Bereits die Auftaktveranstaltung des Projekts lieferte eine überraschende Erkenntnis: 'Köln ist schöner, als es je war!'

Das findet zumindest Architekt Hans Schilling: er kennt die Stadt noch aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, für ihn „eine muffige Angelegenheit“, und beteiligte sich anschließend, nebst Kollegen wie etwa Wilhelm Riphahn, maßgeblich an der „edlen Aufgabe“ Wiederaufbau.

Deren Bau-Oeuvre aus den 1950er und 60er Jahren möchten die Initiatoren mit ihrem Projekt in den kommenden Monaten denn auch eingehend würdigen: „Liebe deine Stadt wird herausragende Gebäude, die das Antlitz der Stadt bis heute entscheidend charakterisieren, in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses stellen und den Versuch unternehmen, diese Bauwerke im Rahmen diverser Veranstaltungen erneut positiv aufzuladen. Ziel ist es, den Blick für die vorhandenen Qualitäten der Stadt Köln zu schärfen und so identitätsstiftend zu wirken.“

Kölsche Identität

Dabei könne von mangelnder Identität in dieser Stadt eigentlich nicht die Rede sein, so Jörg Leeser, Architekt und 1. Vorsitzender des Feder führenden Vereins.

Köln würde von seinen Bewohnern geliebt, wie sonst kaum eine Stadt – wegen seiner Stimmung, seines Charismas, seines rheinischen Katholizismus. Nicht aber wegen seiner Gebäude. Hier entwickele der Kölner einen gewissen Stolz höchstens bei den üblichen Verdächtigen: Dom, Romanische Kirchen, Museen. Die Entsorgung anderer „Perlen Kölner Baukultur“ wird recht leidenschaftslos hingenommen.

Jörg Leeser faßt das so zusammen: „Das Flüchtige, also die Atmosphäre, ist in dieser Stadt das Dauerhafte. Und das Dauerhafte, also das Gebaute, ist das Flüchtige.“

Deshalb werden die Vereinsmitglieder bis September 2006 ausgesuchte Gebäude der Zeit mit Orden und individueller Veranstaltung prämieren und so eine Verbindung mit dem kölschen Lebensgefühl herzustellen versuchen – beim Betrachten und Benutzen sollen Glücksgefühle geweckt und die oftmals verborgenen Werte dem Publikum wieder nahe gebracht werden.

Das Recht auf Neuausdenken

Nichts jedoch liegt den Initiatoren ferner, als das Bestehende bloß zu bewahren und „unser Dorf schöner zu machen“. Mit ihrem bürgerlichen Engagement möchten Sie vielmehr den Blick in die Zukunft öffnen – einem Ziel, dem sich Bernd Streitberger, Dezernent für Stadtentwicklung, Planung und Bauen, nur zaghaft anschloß.

Zwar seien die 50er-Jahre-Bauten bereits weitgehend akzeptiert. Die 60er-Jahre-Bauten jedoch ebenso oft spröde wie unpopulär und ihre Qualitäten der Bevölkerung noch nicht hinreichend bewußt. Man müsse mit dem Vorhandenen umgehen und es behutsam weiterentwickeln – denn das Neue sei nicht unbedingt das Bessere.

Leidenschaftlich trat Hans Schilling dafür ein, sich für das Weiterentwickeln, anders als nach dem Krieg, Zeit zu nehmen. Dies Aufforderung genug für den 1. Vorsitzenden, zum Abschluß des Abends darauf hinzuweisen, daß „Leidenschaft immer untrennbar mit der Liebe verbunden ist.“

In den kommenden Monaten wird sich herausstellen, wie leidenschaftlich die Kölner sind.

Ulrich Grützner

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Die monatlich vergebenen Preisschleifen in den Kölner Farben bilden einen Architektur-Parcours, durch den das Thema ‚Liebe deine Stadt‘ den Kölnern gegenwärtig bleiben wird.

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Initiator Merlin E. Bauer im Gespräch mit Hauptredner Hans Schilling.

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Die Preisträger werden von Albrecht Fuchs fotografisch portraitiert. Diese Aufnahmen werden Grundlage für eine anvisierte Plakatkampagne sein.

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