Die Stadt im Film

Symposium und Verleihung des Drehbuchpreises ‚KölnFilm 2005‘

Veranstalter: Filminitiativ Köln e.V. und die Imhoff Stiftung

Nicht stadt- sondern regionenspezifisch soll es in den WDR-Filmen und -serien zugehen, sagte die Redakteurin Dr. Sabine Buhl. Mit Drehbuchautoren, Regisseuren, einem Produzenten und einer Dokumentarfilmerin besetzte sie das Podium des Symposiums „Die Stadt im Film“. Das habe man zunächst auch bei den Anrheinern so versucht und den Dom gezielt ausgespart, erfuhr man im Verlauf der knapp dreistündigen Veranstaltung. Seit dem jedoch das Anrheiner-Veedel deutlich in Köln verortet ist, erfreut sich die Serie merklich höherer Einschaltquoten. Dennoch betonte die WDR-Redakteurin mehrfach, dass „Köln zu zeigen oder in Köln zu spielen für eine Geschichte noch keinen Wert an sich darstellt“.

Eine packende Handlung werde nicht durch eine konkrete Stadt sondern eher durch ein bestimmtes Milieu geprägt. Diese Ansicht vertrat Thomas Bauermeister, Professor für Drehbuch und Dramaturgie an der Kunsthochschule für Medien. Sein Kollege von der Internationalen Filmschule Köln, Peter Henning, spitzte es sogar ganz auf den Charakter des Helden zu. Dennoch, da waren sich beide einig, fließe auch die Topografie oder das Fluidum des Spielortes ein.

Der Kölner Identität auf der Spur

Doch was heißt das für Köln, wenn man einmal von den notwendigen Blicken auf den Dom absieht? Es sind nicht die Romanischen Kirchen, die das Kölner Leben prägen, nicht Colonius, Coloneum oder Colonnaden. Es sind die Büdchen, die für Köln ungeheuer typisch sind, findet Professor Hennig. Außerdem feiert man in der Stadt gern, weswegen die Kölner als lustig gelten, und so nutzt man das Pflaster vor allem komödiantisch.

Der Begriff „Heimat“ wurde von der Dokumentarfilmerin Bettina Braun eingebracht. Sie beobachtet, dass das Gefühl der Verbundenheit bei den Kölnern unabhängig von ihrer ethnischen Herkunft sehr stark ist. Und man ahnt, auch anhand ihres Filmbeispiels aus „Was lebst Du?“, wie nah die vielgepriesene kölnische Weltoffenheit und tiefster Provinzialismus beieinander liegen.

Großstadtgeschichten

Über das, was denn nun die „kölsche Heimat“ ausmacht, wurde heftig sinniert. Da kamen die kulinarischen Klassiker in Form von „Kölsche Kaviar“ und „Halven Hahn“ in einem Tatort-Ausschnitt und der „Rievkooche“ als Pizza Colonia aus dem Jahr 1991 auf den Tisch. Verbindend sei vor allem die Sprache, findet Anrheiner-Schauspielerin Samy Orfgen und berichtete, wie Willy Millowitsch ihr bei der ersten Begegnung im Theater, die kölsche Mundart zugunsten des WDR-kompatiblen Rheinischen Dialektes abgewöhnt hat. Das, was die Stadt jenseits von Brauhaus, Klüngel und Karneval prägt, findet sich in kaum einem Film. Die Kunst- und Galerienszene nicht und auch nicht die Musikstadt.

Die typischen Konflikte der Moderne handeln vom Verhältnis Individuum und Masse und sie sind deshalb in unseren Metropolen verortet. Dass aber Köln eher durch Intimität denn durch Anonymität geprägt ist, macht es schwer bis unmöglich, eine bestimmte Art von Großstadtgeschichten zu erzählen, führte Bauermeister aus. Daraus das Filmthema „Intimität als Bedrohung“ abzuleiten, war eine der Anregungen, die die Diskussion im Cinenova gab..

Verleihung des Drehbuchpreises

Der im Anschluss an das Symposium verliehene Drehbuchpreis „KölnFilm 2005“ ging an Markus Mischkowski und Kai-Maria Steinkühler, die durch ihren Debütfilm „Westend“ als Drehbuchautoren und Realisatoren nicht ganz unbeschrieben sind. Ihr prämierter Entwurf „Southern Comfort“ erzählt die Geschichte eines Pärchens vom Typ grün-wählender, ganzheitlicher Südstadtbewohner, die über ihre Kinder mit den verlorenen oder überlebten Idealen ihrer Jugend konfrontiert werden. Eine Komodie, in der natürlich das burleske Element – die patente kölsche Putzfrau – auch nicht fehlen darf. Eine besondere Belobigung erhielt die Geschichte von Heinz Cadera, die ein Kinderschicksal im kriegszerstörten Köln zum Thema hat. Wenigstens durch eine besondere Belobigung hat sich diese feinsinnige und anrührende Geschichte, die ganz ohne Comedy-Elemente auskommt, behauptet.

Petra Metzger

Symposium Filmort

Am 21. April 2005 trafen sich im Cinenova Film- und Fernsehprofis zum Thema Köln im Film.

filmort60Jahre

Mehr Köln im Film bietet das Kölner Filmhaus und Filminitiativ Köln e.V.

05. bis 07. Mai 2005

Schreibe einen Kommentar