Nächtliches Leuchten

Das neue Wissenschaftszentrum in Kalk wird von Kaspar Kraemer gebaut, darauf einigte sich die Jury der SK Stiftung CSC.

Wissen erlebbar und Technik verständlich machen – die Ziele des neuen Wissenschaftszentrum „Odysseum“ sind hoch gesteckt. Eine Kommunikationsplattform für Gesellschaft und Wissenschaft hatte sich Andreas Henseler, Geschäftsführer der SK-Stiftung Cologne Science Center (CSC), für den Bau in Köln-Kalk gewünscht. Mit dem Entwurf von Kaspar Kraemer fand man schließlich eine optimale Lösung, wie Henseler betonte: „Sein Entwurf entspricht genau unseren Vorstellungen.“

13 Jurymitglieder, 8 Bewerbungen

Anfang April hatte die SK-Stiftung CSC die Firma Drees & Sommer beauftragt, ein Auswahlverfahren durchzuführen. Acht Architekturbüros waren zum Wettbewerb eingeladen worden, für den eine 13-köpfige Kommission, mit den Architekten Stefan Schmitz und Jürgen Minkus, die Auswahl traf: Neben Henseler und Gustav Adolf Schröder, Vorsitzender der Sparkasse KölnBonn sowie dem Sparkassen-Vorstandsmitglied Franz Josef Schäfer gehörten der Kommission Anne Luise Müller, Leiterin des Stadtplanungsamtes, Mitglieder des Rates, der Leiter des Wissenschaftlichen Beirates der SK-Stiftung, Prof. Dr. Dr. Franz Josef Radermacher, Andreas Waschk und Hans Gubbels, Vorstandsmitglied des Verbandes der Europäischen Science Center, an. Mit elf zu zwei Stimmen bekam schließlich Kaspar Kraemer den Auftrag.

„Zukunft erlebbar machen“

Das neue Museum, das „Wissen zur Gestaltung der Zukunft erlebbar“ machen will, wie es in der Ausschreibung heißt, entsteht auf einer Industriebrache: Auf dem Gelände des City Forums Kalk zwischen der Straße des 17. Juni, der Corinto- und Istanbulstrasse hat Kraemer ein Gebäude in unmittelbarer Nähe zur Bahntrasse konzipiert. Zugleich ist es Teil der städtebaulichen Umstrukturierung in Kalk, ein „bedeutender Baustein im Rechtsrheinischen“, wie es Kraemer nennt.

Mediale Nutzung als Architekturkonzept

Die Außenwirkung des Solitärs, der direkt an einem Autobahnzubringer liegt und auch von der Bahntrasse aus sichtbar ist, hatte die Gestaltung maßgeblich bestimmt. Als „gläsernes Eingangsportal“ wurde die Foyerfassade zum Vorplatz des CSC an der Corintostraße konzipiert. Diese acht Meter hohe Pfosten-Riegel-Konstruktion hatte Kraemer nicht nur als Haupteingang konzipiert, sondern auch als „multifunktionale Medienfassade“, auf der zeitweise Videoinstallationen oder Bildprojektionen möglich sind.

Form durch Funktion

In Kraemers Entwurf liegen Ausstellungsflächen, Gastronomie und Veranstaltungsorte auf einer Ebene. In der Mitte des abgerundeten Dreieckbaus erhebt sich ein Glasdach, unter dem eine umlaufende Galerie dem Besucher Übersicht verschafft. Anstatt eines externen Parkhauses werden Parkmöglichkeiten unter dem Gebäude geschaffen. Von der so genannten Plaza, die vom Haupteingang aus zugänglich ist, gelangt der Besucher zu sechs Erlebnisbereichen, deren Ausstellungsflächen verschiedene Thematiken behandeln. Zudem ist eine Galerie vorgesehen, in der Einzelexponate präsentiert werden.

Integrierter Ruhebereich

Der Hauptzugang mit einem baumbestandenen Vorplatz wird Teil der städtebaulichen Diagonale Kalker Hauptstraße/Bürgerplatz. Auf Wunsch der SK-Stiftung hatte ein Ruhebereich entstehen sollen. Kraemer konzipierte jedoch einen Freibereich als integralen Bestandteil des Gebäudes, der schallgeschützt in die Gebäudehülle einbezogen wurde.

„Das Gebäude ist nachts besonders spektakulär“

Der gesamte Bau aus farbig behandelten Betonfertigteilen soll durch eine einheitliche Metallgewebefassade umgeben werden, die sich wie ein schimmerndes Kleid über das Gebäude legt. Nach Kraemers Vorstellungen könnte das „Odysseum“ sogar zeitweise seine Farbe wechseln. Fest steht, dass durch das Metallgewebe das gesamte Gebäude zu einer einheitlichen Geometrie verschmilzt, obwohl seine Innenstruktur in verschiedene Funktionsbereiche gegliedert ist. Damit könnte die Außenwirkung des Odysseums an die der Allianz-Arena in München erinnern, wäre die Illuminierung nicht deutlich anders konzipiert: Das Gebäude soll punktuell mit LED-Lämpchen beleuchtet werden, nicht aber in der gesamten Fläche strahlen. „Nachts wird das Odysseum besonders spektakulär aussehen“, verspricht Kraemer.

