrenzt durch den Autobahnzubringer, das denkmalgeschützte Albert-Magnus-Gymnasium und einer Blockrandbebauung – finden sich lineare Baukörper (angelehnt an die Straße), expressive Gebäude (verzahnt mit dem umliegenden Grün) oder auch Blockbebauungen (einem Campus ähnlich). Kleine Besonderheiten fallen dem Betrachter ins Auge: Mit Kräutergärten, „Grünen Klassenzimmern“, „Sandinseln“ oder „Schulstraßen“ antworten die Architekten auf die Frage, wie Kinder in Zukunft lernen werden.

Doch wodurch bestechen die Preisträger?

mattes sekiguchi partner architekten bda, Heilbronn (3. Preis) setzen auf eine klare, einfache Struktur, eine Art kammartig gegliederte Pavillonschule. Der Jury gefällt das pädagogische Konzept der Schule mit vielen multifunktionalen Räumen: „Die gemeinsame Anordnung zweier Jahrgangsklassen ermöglicht ein geschlossenes Kleinschulsystem mit eigenen Nebenräumen, eigenen Toiletten etc., dadurch entsteht Übersichtlichkeit, Geborgenheit, Gelegenheit zu ausgeprägter Selbstverantwortung. (…) Die Architektur ist unprätentiös und einer Grundschule angemessen.“

Prof. Ulrich Coersmeier GmbH, Köln, mit Kastner Pichler Architekten, Köln (2. Preis) entwerfen einen übersichtlichen, aus linearen Baukörpern und Raumschichten aufgeteilte Anlage. Eine einfache Wegestruktur bietet gute Orientierung für Kinder, durch die Glasfassaden wirkt die Architektur leicht und so bildet die Anlage laut Juryurteil „eine Einheit aus der Vielheit“.

Die Pläne des ersten Preisträgers Bär Stadelmann Stöcker Architekten BDA, Nürnberg, fallen gerade deswegen auf, weil sie nicht auffallen. Zurückhaltend, geradezu zart, wirken diese und der Betrachter schaut zweimal hin, um die Qualität des Entwurfes zu erkennen: Diese liegt ebenfalls in einer subtilen, „unverkrampften“ Architektursprache. „Durch geschickte Anordnung unterschiedlicher Volumina entstehen differenzierte funktionsbezogene Freiräume. Dabei gelingt es trotz der introvertierten Anlage des Baukomplexes, qualitätsvolle und spannungsreiche Übergänge in den Freiraum einzubeziehen“, so die Jury in ihrer Beurteilung. Der unprätentiöse, kompakte, schneckenförmige Baukörper umschließt den gemeinsam genutzen Innenhof; Besonders positiv fällt die Erschließung auf: Geschickt werden die Zugänge zu Turnhalle, Schule und Kindergarten zusammengefasst, ohne dass dadurch die leichte Orientierbarkeit leidet.

Ob und wann die Schule nun gebaut wird, ist noch nicht entschieden. Das Preisgericht empfiehlt dem Bauherrn, das heißt der Gebäudewirtschaft der Stadt Köln, auf jeden Fall einstimmig, den ersten Preis zu realisieren!

Die Ausstellung der Arbeiten findet noch bis zum 14. April 2008 in der Magistrale des Stadthauses, Willy-Brandt-Platz 2, 50679 Köln statt.

Leider fehlen vor Ort Erklärungen zum Wettbewerb oder aber auch zur Preisgerichtsbeurteilung. An einfachen Stellwänden angebracht und ohne gesonderte Beleuchtung geht die Qualität der Arbeiten leider etwas verloren.

Natalie Bräuninger

Unterschiedlicher Volumina lassen differenzierte funktionsbezogene Freiräume entstehen: 1. Preis: Bär Stadelmann Stöcker Architekten BDA, Nürnberg

1. Preis Modell

1. Preis Grundriss

1. Preis: Das schneckenförmige Gebäude umschließt den geschützten Pausenhof

2. Preis Modell

2. Preis: Prof. Ulrich Coersmeier GmbH, Köln, mit Kastner Pichler Architekten, Köln

2. Preis pers

2. Preis: leichte Architektur durch den Gebrauch von Holz und Glas

2. Preis grundriss

2. Preis: klar strukturierte Grundrisse vereinfachen die Orientierung

3. Preis modell

3. Preis: mattes sekiguchi partner architekten bda, Heilbronn

3. Preis pers

3. Preis: Das Forum als großzügiger Mittelraum

3. Preis grundriss

3. Preis: Die kammartig gegliederte Pavillonschule schafft unterschiedliche Raumsituationen

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