Sachwalter der Denkmäler

Ein Interview mit dem Kölner Stadtkonservator Dr. Ulrich Krings der sein Amt Ende April verlässt.

Nach 14 Jahren Amtszeit geht Dr. Ulrich Krings in den Ruhestand. Im koelnarchitektur.de-Interview blickt er zurück und nach vorne – auf seine Arbeit und die Denkmalpflege in Köln. Dr. Ute Chibidziura sprach mit ihm über den pfleglichen Umgang mit einem Denkmal, über Erfolge und Verlust und die Perspektiven des Ruhestandes.

In der Denkmalpflege sind die Glücksmomente nicht gerade dicht gesät, da die Interessen von Eigentümern und Nutzern mit denen der Denkmalpflege als gesetzlich bestellte Sachwalterin des Objekts gelegentlich kollidieren und dennoch in Einklang gebracht werden müssen. Was ist für Sie ein „idealer“ Denkmaleigentümer / -nutzer und welche Kombinationen halten Sie für problematisch?

In der Denkmalpflege kommt man mit einer Vielzahl von Eigentümern in Kontakt, die das gesamte Spektrum des menschlichen Lebens mit all seinen Varietäten widerspiegelt. Dies hat seine interessanten und positiven Seiten, aber auch seine Härten. Ideale Denkmaleigentümer sind für mich solche, die schon überzeugt sind bzw. sich überzeugen lassen, dass ihr Objekt als Kulturdenkmal Bedeutung hat und wichtig für die Geschichte der Stadt ist. Des weiteren zeichnet sie aus, dass ihr Streben nicht ausschließlich auf Gewinnmaximierung aus ist, sondern adaptierbar ist und sie unvoreingenommen und offen für Lösungen sind. Der gegenteilige Fall liegt vor, wenn Denkmaleigentümer beratungsresistent sind und mit einer vorgefassten, unflexiblen Meinung an das Objekt herangehen und die Eliminierung des Denkmals in Kauf nehmen. Anreiz zum pfleglichen Umgang mit dem Denkmal bietet die steuerliche Begünstigung für den Bürger, daneben gibt es teilweise auch die Möglichkeit der Einzelförderung.

Wenn Sie nun auf die vergangenen 14 Jahre an der Spitze des Kölner Amtes für Denkmalpflege zurückblicken: Was würden Sie als Ihren größten „Erfolg“ und Ihren größten „Misserfolg“ betrachten, und warum?

Als Erfolge werte ich die Rettung von Großbauten wie z.B. die Erhaltung und Umnutzung der Halle des Kölner Hauptbahnhofes, ferner den Erhalt und die Sanierung des Gürzenichs sowie die Sanierung des Historischen Rathauses und des Spanischen Baus. Erhalt und Sanierung sind unbedingt auch für das Opernensemble zu fordern!

Als klarer Misserfolg muss der Verlust des Stadthauskomplexes gewertet werden, dessen Erhalt innerhalb der Verwaltung nicht gelang. Gleichermaßen gravierend war der Verlust der Chemischen Fabrik Kalk (CFK), wo ursprünglich 9 historisch wertvolle Gebäude standen, die nach und nach gegen den Widerstand der Denkmalpflege geopfert wurden. Als letztes fiel die Düngemittelhalle, so dass heute lediglich der Wasserturm von der industriellen Bedeutung und Nutzung des Areals zeugt. Dabei zeigen ähnlich geartete Gelände wie z.B. von Vulkan in Ehrenfeld oder jenes an der Schanzenstraße in Mülheim, was möglich ist, wenn man sich auf die Objekte einlässt; nicht zuletzt, dass der besondere Charakter sogar ein Vermarktungsplus darstellt.

Derzeit erhitzt die Diskussion um das Opernensemble und die Frage nach dessen Zukunft die Gemüter. Worin sehen Sie die Denkmalwürdigkeit des Objektes bzw. des Ensembles? Wie könnte die Zukunft des Ensembles und des Platzes aus Denkmalpfleger-Sicht aussehen?

Der aus Oper, Schauspielhaus und Opernterrassen bestehende Komplex gehört mitsamt der Platzanlage schon aus kulturpolitischer Sicht und Tradition erhalten und saniert. Es wäre der viertgrößten Stadt Deutschlands mehr als unwürdig, wenn sie ihren neuerdings wieder als Dreispartenhaus geführten Bühnenkomplex aufgäbe. Grundsätzlich ist zu fordern, dass die Bauten unbedingt in ihrer Funktion als Spielstätten – allen voran der überaus qualitätvolle Zuschauerraum der Oper – erhalten bleiben, da ihr Denkmalwert in direktem Zusammenhang mit der architektonischen Umsetzung der Aufgabenstellung steht. Außerdem ist das Bauensemble am Offenbachplatz das bedeutendste Nachkriegsensemble Kölns, das nach dem Dom über das zweitgrößte Volumen in der Innenstadt verfügt und zusammen mit den Museen gleichsam als kulturelles – weltliches – Gegenstück zur Kathedrale errichtet wurde. Übrigens: 1956-58 wurde schon einmal ein Opernhaus in Köln abgerissen!