Forschungsschiffe und begehbare Netzwerke

„Die Ausstellung selbst wird in enger Kooperation mit den Architekten konzipiert“, stellte Henseler in Aussicht. Ziel der SSC-Stiftung sei es, Forschung für die Besucher erlebbar zu machen: Spielerisch soll die Zukunft der Menschheit beleuchtet, die Technik unseres Zeitalters erkundet werden. Geplant sind unter anderem begehbare Netzwerke, Experimentierfelder und ein Forschungsschiff, auf dem „Leben und Überleben“ zum Thema wird.

Ein Museum als interaktive Erlebniswelt

Gedacht ist das „Odysseum“ als Bildungs- und Wissenschaftszentrum, aber auch als interaktive Erlebniswelt. Für den Entwurf des Gebäudes bedeutete das vor allem eins: Ein Gebäude zu schaffen, das flexibel bespielt aber auch beliebig erweitert werden kann. Die Ausschreibung sah daher nicht nur eine Ausstellungsfläche von 6 772 Quadratmetern vor, sondern auch einen Erweiterungsraum von 3 000 Quadratmetern.

„Der Entwurf ist eine Punktlandung“

Die Ausschreibung hatte ein enges Finanzierungsmuster vorgegeben – nicht umsonst nennt Kraemer seinen Enwurf eine „Punktlandung“. Für die Verwirklichung des ersten Bauabschnitts stehen 27,5 Millionen Euro zur Verfügung. Darin sind 15,5 Millionen Euro vom Land NRW und vom Bund enthalten. Später sollen weitere Bauabschnitte folgen. „Unsere Vorgaben für die Betriebskosten sind jedoch deutlich unterschritten worden“, sagte Henseler. Kraemers Entwurf habe die Jury nicht nur in ästhetischer und funktionaler, sondern auch in finanzieller Hinsicht überzeugt. Gebaut wird das Museum im März 2007, die Eröffnung ist im letzten Quartal des Jahres 2008 geplant.

Redaktion

csc 1 (Image/Foto)

Trotz differenzierter Funktionsbereiche erscheint das Gebäude als eine einheitliche Geometrie.

Modellfoto: Architekturbüro Kraemer

lageplan

Mit seiner selbstbewussten Form als Solitär ordnet das Odysseum auch den städtebaulichen Kontext und bildet den Eingang für das neue Quartier des ehemaligen Industriestandortes Chemische Fabriken Kalk

Grafik: Architekturbüro Kraemer

csc 2 (Image/Foto)

Erdgeschossgrundriss

Grafik: Architekturbüro Kraemer

csc 3 (Image/Foto) schnitt

Längsschnitt

Grafik: Architekturbüro Kraemer

Odysseum System

Die Innenstruktur des Odysseums ist in fünf Ausstellungsflächen gegliedert, die vom Plaza aus zugänglich sind.

Grafik: Architekturbüro Kraemer

4 Kommentare

Punktlandung?
Eine Vergleichbarkeit mit den anderen Wettbewerbsbeiträgen ist sicherlich für die Bewertung notwendig. Ansonsten heißt es mal wieder die Ergebnisse des undurchsichtigen kölner Wettbewerbsdschungel zu schlucken.

Ob die von Herr Henseler beschworene Kommunkationsplattform stattfinden wird ist raglich, da er es setzt noch nicht mal schafft, die Entwicklung vor Ort zu kommunizieren.
Das Museum steht am falschen Platz, eingerammt von der Rampe zur Brücke, dem geplanten Drive In Bauhaus Baumarkt, den abschirmenden Bürobauten (Wer braucht die?)für die Stadthäuser und der Brache für das überholte Urban Entertainment Center.
Anstelle dessen wäre dies ein annehmbare Standort, gegenüber dem Bürgerpark, was auch architektonisch und stadtplanerisch neu Ansätze bietet. Vom geplanten neuen S-Bahn-Anschluss hört man nichts mehr, kommt dieser überhaupt noch?
Inhaltlich ist das Konzept grvierend in der Schieflage. Es nimmt die wissenschaftlichen Errungenschaft des geschichtsträchtigen Standortes nicht auf, den Bezug zu noch existierenden Unternehmen (Deutz AG, KHD AG, Reinbold & Strick etc.) und schafft keine Verbindung zum Ingenieurwissenschaftlichen Zentrum der FH Köln in Deutz. Auch ein nächtliches Leuchten kann darüber nicht hinwegtäuschen.

Die beiden Entwurfsbeiträge, über hh-vision visualisiert, sind keine Alternativen, da sie insbesondere in den Vorgabenbeschränkungen verhaftet bleiben.
Interessant war für mich eine Darstellung mit den beiden Hochhäusern (100 m), über die keiner mehr spricht…

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