Raum ist Sehnsucht.

Eine Ausstellung im Museeum für Angewandte Kunst. 24. September bis 11. Dezember 2005.

Der Kirchenbaumeister Dominikus Böhm (1880 – 1955)

Aus dem Architektur Museum Frankfurt stammen die rund 100 Zeichnungen, Entwurfsskizzen, Außen- und Innenansichten und Grundrisse, die im Museum für Angewandte Kunst zu sehen sind. Die ausdrucksstarken Arbeiten aus der Hand des Baumeisters werden ergänzt durch Fotos seines Weggefährten, des Fotografen Hugo Schmölz. Die dramatische Lichtführung ist beiden Künstlern zu eigen. Ein Dutzend Modelle, die Einblicke in die Innenräume der Bauten ermöglichen, wurden an der Universität Karlsruhe gefertigt und führen überwiegend Kirchbauten aber auch das Böhmsche Wohnhaus in Marienburg plastisch vor Augen.

Mehr als „nur“ ein Architekt

Der 1880 in Bayern in geborene Böhm, kam über Offenbach nach Köln und lehrte

ab 1926 als Professor für religiöse Kunst an den Kölner Werkschulen. Dort widmete sich der vielseitig begabte Baumeister nicht allein der Architektur. Sein Gestaltungswille richtete sich ebenfalls auf Kirchenfenster und liturgisches Gerät, Taufbecken und Gestühl, ja auf den Gottesdienst selbst, für den er eigene Kompositionen schuf. Raum und Klang lagen für ihn eng beieinander. Eine CD mit seinen Werken hat Paul Böhm aufgelegt.

Bis seine erste Kirche realisiert wurde, musste Dominikus Böhm 40 Jahre alt werden. Doch die Beschäftigung mit Sakralarchitektur begann weit früher. Böhm befasste sich – wie Romano Guardini und Johannes van Ackens – mit Gedanken zur Erneuerung der Liturgie. „Christozentrik“ lautet das Stichwort, das seine Räume bestimmt, denn es war sein Bestreben, den Altar und das Messopfer buchstäblich ins Zentrum zu rücken. Eine Auffassung, die in den 20er und 30er Jahren des letzten Jahrhunderts in der katholischen Obrigkeit eher auf Kritik denn auf Zustimmung traf.

Die Betonung des Versammlungs- und Opferraums führte zu einer Vorliebe für Zentralbauten. Das ist eines der Motive, die sich durch das Schaffen Böhms ziehen, wie die Ausstellung zeigt. Weitere Grundgedanken werden im Laufe seiner Tätigkeit variiert und perfektioniert: etwa Doppelturmfassaden oder die Form der Basilika. Seine Leidenschaft für Italien und vor allem die romanische Architektur ist ebenfalls ablesbar. Er liebte deren monumentale Strenge, greift sie etwa in seinen Westwerken auf. Zudem adaptiert er den Campanile oder auch das Motiv der Staffelarkaden. Die Einbettung in den regionalen Kontext ist ihm dabei ebenso wichtig wie die Nutzung ortstypischer Materialien.

Eigenwillige und moderne Formen

Dem blockhaft Monumentalen steht ein romantisches Fließen gegenüber. Es lässt sich als zeitliches Nacheinander sehen, von der Dynamik zur Statik, etwa dem Entwurf „Circumstantes“ von 1922 bis zu St. Engelbert in Essen aus den 1930er Jahren. Parabeln und gestaffelte Bögen ergeben eine eigenwillige Raumstruktur, die oftmals wie gewachsen wirkt. „Liquid Stone“ nennt es die Zeitschrift The Western Architect, die bereits 1928 in den USA über Dominkus Böhm berichtete.

Liegt auch der Ausstellungsschwerpunkt auf seinen Kirchen und speziell der Bautätigkeit vor dem Zweiten Weltkrieg, werden doch einige Beispiele aus Böhms profanem Werk aufgeführt. Neben dem eigenen Wohnhaus findet man auch Industriebauten, sowie aus Köln eine Großgarage oder das Geschäftshaus Spahn, das für die Ringstraßen geplant aber nicht realisiert wurde. Die Zeichnungen machen deutlich: Böhm war ein moderner Architekt auf der Höhe seiner Zeit. Die ausgefeilte Lichtstimmung der Kirchenräume findet ihre Entsprechung in der modernen Fassadengestaltung durch Fensterreihen (Haus Spahn) oder Lichtreklamen, wie an der Sparkasse in Hindenburg (Zabre) im heutigen Polen.

Böhm war einer der Pioniere des kirchlichen Betonbaus. Als herausragendes Beispiel ist die Kirche St. Engelbert, in Köln-Riehl zu nennen, die in der Ausstellung in verschiedenen Entwurfsstadien gezeigt wird. Die ursprünglich geplante Variante mit Doppelturmanlage und Kuppel stieß aufgrund der „fremdartigen Wirkung“ auf wenig Gegenliebe bei den kirchlichen Entscheidungsträgern. Auch die Backsteinverkleidung eine Konzession an den gewünschten Traditionalismus.

Es war Böhms Vielseitigkeit, die Rudolf Schwarz 1955 in seinem Nachruf für den Kollegen und Freund herausstellte. Er würdigte ihn als „Anwalt Gottes, dessen eigene Schöpfung ein unablässiges Spiel mit immer neuen Formen ist.“

Die Ausstellung wird begleitet durch ein umfangreiches Programm aus Vorträgen, Führungen und Exkursionen. Siehe Museum für Angewandte Kunst.

An der Rechtschule

50667 Köln

Öffnungszeiten:

Dienstag bis Sonntag von 11.00 bis 17.00 Uhr

Petra Metzger

boehm offenbach

St. Petrus Canisius, Offenbach a. M.

Projekt, 1925/26

Blick in das Kirchenschiff

Bleistift, Kreide auf Transparent, auf Karton, Sammlung des DAM

boehm hindenburg

St. Josef, Hindenburg (Zabrze), Polen

1929-1931

boehm circumstantes

Messopferkirche, Motto „Circumstantes“

Projekt mit Martin Weber, 1922

Druck, Sammlung des DAM

boehm spahn

Geschäftshaus Spahn, Köln

Projekt, 1933/34

Sammlung des DAM

boehm Bischofsheim

Christkönig, Bischofsheim

1926

boehm riehl

St. Engelbert, Köln-Riehl

Projekt, 1930-32

Kuppelkirche mit zwei Türmen und Kapellenkranz

Kohle auf Transparent, Sammlung des DAM

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