Ein Haus für Marsforscher

Das Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin bekommt ein neues Zuhause.

Wer zum Mars will, der kommt an Köln nicht vorbei. Dafür sorgt Professor Rupert Gerzer vom Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin. Ein Ort für wissenschaftliche Studien, der in Zukunft ein neues Domizil bekommt. Das Ziel: Die Forschung will sich stärker der Öffentlichkeit öffnen. Dafür wird mit Hilfe des Strukturprogramms „Regionale 2010“ ein neues Institutsgebäude gebaut.

Einstimmige Entscheidung der Jury

Wie das so genannte „:envihab“ aussehen soll, steht seit kurzem fest: Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt hatte mit der Regionale 2010 Agentur einen begrenzt offenen Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Auswahlverfahren ausgelobt. Eine 16-köpfige Jury, unter Vorsitz von Thomas Sieverts, besetzt mit Vertretern des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, Mitgliedern verschiedener Landesministerien, der European Space Agency, der Stadt Köln und der Regionale 2010 Agentur, entschied sich schließlich einstimmig für den Entwurf des Architektenbüros Glass Kramer Löbbert aus Berlin, der mit 17500 Euro ausgezeichnet wurde. Zweitplatzierte wurde das Freiburger Architekturbüro Pfeifer und Kuhn (15000 Euro), auf Platz drei kamen die Pläne von Simon Freie Architekten aus Stuttgart (13000 Euro). Platz vier ging an das Büro „Auer und Weber“ in Stuttgart und München, den Entwurf mit 11000 Euro bedacht wurde.

Forscher und Bürger treffen sich

Gewünscht hatte sich Rupert Gerzer ein Gebäude, in dem zeitweise Besuchergruppen die Forschungen mitverfolgen können, ohne die Wissenschaftler bei ihrer Arbeit zu stören. Die Architekten von „Pfeifer und Kuhn“ schlugen daher einen Glaskörper vor, in dem die Öffentlichkeit empfangen werden sollte, um von dort aus in abgeschlossene Forschungsbereiche zu gelangen. Zwar lobte die Jury die „Synthese von Landschaft und Architektur“, die ein „Spiel von Ein- und Durchblicken“ ermögliche, kritisierte jedoch, dass sich der Komplex nicht ohne großen Aufwand erweitern ließe.

Im „:envihab“ sind die Räume austauschbar

Daran jedoch hatten Johannes Löbbert und Uta Graff gedacht: Wie Bausteine liegen sämtliche Räume des „:envihab“ auf einer Ebene von 3000 Quadratmetern Nutzfläche, die durch Lichthöfe und Flure erschlossen ist. Über den einzelnen Baukörpern schwebt eine Dachkonstruktion, durch die die technische Versorgung abgewickelt wird. Ein klarer Vorteil, wie die Jury urteilte: So ist es möglich, Räume und Funktionen ohne großen Aufwand zu verlegen, zu vertauschen oder zu verändern. Für Rupert Gerzer bedeutet das: Er kann einzelne Forschungsbereiche zeitweise zusammenlegen, von anderen abtrennen oder ganze Raummodule erweitern. So könnten auch Kollegen vom Forschungsinstitut in Jülich zeitweise für gemeinsame Projekte in eines der Module des „:envihab“ einziehen.

„Es verspricht weniger, als es hält“

„Wir wollten eine Innenwelt schaffen, die sich selbst genügt“, sagt Johannes Löbbert über seinen Entwurf, dessen Äußeres zunächst zwar „wenig einladend“ wirke, so die Jury, doch „neugierig“ mache: In der Tat umschließt eine schwebende Dachkonstruktion die einzelnen Räume und schafft den Eindruck eines geschlossenen, geradezu abstrakten Baukörpers. Eine umlaufende Lichtfuge soll jedoch erste Einblicke gewähren, erklärt Löbbert. „Das Gebäude verspricht weniger als es hält“ sagt dazu Professor Gerzer, der mit dem Entwurf seines neuen Gebäudes „sehr zufrieden“ ist. Auf den ersten Blick wirke das neue „:envihab“ geschlossen – ein Institut, dessen Innenleben sich die Besucher Stück für Stück erobern müssen.

Besucher und Solaranlagen auf dem Dach

Bevor an eine Umsetzung zu denken ist, müssen Löbbert und Graff jedoch noch einige Verbesserungsvorschläge des Preisgerichts beherzigen: Der Eingangsbereich sei zu „eng gefasst“, zudem müsse darüber nachgedacht werden, ob und wie das Dach mitgenutzt werden kann. Löbbert hat vorgesehen, auf dem Dach Solaranlagen zu installieren. Rupert Gerzer könnte sich auch einen Dachgarten vorstellen, den Besuchergruppen besteigen, um sich einen Eindruck von den verschiedenen Instituten auf dem Porzer Forschungsgelände zu verschaffen.

Was bedeutet „Gärten der Technik“?

Entstehen wird das „:envihab“ im Rahmen des Strukturprogramms „Regionale 2010“, zu dem auch die „Gärten der Technik“ gehören. Ein Arbeitsbereich, der Forschungs- und Produktionsstandorte umfasst. Technik und Naturwissenschaften sollen erlebbar werden. „Zu unserem Bereich gehört deshalb auch das neue Wissenschaftsmuseum Odysseum“, erklärt Wolfgang Wackerl, Projektleiter der „Gärten der Technik“.

13 Millionen Euro soll der Bau kosten

Die Baukosten belaufen sich nach Wackerls Angaben auf etwa 13 Millionen Euro. Wer diese übernimmt, ist noch nicht ganz klar. „Sicherlich wird auch Geld aus den Kassen der Landesministerien fließen“, sagt Wackerl. Hinzu kämen europäische Fördermittel und der Anteil, den das Deutsche Institut für Luft- und Raumfahrt trägt. Geplant ist, Ende 2008 mit dem Bau zu beginnen, der wahrscheinlich in zwei Abschnitten abgewickelt wird.

Annika Wind

Der Eingangsbereich des neuen ‚:envihabs‘.

Zugang zum neuen Institutsgebäude über die Magistrale.

Das ‚:envihab‘ nach den Entwürfen von Johannes Löbbert und Uta Graff als Modell.

Wie Bausteine liegen sämtliche Räume des ‚:envihab‘ auf einer Ebene, die durch Lichthöfe und Flure erschlossen sind, wie der Grundriss zeigt.

Eine Innenansicht aus dem ‚:envihab‘.

Hier ist das Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin derzeit untergebracht. Auf dem Gelände in Porz entsteht nun das neue ‚:envihab‘.

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