Sonne lacht, Blende acht

Unsere Reihe mit Portraits über Kölner Architekturfotografen beginnt mit Rainer Mader.

„Kommen Sie doch raus zu mir in die Eifel. Jetzt wo die Sonne scheint, ist es zu schön im Grünen, um sich in meinem Studio in Köln zu treffen.“

Er hat Recht: am Rande eines kleinen Dorfes liegt an einem Bachlauf inmitten von Gärten ein Schulgebäude aus der Nachkriegszeit. Rainer Mader hat es vor zehn Jahren gekauft, seitdem Stück für Stück saniert und sich damit eine unvergleichliche Idylle geschaffen.

Erst spät entdeckte Mader seine Liebe zur Architektur, für die er sich sowohl privat als auch beruflich immer mehr Zeit und Raum nimmt. Nach dem Abitur beginnt er seine Karriere zunächst in Stuttgart. Im Bereich der Modefotografie assistiert er bei Katalogproduktionen und arbeitet für renommierte Kunden im In- und Ausland. Nach gut fünf Jahren zieht er nach Köln und arbeitet dort als Studioleiter für eine Werbeagentur. Neben Mode bewirbt er mit seiner Fotografie nun auch vermehrt Autos, Möbel und Pharmaerzeugnisse.

Über Autos und Möbel zur Architektur

Während eines Autoshootings vor der Neuen Nationalgalerie in Berlin betritt Rainer Mader zum ersten Mal den Mies-van-der-Rohe-Bau. Unbefangen und frei von architektonischem Wissen steht er in der komplett leergeräumten Ausstellungshalle. „Ich habe einen wahnwitzigen Schrecken bekommen, am Ende der Halle ist eine helle Marmorsäule, ansonsten nur Glas und du denkst, die ganze Halle steht auf dieser Marmorsäule. Da ist mir erst einmal die intellektuelle Tragweite von diesem einfachen Gebäude bewusst geworden. Ich habe mich absolut verliebt in diesen Bau und jedes Mal, wenn ich in Berlin bin, renne ich um dieses Ding rum und es ist immer wieder dasselbe Gefühl.“

Anfang der 80er Jahre lernt Rainer Mader dann den Architekten Thomas van den Valentyn kennen. Mit einem Architekturmodell in der Hand steht er vor Maders Studiotür in Köln und bittet ihn, dieses zu fotografieren. Mader, schon seit Tagen mit einem stressigen Werbejob beschäftigt, ist mit dem kleinen filigranen Modell neben den Möbelaufbauten in seinem Studio so überfordert, dass er ablehnt. Valentyn lässt sich davon allerdings nicht beeindrucken: „Ich bleibe so lange hier sitzen, bis Sie mein Modell fotografiert haben und wenn es zwei Tage dauert.“ „Und dann saß er wirklich drei Stunden auf dem Sofa während wir weiter fotografierten. Nach vier Stunden wurde mir das dann zu bunt und ich sagte zu ihm: Valentyn, du kannst jetzt gehen, ich mache es heute Nacht noch.“

Die Entdeckung der Sachlichkeit

Van den Valentyn schafft es, Mader für die Architektur zu begeistern. Schon bald fotografiert Mader auch Valentyns Bauten. Der vertraute Umgang mit der Großformatkamera, sein Handwerkszeug für den hohen Anspruch der Autowerbung, kommt ihm dabei zugute. Mader merkt jedoch schnell, dass die Architekturfotografie nicht mit einem laufenden Studio für Werbefotografie zu vereinen ist. „Man kann ja bei Architektur nicht morgens um sechs anfangen und nachmittags um fünf ist alles fotografiert. Gute Bilder entstehen erst, wenn das Licht 100%ig stimmt und das kann sich von morgens bis abends, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang hinziehen.“

