Auf zu neuen Achsen

Das BDA-Montagsgespräch fand zum ersten Mal in Kooperation mit dem Kölner Kulturrat statt. Im Mittelpunkt stand die Zukunft des Opern- komplexes am Offenbachplatz.

Das Ensemble rund um den Offenbachplatz stand am 26. März im Fokus des BDA-Montagsgespräches im Domforum. Zwischen 1954 und 1962 von Wilhelm Riphahn geplant bilden Oper, Schauspielhaus, die Opernterrassen und die gegenüberliegende Bebauung diesen innerstädtischen Platz, der von der Nord-Süd-Fahrt radikal durchschnitten wird. Seit Jahren nun wird in Köln diskutiert, wie mit diesem unter Denkmalschutz stehenden Gebäudekomplex umzugehen sei. Auf lange Sicht, soviel steht fest, ist das Opernhaus dringend sanierungsbedürftig, das Schauspiel ist den heutigen Anforderungen weder technisch noch räumlich gewachsen. Nach langem Abwägen steht nun also der Beschluss fest: Die Oper soll erhalten bleiben und saniert werden, Schauspiel und Opernterrassen müssen einem Neubau weichen.

Wer nun die jüngste Kölner Vergangenheit vor Augen hat wird mit Schrecken an das „Kölner Loch“ denken, wo die Handelnden auf das Gröbste versagten, in dem zunächst einmal abgerissen und erst dann weiter beraten wurde. Die zu Recht gestellte Frage zu Beginn der Veranstaltung lautete also, ob Köln es sich erneut leisten möchte, solch einen enormen Fehler zu begehen.

Der Offenbachplatz: Ein Ort ohne Aufenthaltsqualität

Der Diskussion vorangestellt war eine Einleitung von BDA-Architektin Kai Mettelsiefen, die den Ort in Kürze vorstellte und auf die Problematik eines überstürzten Handelns hinwies. Dies wurde vom Sprecher des Kölner Kulturrates Peter Bach noch verstärkt, der betonte, dass zunächst eine konkrete Diskussion über die benötigten Funktionen in einem Neubau am Offenbachplatz zu führen sei. Hier stehen noch zu viele Fragen unbeantwortet im Raum, so Bach.

Die anschließende Diskussion zwischen Dr. Hans-Georg Bögner, Professor Georg Quander und Bernd Streitberger rückte genau diese Fragen in den Mittelpunkt. Souverän moderiert von Jürgen Kleimer stellten alle Teilnehmer klar, dass bezüglich der Thematik Oper und Schauspiel keine übereilten und vorschnellen Taten geplant sind. Statt dessen, so der Vorsitzende des Unterausschusses Opernquartier Bögner (SPD) und der Dezernent für Stadtentwicklung, Planen und Bauen Streitberger nahezu unisono, werde alles mit der gebührenden Ruhe und Nachsicht geplant und durchgeführt. So ist eine Machbarkeitsstudie in Arbeit, die noch im April vorliegen soll. Sie soll klären, was auf dem Areal zu realisieren ist und ob alle von Oper und Schauspiel benötigten Räumlichkeiten wie Produktion, Lager und Werkstätten vor Ort unterzubringen sind. Auf dieser Studie fußend wird dann ein Raum- und Funktionsprogramm erarbeitet, welches zur Grundlage eines Wettbewerbes für das Projekt werden soll. Wenn diese Prozesse so ablaufen wie erhofft, dann könnte selbiger Wettbewerb bereits in der zweiten Jahreshälfte diesen Jahres ausgeschrieben und im kommenden Jahr entschieden werden.

Nichts überstürzen, doch die Zeit drängt

Georg Quander, Dezernent für Kunst und Kultur, betonte, dass es durchaus nötig sei, an diesem raschen Fahrplan festzuhalten, da die Oper für Spielzeit 2009/2010 wohl nicht mehr mit einer Spielgenehmigung rechnen kann: Derart marode sind Teile des Riphahn-Baus und der ihm innewohnenden Technik inzwischen. Dieser Zeitraum, für den ohnehin eine Zwischenunterkunft gesucht werden müsste, sollte für Um- und Neubauarbeiten genutzt werden.

Unterbrochen wurde die Diskussion durch ein kurzes Intermezzo des Kölner Architekten Bernd Kniess. Er lehrt in Wuppertal und hat die Thematik rund um den Riphahn-Komplex zur Aufgabenstellung für seine Studenten gemacht. In drei Beispielen zeigte Kniess wie mit dem Areal umgegangen werden könnte. Bewusst steigerten sich die vorgestellten Entwürfe von einem behutsamen Weiterbauen des Komplexes, über eine einfassende Bebauung, die die Nord-Süd-Fahrt von Oper und Schauspiel abgrenzt bis hin zu einer totalen Überformung des ganzen Geländes.

Oper und Schauspiel als Teil einer Kulturdiagonale durch die Innenstadt

Mit den Bildern im Kopf, wie vielfältig diese komplexe Aufgabe interpretiert werden kann und der Hoffnung auf ein zügiges, aber dennoch nicht überhastetes Fortschreiten der bürokratischen Vorarbeiten keimt zaghaft die Idee der Kulturdiagonale durch Köln weiter: Vom neuen Josef-Haubrich-Forum über einen neuen Komplex rund um den Offenbachplatz, das Zumthor´sche Diözesanmuseum, das Museum für angewandte Kunst bis zum Dom und den dort angesiedelten Museen. Der neu gestaltete Bereich Oper/Schauspiel könnte somit wieder zu einem tragenden Teil der Kölner Kulturlandschaft werden und, vielleicht noch wichtiger, am stadträumlichen Gefüge, in einer der dort dargebotenen Künsten angemessenen Art und Weise, teilhaben.

David Kasparek

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Nach langem Diskurs steht nun fest: die Oper, von Wilhelm Riphahn geplant, soll erhalten und saniert werden.

Der Platz zwischen Schauspiel und Opernterrassen bietet wenig

Offenbachplatz

Teil der ‚Kulturdiagonale‘? Neubau und Sanierung der Oper sollen diesen Gedanken unterstützen.

Entwurf aus Wuppertal

Die Wuppertaler Studentin Annika Kampf schlägt eine Umbauung der Oper vor, bei gleichzeitiger Sanierung des Riphahn-Baus.

Abbildung: Annika Kampf

1 Kommentar

Mit dem WDR- Hochhaus zusammen verdient dieses „Gebaut“ das Prädikat „hässlich“. Weg damit also. Wetten das es keiner vermissen wird.

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