Das zweite aktuell wichtige Thema ist das der Höhenentwicklung in der linksrheinischen Innenstadt – einmal mehr im Kontext mit der angedrohten Aberkennung des Weltkulturerbe-Status’ für den Dom. Hierbei handelt es sich freilich weniger um die „klassische Denkmalpflege“, die mit dem Einzelobjekt umgeht, sondern um „städtebauliche Denkmalpflege“, die z.B. die Umgebung der romanischen Kirchen im Blick hat: Weshalb ist die städtebauliche Denkmalpflege verstärkt nötig bzw. wie kann dieses wichtige Aufgabenfeld der Denkmalpflege in der Kölner Stadtentwicklung stärkeres Gewicht erhalten?

Im Rahmen der Planungshoheit der Stadt Köln ist eine bekömmliche Höhenmarke zu ermitteln und festzulegen, um den Charakter der Kölner Innenstadt mit Ihrem Relief zu erhalten. D.h. auch langfristig dafür zu sorgen, dass ein niedriges Häusermeer die Basis für die wichtigen Sakral- und Profanbauten bildet, von dem sie sich abheben. Als bekömmliche Höhe sieht die Denkmalpflege 6 Geschosse an, was einer maximalen Höhe von 20m entspricht. Dies bedeutet keineswegs, dass eine „Käseglocke“ über die Innenstadt gestülpt wird, sondern vielmehr, dass eine Erneuerung innerhalb der vorhandenen Kubatur unproblematisch ist, solange Qualitätsmaßstäbe eingehalten werden, die die wichtigen Denkmäler berücksichtigen.

Was sind die nächsten Herausforderungen für die Kölner Denkmalpflege und wo liegen mögliche Fallstricke? Was wünschen Sie Ihrem oder Ihrer Nachfolger/in bzw. was möchten Sie ihr/ihm auf den Weg geben?

In Bezug auf die Ausstattung des Amtes ist die Bewahrung des Standards in personeller, qualitativer und finanzieller Hinsicht zu fordern, um auch weiterhin eine qualifizierte Beratung zu ermöglichen. Bezogen auf die Sachthemen wird neben dem Höhenkonzept die Bewahrung der Kleinparzellenstruktur in der gesamten Altstadt eine wichtige Aufgabe sein. Hier denke ich vor allem an das Martinsviertel, das als Essenz der mittelalterlichen Stadt in den 1930er saniert und in den 1950er Jahren wiederaufgebaut wurde. Dieser im Moment etwas vernachlässigte Bereich ist nicht nur ein qualitätvolles Stück Innenstadt, sondern auch ein gutes Beispiel der Stadtreparatur, das als Ergebnis einer Verschränkung von eher konservativen Architekturströmungen der 1930er/50er Jahre und Vorgaben der Denkmalpflege entstand. Gerade der Wiederaufbau der Platzwände an Heumarkt und Altermarkt ist ein gutes Beispiel für das konstruktive Zusammenwirken von Stadtplanung, Bauaufsicht und Denkmalpflege. Des weiteren wird die Sanierung und Wiederherstellung des Heumarkt-Denkmals eine wichtige Aufgabe sein. Als drittes wäre die dauerhafte Beschäftigung mit dem Rheinpanorama notwendig, für das sichergestellt werden muss, dass die schon passierten „Sündenfälle“ an der rechtsrheinischen Uferkante nicht fortgesetzt werden. Weiterhin und verstärkt noch wird man die Umgebung der romanischen Kirchen im Auge behalten müssen, in deren Umfeld es massiv rumort.

Wenn Sie nun im Ruhestand sind, werden Sie den Kölner Denkmalen weiter verbunden sein? Was werden Sie in der nächsten Zeit tun?

Zunächst habe ich mir vorgenommen, den schon lange angekündigten Band 2 aus der Reihe der Kölner Stadtspuren-Bände über die Zerstörung und die Wiederherstellung der romanischen Kirchen zu Ende zu bringen. Dies geschieht zusammen mit Dr. Otmar Schwab, der als Statiker an vielen dieser Wiederbaumaßnahmen beteiligt war. Ein weiterer Themenblock für die wissenschaftliche Auseinandersetzung in nächster Zeit wird die „Wiederaufbauzeit“ sein. Darüber hinaus freue ich mich über ein Plus an Freizeit, das mir schon lange ins Auge gefasste Reisen ermöglicht.

[b]Lesen Sie im zweiten Teil des Interviews über:[/b]

Bild Krings klein

Der Kölner Stadtkonservator Dr. Ulrich Krings

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