Nicht schon wieder

Kölns Baudezernent stellt seine Version eines Bebauungsplans für die ‚MesseCityDeutz‘ vor. Eine Visualisierung zeigt eine Vision, die nicht viel Gutes für die Zukunft erwarten lä…

Das Kölner Stadtgebiet im Rechtsrheinischen ist für die Stadtentwicklung nicht nur derzeit, sondern auch für die kommenden Jahre hoch interessant. Viele ehemalige Industrieflächen in Kalk, Deutz oder Mülheim liegen brach und bieten Potential zum Weiterbau der Stadt. So ist neben Arealen wie dem CFK Kalk oder dem Deutzer Hafen im Moment vor allem das Gebiet rund um den Bahnhof Deutz immer wieder Hauptbestandteil der städtebaulichen Debatten innerhalb der Domstadt. Vor allem der Abriss des so genannten „Barmer Viertels“ zwischen den Messehallen und dem Bahnhof wurde und wird kontrovers beleuchtet.

Zynisches Mahnmal für die Stadtplanung

Inzwischen sind die Wohngebäude abgerissen, der entstanden Freiraum wirkt wie ein Mahnmal Kölner Stadtplanung: Zwischen der tristen Grünanlage im Westen und der Deutz-Mülheimer-Straße im Osten liegt nun ein Schotterplatz, der von einem Bauzaun eingefasst wird. Eine zynische Rauminstallation innerhalb des städtischen Gefüges. Vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass die Planungen für dieses Areal seit geraumer Zeit laufen. Bereits der erste städtebauliche Wettbewerb wurde im Jahr 2000 zu Gunsten des Kölner Büros JSWD Architekten (Jaspert, Steffens, Watrin und Drehsen) entschieden, ebenso wie zwei Jahre später ein Workshop. Im Jahr 2006 fand darauf aufbauend ein weiteres moderiertes Werkstattverfahren statt, aus dem die Entwürfe von JSWD, ASTOC architects and planners (Köln) und Trojan + Trojan (Darmstadt) als Sieger hervorgingen. Spätestens an dieser Stelle des Planungsablaufes zeigte sich von Seiten der Stadt, welch ungenaues und diffuses Bild der Situation bei den Verantwortlichen vorliegt. Während ein Expertengremium den Entwurf von JSWD klar favorisierte, meinte der Baudezernent der Stadt Köln Bernd Streitberger, dass wohl keiner der drei Entwürfe in Reinform realisiert würde und es stattdessen zu einem Mix aus allen drei Projekten kommen könnte.

Aus drei mach eins

Genau das ist nun, Streitberger zu Folge geschehen: Ende April stellte der Politiker seine Vision von dem vor, was seiner Ansicht nach auf dem Areal zwischen Bahnhof und Messe realisiert werden soll. Da die im Workshopverfahren erarbeiteten Ergebnisse im Stadtentwicklungsausschuß keine Mehrheit finden würden, so die Befürchtung des Baudezernten, war die einzige und richtige Lösung ein eigenes Konzept zu erarbeiten. Das der MesseCityDeutz. In diesem Konzept, dass Streitberger bewusst nicht als konkrete architektonische Aussage verstanden wissen möchte, vereinen sich Ideen aus den drei Konzeptionen der Architekten: „So ist die homogene Höhe auf den Beitrag von ASTOC zurückzuführen, die Tatsache, dass nicht wieder neue Ober- und Unterwelten durch die Schaffung zweiter Ebenen eingerichtet werden, kann als Beitrag von Trojan + Trojan verstanden werden, die Grundform geht sehr stark auf Trojan + Trojan und JSWD zurück.“ so Bernd Streitberger in einer schriftlichen Stellungnahme.

Dieser Bebauungsvorschlag wird derzeit weiter bearbeitet. Unter anderem schlägt die Konzeption Streitbergers auch ein Musical in diesem Areal vor. Im Moment scheint sich herauszukristallisieren, dass der nördliche Teil des ehemaligen Barmer Viertels jedoch von einem Projektentwickler ausgebildet werden wird. Dies würde die planerische Handhabe an dieser städtebaulich so fragilen Stelle weiter einschränken.

Schon der von Bernd Streitberger vorgestellte Bebauungsplan erscheint höchst fragwürdig. Die Darstellung des auf Visualisierung spezialisierten Kölner Büros Lengyel Toulouse Architekten macht deutlich, dass in keinem Fall von einem „geschlossen städtebaulichen Ensemble“ gesprochen werden kann. Zwar erscheinen die Baukörper in gleicher Höhe, den entstehenden Platz vermögen sie jedoch nicht zu fassen. Auch der Verzicht auf Hochhäuser mit einer Höhe von bis zu 60 Metern erscheint fraglich. Diese würden nicht im Widerspruch zu den UNESCO-Auflagen stehen und wären in der Lage dem LVR-Turm in unmittelbarer Nachbarschaft einen Widerpart entgegen zu setzen, was sich auf die Silhouette der Stadt wohltuend beruhigend auswirken könnte.

