Neue Räume denken

Zur Ausstellung ‚Convertible City‘ im KAP am Südkai

Es geht um das „Weiterbauen an der Stadt“. So formulieren es die Kuratoren der Ausstellung „Convertible City“, die von der Architekturbiennale in Venedig ihren Weg nach Köln gefunden hat. Die Generalkommissare des deutschen Beitrages zur diesjährigen Biennale, Armand Gruentuch und Almut Ernst (Gruentuch Ernst Architekten, Berlin) haben eine Architekturausstellung entwickelt, die sich auf die Transformation von bestehenden städtebaulichen Situationen konzentriert. In einer breiten Auswahl aktueller Projekte zeigen sie, wie in der Stadt heute verhüllt, verwandelt, umgebaut und entkernt, umgedeutet und erweitert wird, um an bestehenden Orten neue Räume zu denken. Mit Hilfe von sehr unterschiedlichen Strategien wird hier die Stadt von Architekten, Designern und Künstlern neu interpretiert.

Städtebaulicher Dialog

Entworfen für den historischen, deutschen Biennale Pavillon, der selbst als ein Ort der Transformation dargestellt wird, also vom konkreten, gebauten Beispiel des Um- und Weiterbaus lebt könnte der Kölner Ausstellungsstandort kaum besser gewählt sein: Ist doch der Rheinauhafen ein städtebaulich konkretes wie gelungenes Beispiel für die Weiterentewicklung der Stadt.

Ein Video, welches am Eingang dem Besucher die Atmosphäre aus den Biennale-Wochen in Venedig durch Interviews und fotografische Sequenzen zu vermittelt sucht , lässt sich von einem unmittelbaren Blick auf den Rhein überlagern und stimmt auf die Ausstellung ein.

Was erwartet den Besucher, der an einen der zwei langen, weißen Tische tritt, auf denen insgesamt 36 Entwürfe präsentiert sind? Auf schweren Kunststofftafeln werden die einzelnen Projekte und ihre Autoren erläutert. In großer Vielfalt zeigen sich die „Formen der Verdichtung und Entgrenzung“ von Stadt, wie sie im Untertitel zur Ausstellung genannt werden: In den Entwürfen werden Lücken gefüllt, es wird aufgestockt und erweitert, eingebaut, umgebaut, neu gebaut und gerade nicht gebaut, es werden temporäre Nutzungen entwickelt, Zwischenräume und Fassaden bespielt.

Fantasievolles Beiwerk

Klappt man diese Tafeln um, dann klappt man auch auf, denn darunter verbergen sich kleine Schaukästen, die alle Teilnehmer individuell gestalten sollten. Wie in einer Kuriositätensammlung wird das Thema der „Convertible Box“ frei interpretiert. Von Architekturmodellen und Projektdokumentationen über lustige, alberne oder praktische Innenleben bis zu künstlerischen Objekten zeigen die Entwurfsverfasser auf kleinstem Raum, wie sie das Weiterbauen an der Stadt verstehen. Hier geht es nicht nur um den gebauten Raum, es geht also auch um den gedachten und um den sinnlich erfahrbaren Raum. Es ertönt Musik, es wird geknetet und geschmeckt. Stadt kann gelebt und gefühlt werden.

Die Projekte sind durchweg sehr überraschend und einfallsreich, sie begeistern aber überwiegend auch durch ihre architektonische Qualität. Nicht nur das Badeschiff in der Spree, der Bunker als Kulturzentrum und der Sandkasten im Palast der Republik zeigen deutlich: Es gibt viel zu entdecken in der Stadt!

Ragnhild Klußmann

Convertible City

15. Januar bis 15. März 2007 im KAP (Forum für Architektur/Technologie/Design, Rheinauhafen, Aggrippinawerft 28, 50678 Köln)

Öffnungszeiten

Mo-Do 10.00 Uhr – 17.00 Uhr

Frei 10.00 Uhr – 15.00 Uhr

Katalog

Als Katalog erschien die aktuelle archplus 180, Convertible City, Armand Gruentuch, Almut Ernst (ED.)

Veranstaltungen

Mittwoch, 31.01.07 Die Zukunft von NRW, Vortrag und Diskussion

Mittwoch, 28.02.07 Lüttich, Industriezentrum Belgiens, Vortrag und Diskussion

Dienstag, 13.03.07 Müssen wir die Stadt neu erfinden? Vortrag und Diskussion

weitere Informationen

Auf Zwei langen Tischen präsentieren 36 Architekturbüros ihre Konzepte für die Zukunft der Stadt.

Foto: Ragnhild Klußmann

Foto: Ragnhild Klußmann

Hinter aufklappbaren Tafeln verbergen sich die unterschiedlisten Konzepte für den Weiterbau urbaner Strukturen.

Foto: Ragnhild Klußmann

Foto: Ragnhild Klußmann

Foto: Ragnhild Klußmann

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