Wie tolerant ist Köln?

Beim BDA Montagsgespräch zur geplanten DITIB-Zentralmoschee wird kaum über Architektur diskutiert

Ein Polizist kontrolliert den Eingang zum Domforum, vor der Tür verteilen Anhänger der rechten Bürgerbewegung „Pro Köln“ Handzettel. Der BDA hatte zum Montagsgespräch über ein heiß diskutiertes Thema eingeladen: die geplante Moschee in Ehrenfeld. Entsprechend groß ist das Interesse an der Vorstellung der preisgekrönten Entwürfe, das Domforum ist übervoll.

Nicht nur eine Frage der Architektur

Zunächst stellen die Architekten der fünf Preisträgerentwürfe ihre Arbeiten im Detail vor. In der anschließenden Diskussion soll es eigentlich nur noch darum gehen, wie die Moschee aussehen wird, nicht mehr darum, ob sie kommen wird, oder nicht. Dieser Wunsch des BDA richtet sich ganz klar an die im Saal verteilten Moscheegegner. Und doch, eine Publikumsdiskussion über Architektur will sich nicht so recht entwickeln.

Auf dem Podium, besetzt mit Christian Schramm, Vizepräsident der Architektenkammer NRW, Anne Luise Müller, Leiterin des Stadtplanungsamtes der Stadt Köln, Mehmet Yildirim, Generalsekretär der DITIB e.V. und Stefan Schmitz, Architekt BDA, Vorsitzender des Gestaltungsbeirates, ist man sich einig, dass der gewählte zweiphasige Wettbewerb ein vernünftiges und sinnvolles Verfahren war. Interessierte Architekten mussten zunächst eine DIN A4-Skizze ihres Entwurfes einreichen. Anhand dieser Skizzen wurden in einer Vorauswahl 32 Architekturbüros nominiert, die zur zweiten Phase des Wettbewerbs eingeladen wurden. Zusammenfassend stellt Stefan Schmitz fest: „Ich finde das Verfahren sehr gut, viel besser als der Zug aus der Lostrommel.“

Bild einer Moschee

Auch mit der Bandbreite der fünf Siegerentwürfe ist man zufrieden, die DITIB als Auslober hatte in der Wettbewerbsphase die Preissumme erhöht, um fünf Preise statt der geplanten drei vergeben zu können. „Eine Moschee soll erkennbar sein und sich zeigen, sich aber auch an die Umgebung anpassen“, so Mehmet Yildirim über das Bild, das eine Moschee in Deutschland nach außen verkörpern sollte. Diesen Zwiespalt nimmt Christian Schramm auf, denn für ihn stellt sich die Frage, ob die historischen Architekturelemente, wie Kuppel und Minarett, überhaupt notwendig sind. „Bei den Auslobern war die historische Interpretation Favorit, die Fachpreisrichter bevorzugten die modernen Varianten“, sagt er zur Entscheidungsfindung in der Jury. Zum Bild einer Moschee gab es bereits im Vorfeld des Wettbewerbs lange Diskussionen, erläutert Stefan Schmitz, aber man könne hier auch nichts bauen, mit dem sich die türkische Gemeinde nicht anfreunden könne. Im Entwurf des ersten Preises, von Paul und Gottfried Böhm, gebe es sowohl historische als auch moderne Elemente. Und so stellt auch Anne Luise Müller fest, dass der Siegerentwurf „das ist, was entstehen sollte.“

Wie geht es weiter?

„Es ist sehr schwer, uns unter den fünf Preisträgern zu entscheiden“, erklärt Mehmet Yildirim. Die DITIB hat in den vergangenen Wochen mit allen Preisträgern intensive Gespräche geführt, noch diese Woche wird der Vorstand beraten und Yildirim ist zuversichtlich, dass bald eine Entscheidung fallen wird. Auf den Einwand aus dem Publikum, dass für den Bau eine Änderung des Bebauungsplans notwendig sei und somit noch nicht klar sei, dass die Moschee überhaupt gebaut werde, reagiert Anne Luise Müller: „Wir haben hier einen Bebauungsplan, der Mischnutzung zulässt, eine Moschee ist also eine zulässige Nutzung.“ Allerdings müsse für die geplante Randbebauung und die Größe des Projektes der Bebauungsplan geändert werden. Dies geschehe natürlich mit Informationsveranstaltungen für die Bürger und auch mit vorgezogener Bürgerbeteiligung. Bereits vor der Wettbewerbsauslobung sei zudem ein Verkehrsgutachten in Auftrag gegeben worden, auch um die Rahmenbedingungen festzulegen. In diesem Gutachten seien auch die Optimierungsmaßnahmen für die Verkehrsplanung festgelegt.

