Wahrnehmungshilfen

SEHEN LERNEN – Eine Kampagne zur Sensibilisierung für die gebaute Umwelt. Der Siegerentwurf wurde gekürt.

Das Bewusstsein für die gebaute Umwelt soll geschärft werden, das ist das formulierte Ziel der Landesinitiative StadtBauKultur NRW. Wir Alle sollen SEHEN LEHRNEN. Dafür werden ab Sommer diesen Jahres, ganz konkrete Wahrnehmungshilfen im städtischen Raum angeboten. Wie diese Hilfen aussehen, die in den nächsten Jahren durch die Städte Nordrhein-Westfalens touren, ist jetzt im Rahmen eines Wettbewerbs ermittelt worden.

Nach den Entwürfen des Augsburger Architekten Andy Brauneis werden ab Mitte diesen Jahres mobile SEHSTATIONEN zunächst in Münster und Aachen aufgebaut. Als temporäre Architekturen helfen sie den Menschen, den Blick auf Gelungenes und Misslungenes in der gebauten Umwelt zu richten. Über die Stationen soll erlebbar werden, wie und warum wir uns an manchen Orten wohl fühlen und an manchen nicht, warum wir bestimmte Orte aufsuchen und wiederum andere meiden. Die SEHSTATIONEN sind Teil der Kampagne SEHEN LERNEN, die im Rahmen der Landesinitiative Stadtbaukultur entwickelt wurde.

Stadt als Motiv

Andy Brauneis, der bereits die Kulturpalette auf dem Augsburger Rathausplatz zur Kulturhauptstadt-Bewerbung entwickelte, will mit seiner begehbaren SEHSTATION eine neue Begegnung mit dem Stadtraum provozieren. 15 Meter lang ist die begehbare Raumskulptur. Der Architekt greift in seiner Arbeit die Form eines antiken Fotoapparates auf: Am einen Ende gelangt der Besucher durch die 8 mal 8 Meter große Öffnung in das Innere und erreicht über 15 Stufen die andere, kleine Öffnung. Diese befindet sich in luftiger Höhe und bietet Aus- und Aufblicke. Zusammengesetzt ist der Korpus aus Leimholzrahmen, deren Farbe von Stufe zu Stufe wechselt: Der Besucher durchschreitet ein freundlich helles Farbspektrum. Im Vorfeld tauchen einzelne Rahmen, die der Skulptur entnommen scheinen, im Stadtbild auf und lenken Blicke auf besondere Situationen.

Das Verfahren

Bereits 2007 waren interdisziplinär besetzte Teams aus Architekten, Designern und Künstlern zu diesem öffentlich ausgeschriebenen Ideenwettbewerb aufgerufen, Entwürfe für mobile SEHSTATIONEN zu liefern. 46 Büros bewarben sich, insgesamt wurden sechs ausgewählt. Fünf Teilnehmer-Teams haben sich schließlich an der Ideenwerkstatt beteiligt: osa_office for subversive architecture | Wien, Darmstadt, realities:united | Berlin, Andy Brauneis | Augsburg mit Christian Schüller | Gersthofen und Nicolette Baumeister, Andreas Kaiser mit Andreas Fritzen | Köln, Studio integral, Axel Steinberger | Zürich mit Bruno Hagel | Berlin. Nach einer ersten Jurysitzung im November 2007 wurden zwei Büros mit einer Nachbearbeitung des Entwurfes beauftragt: osa_office for subversive architecture und Andy Brauneis. Letztere Arbeit überzeugte in der zweiten Jurysitzung am 21.Januar 2008

Kampagne und Zukunftsaufgabe

Die Skulptur soll gleichzeitig auch Signetcharakter für die Kampagne SEHEN LERNEN entwickeln. Die ersten SEHSTATIONEN werden im kommenden Sommer mit dem Jahres-Schwerpunkt „Städtische Plätze des Alltags“ in Münster und Aachen errichtet. Weitere Schwerpunkte werden in den Folgejahren u.a. Parks, Verkehrsinfrastruktur und die Qualität von Gebäuden sein. Dabei bietet sich eine Auseinandersetzung mit den jeweiligen akuten städtebaulichen Fragestellungen an.

Die Kampagne SEHEN LERNEN will die Öffentlichkeit für ihre gebaute Umwelt sensibilisieren, einen inhaltlichen Austausch anregen und einige Parameter hinsichtlich guter Gestaltung und Funktion für die Stadtbewohner auf den Punkt bringen. Mit SEHEN LERNEN rückt die Landesinitiative StadtBauKultur NRW ganz nah an den Bürger heran und bietet auf ganz direktem Wege Wahrnehmungshilfen im städtischen Raum.

Die Kampagne ist mehrjährig angelegt und besteht aus vier Bausteinen:

• dem digitalen BAUKULTUR ABC: Diese Internetplattform visualisiert wie ein fotografischer Bilderbogen die gestaltete Umwelt und wird im Februar freigeschaltet.

• den SEHSTATIONEN in den Städten des Landes NRW

• Broschüren und Faltblättern für interessierte Bewohner, Kinder und Jugendliche

• einer begleitenden Plakatkampagne

Redaktion

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Weitere Informationen finden Sie auf der Internetseite StadtBauKultur

Aus- und Aufblicke: nach 15 Stufen erreicht der Besucher die zweite Öffnung in luftiger Höhe. Orte in der Stadt werden so zum Motiv.

2 Kommentare

Ich weiß, daß man das Wort Adeyaka nicht häufig sieht. Aber ich kenne den Begriff sehr gut, weil ich den immer in meiner Arbeit begegne. Auf Deutsch heißt das, “bezaubernd“ oder „faszinierende Eleganz” – eine gute Beschreibung des Bildes, nicht wahr?

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