Die Wilde 13

Ab 2008 wird Microsoft Deutschland seinen Hauptsitz nach Köln verlegen. Ein Kölner Architekturbüro plant den neuen Bau.

Der Rheinauhafen ist derzeit eines der interessantesten Gebiete Kölner Bautätigkeit: Hier entstehen Architekturen, die auf sich aufmerksam machen möchten, geplant von Architekten mit Rang und Namen, wie Hadi Teherani oder KSP Engel und Zimmermann, für Firmen, die zu den Global Playern gezählt werden. Neben dem Computerspiele-Hersteller EA-Sports wird auch der US-Softwaregigant Microsoft in Kürze an Kölschen Gestaden anlanden:

Grundsteinlegung noch vor dem Sommer

Am 31. Mai ist die Grundsteinlegung für das RheinauArtOffice, dessen Hauptmieter Microsoft sein wird. Geplant wurde dieses Projekt der ArtOffice GmbH in Kooperation von FreigeberArchitekten und dem Kölner Architekten Stephan Schütt. Der Bau, von den Architekten als „neue Landmarke der neuen Rheinauhafensilhouette“ lanciert, verbindet die beiden trapezförmigen Grundstücke des Baufeldes 13 mit einem Fassadenband, das große Glasflächen fasst, und so die beiden Gebäudekörper eint.

Wie so oft scheint hier allerdings fraglich, ob das Bild, das derzeit vom Entwurf besteht so auch in die Realität übertragen werden kann. Obwohl der Baubeginn schon in wenigen Wochen sein soll, machen die der Öffentlichkeit präsentierten Renderings nicht den Eindruck eines detaillierten Bauwerkes als vielmehr eines um Aufmerksamkeit ringenden Bildes einer spektakulären Architektur.

Architekturen mit solch großen Glasflächen werden von ihren Schöpfern gerne als „Transparent“ bezeichnet – oft eine Deutung für die Transparenz des Unternehmens, welches durch den jeweiligen Bau repräsentiert wird. Diese vermeintliche Transparenz stellt sich in der gebauten Realität allerdings meist als Trugschluss heraus: Tagsüber sind die Glasflächen dunkel bis schwarz und alles andere als durchlässig. Nachts, mit Hinterleuchtung, könnte man dann hineinschauen – doch wer arbeitet schon besonders viel in der Nacht und wer kommt dann noch vorbei, um sich von der Transparenz von Unternehmen und Gebäude zu überzeugen?

Baufeld 13: Bislang mehr Bild als tatsächliche Architektur

Auch das im Zusammenhang mit dem Bau zitierte „Möbiusband“ scheint in diesem Kontext überstrapaziert. Ist doch dieses, 1858 vom Leipziger Mathematiker und Astronomen August Ferdinand Möbius entdeckte Konstrukt, viel komplexer. Das Möbiusband, als Architektur konsequent von Ben van Berkel und Caroline Bos von UN-Studio zum Beispiel im „Möbiushaus“ umgesetzt, zeichnet sich dadurch aus, dass es nur eine Kante und eine Fläche besitzt. In sich so verschlungen, dass man beim Entlangfahren an der Kante jeden möglichen Punkt der Außenkante des Bandes berührt hat und doch wieder beim Startpunkt angelangt, ist dies eines der faszinierendsten räumlichen Gebilde überhaupt. Die geplante Architektur im Rheinauhafen kann leider wenig von dieser Faszination umsetzen. Hier wirken die beiden Bänder starr und parallel hintereinander gestaffelt, eines endet abrupt im Nichts der Glasfassade.

Der Ankermieter Microsoft Deutschland residierte bis dato im nahen Neuss. Bis zum Jahreswechsel 2007/2008, so der schon längere Zeit bestehende Plan von Microsoft, sollte der Standort jedoch gewechselt werden. Hierfür wurden in ganz Nordrhein-Westfalen mehr als 250 Standorte und Projekte gesichtet.

Für das Kölner Prestige ist es also eine günstige Fügung, dass sich die ArtOffice GmbH um ein schlüssiges Konzept bemühte: Spektakuläre Architektur und gute Lage, gepaart mit einem potenten Hauptmieter. Dieses Konzept geht auf. Sowohl der Eigentümer des Areals, die Kölner HGK, als auch deren Tochter-GmbH „Moderne Stadt“, die die Angebote für eine Vergabe sichtet, zeigten sich von der Idee genauso überzeugt wie Microsoft selber.

Wirres Architekturkonglomerat oder homogene Inkunabel neuen Bauens?

Hier passt das eine zum anderen: Auf der einen Seite ein großes Unternehmen, das sich an einem angemessenen Standort niederlassen möchte, auf der anderen Seite eine ambitionierte Gesellschaft, die die Vision ihrer Architektur verwirklicht sehen möchte. Eine Bewegung von zwei Seiten, mit völliger Wechselwirkung: Ohne Hauptmieter gäbe es dieses Projekt wohl nicht, ohne die geplante Architektur am Rheinauhafen wäre im Gegenzug aber der Hauptmieter Microsoft nicht vorstellbar.

Und so wird ein weiterer Baustein ab dem frühen Sommer diesen Jahres in die Kölner Stadtsilhouette eingefügt.

Das Gebiet am Rhein ist damit weiter auf dem Weg eine Ansammlung verschiedenster Architekturen zu werden, die alle für sich darum bemüht sind, um die Gunst des Betrachters zu werben. Ob sich im Nachhinein aus dem Projekt und der ambitionierten Idee „Rheinauhafen“ ein harmonisches Ganzes ergibt oder nur ein aus Fragmenten zusammengesetztes Architekturkonglomerat, wird allein die Zukunft zeigen. Schließlich kommen hierfür viele Faktoren zusammen: Die einzelnen Bauten, die Straßenräume zwischen ihnen und nicht zuletzt die Menschen, die einen solchen neuen Stadtraum erst einmal für sich entdecken und erobern müssen.

David Kasparek

RheinArtOffice

Das ‚RheinauArtOffice‘: Noch nur ein Bild oder schon ein Bauwerk?

Bild: Freigeber Architekten und Architekt Stephan Schütt

Vision Rheinauhafen

Baufeld 13: Südlich der Severinsbrücke wird Microsoft einziehen

Bild: Freigeber Architekten und Architekt Stephan Schütt

Transparenz im Dunkeln

Bild: Freigeber Architekten und Architekt Stephan Schütt

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