Opernball am Rhein

Internationales Bewerbungsverfahren zum Wettbewerb „Bühnen Köln am Offenbachplatz“ läuft

Der Startschuss ist gefallen: Dem Beschluss des Kölner Stadtrates vom November 2007 folgend, ist nun mit den Vorbereitungen eines architektonischen Realisierungswettbewerbs zum Opernquartier begonnen worden.

14 + 21 + 5

Zum eigentlichen Wettbewerb wurden seitens der Auslober bereits 14 Teilnehmer nominiert, von denen bisher zwölf gesetzt und weitere zwei angefragt sind – insgesamt sollen 40 Büros teilnehmen. Aufgrund dieser begrenzten Zahl ist dem Realisierungswettbewerb ein internationales Bewerbungsverfahren vorgeschaltet, in dem die übrigen 26 Büros ermittelt werden.

Das Feld der Teilnehmer soll sich aus einer Mischung „renommierter“, „erfahrener“ und „junger“ Büros zusammensetzen: Neben den 14 Büros, bei deren Auswahl internationales Renommee entscheidend war, werden sich nach dem Bewerbungsverfahren 21 „Bewerber mit Berufserfahrung“ sowie fünf „Junge Büros“ einfinden. Umsatzleistung, Bürogröße und vorzuweisende Referenzprojekte werden maßgeblich für deren Zulassung sein.

Die folgenden zwölf Büros sind bereits für die Wettbewerbsteilnahme gesetzt:

  • • Arata Isozaki & Associates, Tokyo (J)
  • • Auer Weber und Assoziierte, Stuttgart (D)
  • • Max Dudler Architekt, Berlin (D)
  • • Holzbauer und Partner Architekten, Wien (A)
  • • Kaspar Kraemer Architekten, Köln (D)
  • • Peter Kulka Architektur, Köln/Dresden (D)
  • • Prof. Christoph Mäckler Architekten, Frankfurt (D)
  • • Mecanoo Architekten, Delft (NL)
  • • Terry Pawson Architects, London (GB)
  • • Dominique Perrault Architecture, Paris (F)
  • • Hentrich-Petschnigg & Partner GmbH & Co. KG, Düsseldorf (D)
  • • Gerhard Spangenberg Architekt, Berlin (D)

Daneben wurden zwei Büros angefragt:

  • • Renzo Piano Building Workshop, Genua (I)/Paris (F)/Berlin (D)
  • • Francisco Rodriguez de Partearroyo, Madrid (E)

Der Jury gehören neben den Architekten Jörg Friedrich, Dörte Gatermann, Manfred Ortner, Boris Podrecca und Volker Staab unter anderem Kölns OB Fritz Schramma, Bernd Streitberger, Georg Quander sowie der geschäftsführende Intendant der Bühnen der Stadt Köln, Peter Raddatz, an.

Zwischen den Zeilen

Die Entwurfsaufgabe bewegt sich zwischen Erhalt und Neubau: Die denkmalgeschützte Oper wird saniert, Schauspielhaus und Operncafé werden abgerissen. Die geforderten Hochbauplanungen umfassen ein neues Schauspielhaus sowie ein Produktionszentrum – diese Gebäude sollen die Zusammenfassung der bisher verstreuten Produktionsstätten gewährleisten und zusätzliche Proberäume bereitstellen.

Bei neutraler Lesart ist eine Formulierung wie die „zukunftsweisende Neugestaltung des Theatergebäudes“ sicher nicht anstößig – denn wer verweigerte sich schon dem Fortschritt? Aber bei Betrachtung der andernorts in Köln getriebenen Blüten vermarktbaren Bauens könnte sie bereits eine Vorstellung über die erwarteten architektonischen Lösungen geben. Denn Zukunft wird zukunftsweisenden Gebäuden nicht selten ausschließlich mit technischen Mitteln oder in symbolischer Form eingeschrieben. Eine Betrachtung, die tiefer reicht als die Schichten der Fassade, findet dann kaum Anwendung.

Auch die Frage des Umgangs mit Bestehendem scheint bei kritischer Lesart bereits geklärt und nicht mehr den Architekten überlassen: „Um dem Denkmalensemble gerecht zu werden, ist eine herausragende Architektur erforderlich, die eine spannende Beziehung zwischen Neu und Alt, zwischen modernem Schauspiel und 50er-Jahre-Oper schafft.“ Der Bestand als Kontrastmittel. Eine zeichenhaft autarke Architektur gegenüber der emblematischen Oper scheint ausdrücklich gewünscht. Doch führt nicht ein Emblem neben einem Emblem meist zu einer Schwächung des Ganzen?

Der Offenbachplatz soll städtebaulich aufgewertet und „besser in das Stadtraumgefüge [eingebunden]“ werden. Die Ankündigung des Wettbewerbs fordert zu diesem Zweck „zusätzlich vermarktbare Flächen für Einzelhandel und Gewerbe“ im Rahmen der Neuplanungen. Trotz des löblichen Willens zur Attraktionssteigerung dieses bis dato eher randständigen Ortes liegt die Befürchtung nahe, dass bei wortgetreuer Bearbeitung der Aufgabe statt struktureller vielmehr nur formale Lösungen des Problems seiner Entleerung gefunden werden. Eine Belebung städtischer Plätze ist schließlich nicht ausschließlich dem Einzelhandel zu verdanken – die Struktur der Stadt und ihrer Bauten könnte hier Antworten liefern.

Rainer Schützeichel

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3 Kommentare

na dann bin ich mal gespannt. wenn man schon nicht in die hoehe bauen kann,dann wenigsten bitte ein modernes gebaeude das dem 21. jahrhundrt gerecht wird. schliesslich braucht koeln davon genug.

es mag meine persönliche meinung sein, bzw. meinen persönlichen geschmack betreffen,

aber,

mir sind zuviele deutsche im aufgebot und die wahnsinns innovationen im architekturdesign werden wohl ausbleiben…schön, dass mecanoo dabei sind:)

Hhm…also ich finde das ja toll, dass in Köln sich wohl etwas tut…aber wäre es nicht klüger gleich die Nord-Süd Fahrt zu untertunneln und dann erst den Offenbachplatz zu planen???

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