Moscheegegner im Publikum

Die Einwände im Publikum, die sich grundsätzlich gegen einen Moscheebau richten, ob im Hinblick auf erhöhtes Verkehrsaufkommen und den dadurch entstehenden Lärm, den Ruf des Muezzins oder die Frage warum man einer „solchen Religion“ ein Zentrum bieten solle, werden vom Podium sehr kurz abgehandelt. Dennoch zieht sich die Diskussion darüber einige Zeit hin. Schließlich wird der Präsident der DITIB, Ridvan Çakir, gebeten, eine Stellungnahme zur Gefahr, die von Hinterhofmoscheen ausgeht und zur Behandlung von Christen in der Türkei abzugeben. Der kurze Vortrag über die Haltung des Islam gegen den Terrorismus und für die Toleranz in der Türkei gegenüber Christen endet in der Frage: „In der Türkei gibt es einen Dialog zwischen Juden, Christen und Muslimen. Wie kann man heute nicht wollen, dass in Köln eine Moschee errichtet wird?“

Offene Diskussion

Aus dem Publikum führt die Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner die Diskussion wieder auf die Architekturebene zurück: „Ein großer Vorteil des Bauplatzes ist, dass er nicht mitten im Wohngebiet ist, aber ein Entree zu Ehrenfeld bildet, das einen großen Anteil türkischer Bevölkerung hat“, spricht sie sich für das geplante Bauareal aus. Abschließend lobt Stefan Schmitz noch einmal das Verfahren, das von der DITIB von vorneherein auf Dialog ausgerichtet gewesen sei und bis zum heutigen Tag konsequent offen gehalten wurde.

Eine offene Diskussion die hoffentlich nicht von ignoranten Anhängern rechter Ideen zunichte gemacht wird.

Vera Lisakowski

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->Tradition gewinnt

->Wer baut, der bleibt.

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Der Siegerentwurf von Paul und Gottfried Böhm vereint traditionelle und moderne Elemente

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Ganz ohne Kuppel kommt der zweit plazierte Entwurf des Kölner Büros Wallrath + Weinert Architekten aus.

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Mit homogener Hülle überbaut das Kölner Büro Lorber + Paul das Grundstück – der dritte Preis im Wettbewerb.

15 Kommentare

Ich hoffe doch sehr dass diese unsägliche Diskussion um den Bau der Moschee endlich der Vernunft weicht. Köln braucht schon lange diese Moschee. Diese Miniaturausgaben die man in diesem Land hier und da in Gewerbegebieten versteckt sind doch einfach nur traurig.

Ich wäre stolz wenn Köln dem endlich ein Ende macht und Vorreiter wird für den Bau weiterer interessanter Moscheen. Der Siegerentwurf hat zu Recht den ersten Platz, er wirkt offen und freundlich. Platz 2 und 3 wirken eher wie Industriearchitektur und besonders 3 weckt bei mit die Assoziation eines Kernkraftwerks…

Es wird so viel von der kölschen Toleranz geredet aber wenn es drauf ankommt… oder ist es einfach nur weil in den Medien diesen negativen Kräften viel zu viel Aufmerksamkeit geschenkt wird in der sich diese mit Genuss suhlen???

Es gleicht schon einer Farce mit dem unumstrittenen Kirchenbaumeister Böhm in die Diskussion einzusteigen um später dann den 4. preis zu realisieren…

Es geht bei diesem Vorhaben nur sehr sekundär um Architektur.
Das Problem, was ich sehe ist das die Schramma-Regierung zusammen mit der türkischen Staatsregierung (DITIB) diesen Bau still unter dem Tisch ausgemauscheln wollte.
Der Moscheebau ist ein Symbol für eine gravierende kulturelle Veränderung Kölns. Über eine Großmoschee mitten in Köln müssen die Kölner Bürger demokratisch abstimmen.
Dann erst sollten wir über die Architektur sprechen.

