Nach elf Jahren Planungs- und Bauzeit öffnet am 15. September 2007 das Kunstmuseum des Erzbistums Köln - Kolumba - und neuestes Bauwerk von Peter Zumthor.

Wahrlich inszeniert wurde das erste Öffnen von Kolumba vergangenen Donnerstag: Ungeduldig scharten die über 100 Pressevertreter vor den verschlossenen Türen mit den Füßen, hatte doch noch niemand einen Blick hinter die Mauern des Bauwerks geworfen. „Der Neubau nimmt das Alte in sich auf, birgt es in sich. Er verwischt keine Spuren“, hatte Peter Zumthor seine architektonische Sprache im Vorfeld erklärt. Von außen konnte man dies bereits seit einiger Zeit nachvollziehen: Ohne Fugen setzte der Architekt den, neuen eigens für Kulumba entwickelten Backstein, auf das alte Gemäuer der 1945 von Bomben getroffenen und bis auf die Umfassungsmauern zerstörten Kirche St. Kolumba. „Versöhnlich und integrativ“ nimmt der Neubau die ursprünglichen Außenkanten auf und wird Teil des Stadtbildes. Das schlichte Backsteinmauerwerk wird nur durch einige großformatige, wie Bilderrahmen aufgesetzte, Fenster durchbrochen. Die Betrachter wundern sich über die manchmal etwas merkwürdige Position sehr knapp an den Außenkanten. Wie wird sich diese Aufteilung im Innern wieder finden? Welche Stimmung herrscht in diesem neuen Museum?

Der Stein, das Holz, das Licht, die Kunstwerke

Der Besucher läuft mit großen Augen von Raum zu Raum, entdeckt immer wieder ein neues Detail: Sei es die kleine Fuge zwischen Wand und Boden, der filigrane Holzhandlauf oder die wunderschön gestalteten Türgriffe aus Metall. Er lässt sich leiten von unterschiedlich inszenierten Raumwirkungen und Stimmungen – von der Raumfolge, der Hängung der Bilder und der Lichtführung. Er versteht, warum die Kolumba als Licht- und Schattenmuseum bezeichnet wird. Dann entdeckt er andere Räume, die durch kleine Stufen und Vorsprünge vom Hauptraum abgesetzt sind. Er geht hinein und fühlt die Geschichte, die in diesem Bau und in den Kunstwerken verborgen ist. Im Museumshof bleibt ihm Zeit, sich auszuruhen. Es herrscht absolute Stille – mitten in der hektischen Stadt.

Ort der Langsamkeit

Mit Sorgfalt und Ruhe wählte Peter Zumthor die Materialien und führte den Dialog zwischen Kunst, Kirche und Architektur, der sicherlich nicht immer einfach war. Seit Samstag können die Besucher nun diese Langsamkeit nachvollziehen, den Neubau und seine unterschiedlichen Räume entdecken:

Der größte Raum, im Erdgeschoss des Gebäudes, bietet als Erinnerungslandschaft Einblick in die zweitausendjährige Geschichte der Stadt. Er birgt römische, romanische und gotische Fundamente, die Ruine der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Kirche St. Kolumba sowie die in ihrer Funktion selbstständige Kapelle „Madonna in den Trümmern“, von Gottfried Böhm.

Durch ein unregelmäßiges, wie Lochmuster durchbrochenes „Filtermauerwerk“ wird Tageslicht und Luft in die Ausgrabungsebene gefiltert und soll durch die Chorfenster von Ludwig Gies die Böhmschen Kappelle an der Ostflanke belichten und dem Innenraum Außenraumcharakter verleihen. 13 Hohe, filigrane Stützen ankern in den existierenden Pfeilern der Pfarrkirche. Zumthor spannt eine 12m hohe Halle darüber.

Ein an eine chinesische Brücke erinnernder Weg aus rötlichem Holz führt den Besucher über die alten Ausgrabungen. Schön im Material und Haptik, aber sehr präsent in seiner Farbigkeit, lenkt er den Weg ab von den Mauern des alten Köln. Viel subtiler löste Zumthor diese Aufgabe bereits 1986 bei den Schutzbauten für Ausgrabung in Chur.

Subtiles Raumangebot für die Kunst

Sechzehn weitere Ausstellungsräume erhalten durch unterschiedliche Lichtsituationen, Größe und Proportionen unterschiedlichste Qualitäten. Nun versteht der Besucher auch die Anordnung der Fenster: Diese schließen bündig mit den Innenwänden, Decken und Fußböden ab, so dass das Licht als sanftes Streiflicht in den Raum fallen kann und je nach Tages- und Jahreszeit verschiedene Stimmungen schafft. Gemeinsam ist den Räumen aber die schlichte, sinnliche Materialität, vor der die Kunstwerke hervortreten: Graue Lehmputzwände, graue Mörteldecken und grauer Terrazzo bilden den Hintergrund – weder gestört von Lichtschaltern, Türrahmen oder Beschreibungen für die Kunstwerke. „Kunst ist sinnlich, der Verstand, das Nachdenken kommt danach. Daher haben wir ganz auf Beschriftungen verzichtet“, erklärt Generalvikar Dr. Dominik Schwaderlapp später im Pressegespräch.

„Der Besucher erlebt das Museum wie einen Waldspaziergang, wie eine Erkundung“, führt Dr. Stefan Kraus, Mitarbeiter im Diözesanmuseum, weiter aus.

Diese Individualität ist dem Museum so wichtig, dass es in den offiziellen Öffnungszeiten auch keine geführten Gruppen zulässt, ein ungestörtes Begehen und Nachdenken soll so möglich sein.

Peter Zumthor und die Madonnen

Zumthor betonte, Kolumba stelle ohne Kompromisse die Kunst in den Vordergrund. „Viele Museen sind heute Teil einer Marketingstrategie, der die Kunst untergeordnet ist. „Das ist hier anders. Man glaubt an die inhaltlichen und spirituellen Werte der Kunst.“ „Es war mir eine große Freude, ein Vergnügen, dieses Projekt zu begleiten. Ich habe so viele Menschen kennen gelernt, ich habe neuen Zugang zur historischen Kunst gefunden. Ganz anders als früher gelangweilt mit meinen Eltern durchs Museum zu gehen …“ Peter Zumthor beschreibt die Erfahrung der letzten zehn Jahre – von der Wettbewerbsausschreibung bis zur Eröffnung – als großes Erlebnis. „Und wissen Sie, was mich immer noch besonders freut: Die rheinischen, lächelnden Madonnen, die mich hier begrüßen. Vor allem die Madonna, welche auf den Dom schaut, die habe ich am Liebsten!“

Inge Koban

Informationen, Preise und Öffnungszeiten

Kolumba, Kunstmuseum des Erzbistums Köln

Kolumbastraße 4, 50667 Köln

ab 15. September im Neubau

täglich außer dienstags 12-17 Uhr geöffnet

Eintrittspreise: bis 18 Jahre frei / Erwachsene € 5 / ermäßigt € 3

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