Bleiben die Architekten außen vor?

Mit diesem Entwurf machen die Verantwortlichen der Stadt deutlich, dass das Werkstattverfahren für sie tatsächlich nur eine Art Ideenfindungskommission war und kein Wettbewerb. Kein Wettbewerb – kein Gewinner – kein einheitlich stimmiger Plan. Im Büro JSWD wird diese Entwicklung mit großer Sorge gesehen. Hier wäre und ist man immer noch gerne bereit mit der Politik und den entsprechenden Gremien zusammen zu arbeiten, fühlt sich in der Sache aber übergangen.

Es bleibt abzuwarten, wie die Stadt in diesem brisanten Fall weiter agieren wird und ob sie den Rat der Fachleute aus den städtebaulich versierten Architekturbüros weiterhin nur als Denkanstoss verstehen möchte. Es scheint sich abzuzeichnen, dass mit der „MesseCityDeutz“ einmal mehr in Köln ein Projekt an prestigeträchtiger Stelle durch nebulöses Vorgehen der Verantwortlichen einem schlechten Ergebnis entgegen geht.

David Kasparek

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Fotos: David Kasparek

10 Kommentare

das beispiel messecity zeigt ein weiteres mal die provinzielle und unsensible arbeitsweise des stadtplanungsamtes. während köln permanent in der suppe der selbstverliebtheit badet – spurtet die konkurrenz, wie beispielsweise das traditionsbewusste hamburg, hin zur einer der architektonischen höhepunkte europas zu werden. in köln hingegen werden die filetstücke umettiketiert und den hungrigen investorenkonglomeraten zum fressen hingeworfen. hinten raus kommt dann meist nur……!

Schaut mal auf die Friedrichsstraße nach Berlin und lernt bitte…und der Städtebau scheint auch im Nachhall von Stimmmann zu liegen…

Wer stoppt Streitberger? Wie kann er hingehen und 3 unabhängige architektonische Konzepte einfach versuchen zu verbinden, und wie schafft er es dann auch noch, der Sache jegliche städtebauliche Qualität zu nehmen??? hoffentlich tut sich hier noch was…

angesichts der autistischen klüngel-tradition und dieses selbstverliebten größenwahns meist selbsternannter kölner führungskader kann man nur noch hoffen, dass irgendwann ein erlöser hernieder kommt, und sich unserer stadt erbarmt – und ein ende macht mit dieser allumfassenden kulturellen demontage, die unter der schramma-regentschaft ihren bisherigen höhepunkt erreicht haben dürfte.

Unfassbar – in der formalen Haltung wie in der Vorgehensweise. Welches (Un-) Verständnis kreativer Prozesse steckt dahinter? So kann nur weniger als Mittelmaß herauskommen – und will Köln das? Kann ja sein….
Warum macht man nicht saubere Entwurfsverfahren – gut vorbereitet und strukturiert – und findet damit einen verantwortlichen Planer, dem dann auch die gestalterische Kompetenz überlassen werden muss.
Dieser jetzt gezeigte Brei vernichtet alle Chancen des Standortes.

Der Dank gilt Herrn Streitberger, für die – längst überfällige – deutliche Visualisierung SEINER Vorstellung von STADT.

hey der mann ist mutig: statt-planung mit postfaschistischen gebäuden mit übersichtlicher aufmarschzone und ausreichend parkraum. jaa, das ist das ende der alten nazi-achse, das hat doch in deuz noch gefehlt, oder? rückeroberung des verlorenen öffentlichen terrains durch geistige schlichtheit.
hier ist mit worten nicht mehr zu helfen, schlage rohe gewalt vor. architekten und planer, spitzt die stifte zu pfeilen und werft alte rechner in die fenster der verwaltung!!!

der verdacht wird mal wieder bestätigt:
im bau/stadtplanungsamt landen immer die, die schon im studium nicht verstanden haben, wie qualität in architektur/städtebau entwickelt werden muß.
es ist kein beliebiges rumprobieren!!!

Was soll das für eine Architektur sein? Ich finde sie einfach zum Kotzen! Welcher Mensch möchte sich gern dort aufhalten (Palttenbau!!!). Wo bleiben die Hochhäuser mit unterschiedlichen Bauhöhen usw. Es muss gehobenere Architektur und mehr Vielfalt!

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