Die Stadt unter die Lupe nehmen…

Zur Ausstellung ‚Modelle für Morgen:Köln“ der European Kunsthalle

Nummer 20 ist wirklich kaum zu finden. Im Begleitheft zur Ausstellung Modelle für Morgen:Köln stehen zwar deutlich alle Adressen aller 22 Orte, an denen der Besucher die speziell für diese Ausstellung konzipierten künstlerischen Arbeiten finden kann. Dennoch muss man schon sehr genau hinschauen, um die Kunst in der Stadt zu entdecken. Und während man sich am Roncalliplatz noch fragend nach der Nummer 20 umschaut, ist man schon mittendrin in der Frage nach dem Ort und den Möglichkeiten, Kunst zu präsentieren. Denn mit dem Ausstellungskonzept verschiedenartiger öffentlicher, kultureller und privater Räume rund um die Innenstadt wird eben auch Köln unter die Lupe genommen. Folgt man diesem Parcours, landet man ebenso unvermittelt in einer Bank, einem Hotel oder einer U-Bahn Station wie auf einem Platz, in einer Tankstelle oder auch vor einer verschlossenen Tür, denn einheitliche Öffnungszeiten kann es an diesen unterschiedlichen Ausstellungsorten natürlich nicht geben.

Eine Kunsthalle mit Möglichkeiten

Es geht in dieser Ausstellung um die Frage nach der Kunsthalle selbst, die nach einer zweijährigen Gründungsphase immer noch ohne feste Räumlichkeiten, ohne städtischen Auftrag nach Nischen im Kunstgeschehen sucht, in denen sie sich als Institution „verorten“ kann. Die European Kunsthalle ist nach dem Abriss der Kölner Kunsthalle aus dem Protest und privater Initiativen der Kölner Kulturszene hervorgegangen und arbeitet seit nun fast zwei Jahren unter dem Gründungsdirektor Nicolaus Schafhausen an einem innovativen Konzept für eine neue Kunsthalle. Wie eine solche Institution in Zukunft aussehen könnte, wird von den teilnehmenden Internationalen Künstlerinnen auf sehr unterschiedlichen Ebenen skizziert. So kündigt der kanadische Künstler Alex Morrison beispielweise gemeinschaftliche Fahrradtouren durch Köln an, die unter dem Motto „Don`t let them see us, don`t show them what we are doing“ von einem nächtlichen Treffpunkt am Dom ausgehen. Mit dieser fiktiven Möglichkeit möchte Morrison Möglichkeiten des selbstbestimmten Handelns aufzeigen. Wie diese bleiben leider auch viele andere der Projekte sehr abstrakt und benötigen eigentlich immer eine schriftliche Erläuterung, um sich dem Besucher zu erschließen.

Versteckte Kunst

Die Nummer 20 schließlich ist ein Stromkasten. Hat man ihn gefunden, sucht man die Aufschrift wie im Begleitheft erläutert: „Being disposed“ nennt der Künstler An Te Liu seine intellektuellen, textlichen Eingriffe in das funktionale Design der Verteilerkästen. Die Kunst schmuggelt sich also ein und unter, wird Teil des Ortes und dieser Teil der Kunst. Gelegentlich kann so ein spannendes Programm aber auch zum praktischen Problem werden: An manchen Orten kann der Besucher die Interventionen der Künstler kaum entdecken. Da hilft schon einmal die verstohlene Suche nach den blauen Heftchen. Mit etwas Glück findet man so Gleichgesinnte, deren Blick zum Kunstwerk man verfolgen kann.

Modelle für Morgen:Köln zeigt einen neuen Blickwinkel auf öffentliche und private Räume in der Stadt und regt durch eine große Vielfalt von künstlerischen Positionen zum Nachdenken über das Thema der Ausstellung an. Darin sehen die Kuratoren erste Impulse für eine Zukunft der European Kunsthalle. „Was jetzt ansteht, ist ihr eine konkrete Form zu geben und den politischen Willen aufzubringen, das Geforderte auch möglich zu machen“, liest man in der Einleitung des Begleitheftes. Darauf sind wir sehr gespannt.

Ragnhild Klußmann

Modelle für Morgen:Köln

Ein Ausstellungsprojekt der European Kunsthalle an 22 Orten in der Kölner Innenstadt vom 02. März bis zum 28. April 2007

Öffnungszeiten

Die Öffnungszeiten sind je nach Ausstellungsort verschieden.

Sie können dem Begleitheft entnommen werden.

Beiheft

Es ist ein blaues Begleitheft zur Ausstellung erschienen, welches an allen Ausstellungsorten ausliegt.

Führungen durch die Ausstellung

Treffpunkt ist das Zeitcafé, Köln Hauptbahnhof, 15 Uhr noch am 16.03., 24.03., 30.03., 07.04., 13.04., 21.04., 27.04.07

weitere Infos

Stromkasten am Roncalliplatz. 20. An Te Liu: Being Disposed, 2007

U-Bahn-Station Dom/HBF, 1. Lawrence Weiner, put wheresoever

Buchhandlung Walther König. 11.Alex Morrison: Don`t let them see us…, Fahrradtouren

Telecafe Köln, 3. Acconci Studio:Interiors, Buildings.Parks.2004, Videoinstallation

Deutsche Bank, SB Banking Center, 22. Karl Holmqvist: One of Many, 2007, Vitrine mit Euromünze

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