Auf den zweiten Blick

Der Schriftzug „Liebe deine Stadt“, das Symbol der gleichnamigen Kampagne, hat seinen neuen Standort gefunden.

Nun sehen wir sie mitten in der Stadt, die 26 m lange Überschrift des Projektes „Liebe deine Stadt“. Ist sie ironisch an der Nord-Süd Fahrt platziert? Oder war sie eigentlich schon immer da? Das Kunstprojekt, welches auf die Nachkriegsarchitektur in Köln aufmerksam machen möchte, hat einen sehr passenden neuen Ort für seinen Titel gefunden. Gerade an der Verkehrsachse, die seit den 50er Jahren die Innenstadt vielspurig durchschneidet, kann ermessen werden, worauf der Schriftzug aufmerksam machen möchte. Urbanität ist eben nicht immer schön, auch nicht immer freundlich, aber dennoch prägend für das Gesicht und die Identität einer Stadt. Und es gibt zuweilen Qualitäten, die sich erst auf den zweiten Blick erkennen lassen. Darüber sollte man ruhig einmal diskutieren.

Liebesgeschichte

Vor zwei Jahren wurde das Projekt „Liebe deine Stadt“ vom Künstler Merlin Bauer initiiert. Damals konnte der Schriftzug im Panoramapavillion vor den ehemaligen Messehallen vom Rheinufer aus betrachtet werden. Seitdem hat das Projekt zahlreiche Kölner Gebäude aus den 50er bis 70er Jahren mit einer Schleife prämiert und dadurch die kritische Auseinandersetzung über eine Architektur dieser Zeit in Köln angeregt.

Dank der Unterstützung von 13 Kölner Bürgern wurden der Erhalt des Objekts sowie sein Umzug ermöglicht. Das der neue Standort an der Nord-Süd-Fahrt den Blick mit der Oper und dem Offenbachplatz verbindet, könnte nicht besser gewählt sein. Der Opernbau von Wilhelm Riphahn ist im letzten Jahr ebenfalls im Rahmen von „Liebe deine Stadt“ prämiert worden, nachdem sein Abriss lange und sehr kontrovers diskutiert wurde und nun die Sanierung des Gebäudekomplexes beschlossene Sache ist.

„Man könnte meinen, Köln sei eine Zumutung.“

Sehr ironisch spricht der Laudator Prof. Dr. Friedrich W. Heubach zu diesem Anlass von der Liebe der Kölner zu ihrer Stadt. Da ist von einer Tradition der Fehltritte die Rede, die eine blinde Liebe zu Köln begleitet. Von verheerenden Folgen, die diese Liebe Kölner Bürger im Stadtbild hinterlässt. „Ist es möglich, alles das zu sehen und Köln trotzdem zu lieben?“ fragt der Laudator, derzeitiger Dekan des Fachbereichs ‚Kunstbezogene Wissenschaften‘ an der Kunstakademie Düsseldorf, schmunzelnd in das illustre Publikum. Und gibt selber bedrückende Antworten: Die Liebe der Kölner sei Notwehr gegen die Zumutung dieser Stadt, vielleicht aber auch der Triumph über diese Zumutung.

Schließlich muss Heubach aber doch zugeben: “Köln zu lieben, egal was kommt, ist für den Kölner kein Problem.“ Aber so ganz nebenbei spricht Heubach, der selber in Köln lebt, auch von der Achtung vor der Geschichte. Und damit wird der Sinn dieses Projektes sehr gut getroffen. Um ein Bewusstsein für Architekturen, die wohl nicht alle Kölner lieben, wird es in diesem Jahr wieder mit neuen Prämierungen gehen. Auf diese Gebäude dürfen wir sehr gespannt sein.

Zukunftsträchtigen Kulturentwicklungsplan

Zunächst wurde schon einmal der Erhalt und Umzug des Schriftzuges zum neuen Standort von 13 Kölner Bürgern unterstützt. Sie verbinden ihre Liebe zu Köln mit der Aufforderung, den Kulturetat der Stadt zu erhöhen. „Liebe deine Stadt“ solle „auch ein dauerhaftes Zeichen für Politik, Verwaltung und Bürgerschaft setzen, dass positive Entwicklungen dieser Stadt mit der Förderung der Künste und einem zukunftsträchtigen Kulturentwicklungsplan untrennbar verbunden“ seien. Die Liebe zu Köln zieht aber auch größere Kreise: gefördert wird dieses Kunstprojekt unter anderem auch von der Kunststiftung NRW und der Landesinitiative Stadtbaukultur.

Programm 2007

Auch im Jahr 2007 sind wieder einige Gebäude der Nachkriegsmoderne für eine Auszeichnung vorgesehen: Die rotweiße Schleife wird an das Amerika Haus, das Parkcafe (Rheinpark), das Länderhaus (LVR) und die Kirche Neu St. Alban gehen.

Die Veranstaltungen und Termine werden jeweils auf der Homepage zum Projekt bekannt gegeben.

Ragnhild Klußmann

Skizze: Merlin Bauer

„Ist es möglich, alles das zu sehen und Köln trotzdem zu lieben?“ fragt der Laudator Prof. Dr. Friedrich W. Heubach

Foto: Veit Landwehr

Foto: Albrecht Fuchs

So sieht es aus: Vom WDR aus hat man eine gute Sicht

Foto: Ragnhild Klußmann

2 Kommentare

Warum wurde in der Stadt Revue die Reihe der prämierten Gebäude nicht fortgesetzt?
Warum wurd mein Hinweis auf den Kaufhof in Kalk, ein Bau erstellt 1957, eröffnet 1958, nicht aufgenommen?

Der Standort als Hinweis auf das Riphahn-Ensemble ist gut gewählt. Das Gebäude, auf dem der Schriftzug steht, wäre jedoch ein wunderbarer Abrisskandidat, um den Offenbachplazt zu öffnen, und den Blick auf das Weltstadthaus freizugeben.

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