Rainer Mader fasst den Entschluss, sich mehr Raum und die notwendige Zeit für die Architekturfotografie zu schaffen und beginnt sich mit Architektur, Design und Malerei auseinander zu setzen. Seine Begeisterung für das Bauhaus festigt sich. Die schmucklose Klarheit hat Mies van der Rohes Werke für ihn zeitlos gemacht. „Da kann man einfach nichts mehr verbessern. Alles, was über die Sachlichkeit hinausgeht, ist der Mode unterworfen.“

Er beschließt, sich ein Wohnmobil zu kaufen, um während seiner Arbeit nicht der Zeit hinterherzulaufen, sondern auf sie warten zu können: „Das war ja nicht mehr zu ertragen, da möchte man morgens um 6 Uhr irgendwo fotografieren, steht im Stau, kommt erst um 10 nach 6 an und das erwartete Licht ist weg. Was macht man denn dann? Wieder hinfahren, nach Frankfurt oder Hamburg? Nein. Also übernachtet man dort nur für die 10 Minuten am nächsten Morgen. Mit dem Wohnmobil passiert einem das nicht.“

Die Inszenierung folgt einem natürlichen Gefühl

Bevor Rainer Mader beginnt, ein Gebäude zu fotografieren, gleicht er einem Wanderer, der sich ohne Karte in der Hand aufmacht, einen fremden Ort zu erforschen. Neben der Auseinandersetzung mit dem Bau, der städtebaulichen Einbindung sowie den Licht- und Wetterverhältnissen, nähert Mader sich der Architektur über das Denken in Bildern. Im Kopf komponiert er mit dem Wissen der technischen Möglichkeiten seiner Kamera Bildkonzepte, die in ihrem Ausdruck dem Geist der Architektur und der intellektuellen Idee des Architekten entsprechen sollen.

Dabei versteht sich Mader in erster Linie als Handwerker und nicht als Künstler. Sein Anliegen ist es, ein dokumentarisches Abbild zu schaffen, das seine Kraft durch sich selbst und nicht durch eine künstlerische Inszenierung erhält. Stilmittel wie die Blaue Stunde oder einen diesig neutralen Himmel setzt er unterstützend und nicht als Effekt ein.

Er versucht der Natur gegenüber kompromissbereit zu bleiben. Auch das Durchbrechen der Sonne nach einem Regenschauer oder ein dramatisches Wolkenbild am Himmel können eine Intention oder Anziehungskraft bieten und das Sehen konzentrieren. „Viele Leute denken ja immer, heute ist super Wetter, heute müssen wir fotografieren. Das ist Unsinn. Was will man denn da fotografieren? Die hellen Sachen fressen aus, das Mauerwerk bricht ab, die Schatten werden schwarz, das ist grauenhaft! So nimmt man ein Gebäude nie wahr, wenn man davor steht. Das Auge gleicht ja viel mehr aus.“

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Rainer Mader, Jahrgang 1954

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Musikgymnasium Weimar, Veröffentlichung in nationalen und internationalen Zeitschriften

Architekt: Thomas van den Valentyn, Köln

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Max Ernst Museum Brühl, Südansicht

Architekt: Thomas van den Valentyn, Köln

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Max Ernst Museum Brühl, Coverfoto für Buchveröffentlichung im Mai 2005

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Max Ernst Museum Brühl, Detail des Eingangspavillons

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Kommandantur/Bertelsmann AG, Unter den Linden Berlin, Wintergarten mit Blick auf die prominente Nachbarschaft – für Mader sein Top-Foto 2004

Architekt: Thomas van den Valentyn, Köln

3 Kommentare

Meine herzlichen Glueckwuensche zum Start der Architektur-Fotografie Plattform. Als Fortsetzung von Rainer Mader schlage ich die in Koeln arbeitende Architekturfotografin und Kuenstlerin Hildegard Weber vor.
Mit freundlichen Gruessen

Jan-Maurits Loecke
he.lo architects
London

auch ich gratuliere zu ihrer idee architekturfotografen zu porträtieren;
und möchte sie auf den glänzenden architekturfotografen Martin Claßen hinweisen.

mit freundlichen grüßen
axel hausberg

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