Auf den zweiten Blick

Abrissarbeiten für Kollhoffs ‚Dominium‘ haben begonnen

„Was ist alt und was ist neu?“ – Diese Frage stellt sich bei einem Blick auf die Entwürfe für das „Dominium“ in Domnähe. Der Berliner Architekt Hans Kollhoff stellt genau dies als eine besondere Qualität heraus: „Wir versuchen aus der bestehenden Fassade an der Komödienstraße heraus unsere Fassade zu entwickeln, so dass nur noch für den Fachmann erkennbar ist, dass es aus unterschiedlichen Zeiten stammt“, erläutert er ein Detail seines Entwurfes. Auch nach vielen Jahren soll sein Ensemble noch als positiv wahrgenommen werden, und „einen Beitrag leisten, dass von unserer Zeit etwas erhalten bleibt.“ Kritikern seiner häufig als „historisierend“ bezeichneten Architektur setzt Kollhoff entgegen, dass es sich gerade beim „Dominium“ um ein spektakuläres Projekt handelt, das gegen den Zeitgeist geht.

Fünf Fassaden – ein Gebäude

Nach außen scheint das „Dominium“ aus fünf Gebäuden zu bestehen. Die Blockrandbebauung, begrenzt von Komödienstraße, Tunisstraße und Unter Sachsenhausen, imitiert mit unterschiedlichen Natursteinfassaden, verschiedenen Dachformen und Gebäudehöhen zwischen sechs und neun Geschossen eine gewachsene Stadtstruktur. Eine denkmalgeschützte Fassade an der Komödienstraße sowie ein Gebäude an Unter Sachsenhausen werden saniert und in das Ensemble integriert. Die übrigen, bisher von der Commerzbank genutzten, Gebäude werden abgerissen.

Im Inneren des „Dominiums“ verbirgt sich jedoch ein Gesamtkomplex mit einer Bruttogeschossfläche von rund 25.000 Quadratmetern und durchgehenden Geschossebenen. Mieter können so je nach Bedarf ganze Etagen nutzen oder aber die vertikale Erschließung wählen und eigene Hausteile beziehen. Für Kollhoff ist der Entwurf der Versuch, in der vorhandenen Umgebung die Stadtstruktur zu homogenisieren und ganz bewusst nicht zu kontrastieren. „Das hat damit zu tun, dass wir gemerkt haben, dass Stadt auch Vielfalt ist“, erklärt Kollhoff, „Riesenhäuser mit einer einheitlichen Fassade werden sehr schnell langweilig.“

Abstimmung mit der Stadt

Auch bei der Stadt Köln ist man überzeugt von dem Entwurf, der aus einem internationalen Architektenwettbewerb Ende 2004 hervorgegangen ist. Nach größeren Änderungen im rückwärtigen Bereich und verschiedenen Entwurfsvorschlägen für das Eckgebäude Unter Sachsenhausen / Tunisstraße ist der Leiter des Dezernats für Stadtentwicklung, Planen und Bauen, Bernd Streitberger, zufrieden. „Wenn es dann fertig ist, wird man es kaum bemerken“, vermutet er. Seitens der Stadt gab es für das Bauareal keine Vorgaben, es gilt §34 BauGB, Angleichung an die Nachbarschaft. Genau diese Angleichung sei Kollhoff mit seinem Entwurf gelungen, so Streitberger, „es ist ein Stück Architektur das verbindet.“ Auch die Höhe von bis zu 33 Metern bereitet der Stadt keine Probleme, zum einen sei auch die umliegende Bebauung – insbesondere der WDR – höher, zum anderen sieht das Höhenkonzept der Stadt Köln für die Nord-Süd-Fahrt eine Höhe von bis zu 35 Metern vor.

Keine Angst vor Leerstand

Die Abrissarbeiten haben inzwischen begonnen, bereits Ende 2006 soll der sanierte Altbau fertig gestellt sein, Anfang 2008 ist, nach der bisherigen Planung, der Neubau bezugsfertig. Trotz des hohen Büroleerstandes in Köln erwartet man bei der Hochtief Projektentwicklung einen großen Erfolg des Ensembles. Schon heute sei das Interesse potentieller Mieter sehr hoch, da am Kölner Immobilienmarkt derzeit keine vergleichbaren Flächen angeboten würden. Das gesamte Gebäude wurde bereits vor Baubeginn an die AMB Generali Gruppe verkauft, wer nach Abschluss der Bauarbeiten hier einziehen wird ist noch nicht bekannt.

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Homepage des Architekturbüros Kollhoff

Vera Lisakowski

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Denkmalgeschützte Fassade an der Komödienstraße

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Das geplante ‚Dominium‘ an der Tunisstraße, Quelle: HOCHTIEF Projektentwicklung

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Das geplante Eckgebäude Tunisstraße / Unter Sachsenhausen, Quelle: HOCHTIEF Projektentwicklung

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Die Ecke Tunisstraße / Unter Sachsenhausen

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