Die Türken sollen ihre Moschee haben. Die Minarette jedoch dienen in muslimischen Ländern dem weit hörbaren Ruf des Muezin. Hier ist aber kein muslimisches Land.

Ehernfeld ist doch schon lange stark türkisch geprägt. Warum also keine schöne Moschee mit grossen Türmen und Kuppln? Der Islam ist eine Bereicherung für uns. Die einheimische Bevölkerung sollte wegen ihrer Vergangenheit viel toleranter sein.

Ehrenfeld und andere Stadteile sind von der Bevölkerung her sehr türkisch. Das gibt es auch in amerikanischen Großstädten. Die Kultur der Türken sollte im sonst langweiligen Köln auch architektonisch ihren Ausdruck finden. Glückwunsch Herr Böhm!

Köln ist architektonisch sehr häßlich. Die Türken brauchen auch eine Art Dom in ihrem Baustil. Eine riesige zentrale türkische Moschee ist nur gerecht in einer türkischer werdenden Stadt wie Köln.
Die Deutschen müssen viel toleranter werden.

Bevor eine Mosche in Köln oder anderswo gebaut wird sollte geklärt werden ob es auch in der Türkei Glaubensfreiheit gibt, heißt ob dort Andersgläubige ohne Probleme ihre Gotteshäuser oder Kirchen bauen können.
Auch sollte der Islam endlich öffentlich erklären
das Andersgläubige keine Ungläubigen sind, sonder `Jeder`das Recht auf einen Glauben hat und der Islam nicht der einzig wahre Glauben auf der Welt ist. Denn im Moment wird der Islam zu wichtig genommen und die Moslems nehmen sich ebenfalls zu wichtig. Wir leben alle auf einem kleinen Planeten wo jeder die gleichen Rechte hat und haben sollte.

Falsche Frage! Wie tolerant ist diese Webseite müsste man fragen, denn alle islamkritischen Beiträge sind gelöscht worden.

Nun ja, wenn man keine Argumente mehr hat, dann löscht man….rom

Wohin wir mit der Toleranz gekommen sind? Das bläuige Verhalten der Behörden gegenüber gewaltbereiten islamistischen Konvertiten hat die jetzige Situation heraufbeschworden. Ein Konvertiten-Register ist allein kein Heilmittel. Aber es kann als eine Präventionsmaßnahme vorübergehend vertretbar sein, auch wenn juristische Bedenken bestehen sollten.
Im Kern geht es aber um die Frage, ob Islamisten, die sich auf den Koran, also auf eine Vorschrift berufen, die über dem Grundgesetz Geltung haben soll (s. Nachrichten von heute), in Deutschland ein Aufenthaltsrecht erhalten sollen. Wenn wir uns in dieser Grundatzfrage nicht konsequent entscheiden, wird es bald zu folgenschweren Entwicklungen kommen. Die bisherigen Proteste auf den Straßen lassen nichts Gutes ahnen. Der Koran muss nicht verboten werden, aber eine verbindliche Distzanzierung von den zur Gewalt ermunterten Suren durch die Islamistischen Dachverbände ist unabdingbar. Toleranz als Freibrief für die Aktivitäten der Verfassungsfeinde kann nicht hingenommen werden.
Natürlich sprechen die Verbände nur für eine Minderheit, dahe ist höchste Zeit, dass sich di bisher Indiffenrenten zu Wort melden. Um sie muss geworben werden – wie um die vielen Nichtwähler in der Bundesrepublik

Die eigentliche Frage ist:

Wie demokratisch ist Köln?
Die Mehrheit war gegen ein derartiges Bauprojekt – und das Ding wird trotzdem unverändert gebaut (falls DITIB doch noch das Geld zusammenbekommt, die Baugrube zu füllen).

„Toleranz“ ist kein positiver Wert an sich. Sie kann auch eine Gefahr werden.

Eine Erkenntnis, die derzeit nicht sehr populär ist… ich weiß

Gegen alle Vernunft wird nun die Moschee in Köln errichtet.
Die Türken werden sich alle um diese Moschee gruppieren und der Integration jetzt erst recht aus dem Wege gehen.
Damit haben die Befürworter dieser Moschee uns allen einen Bärendienst erwiesen.

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