Mut zur Lücke …

… hatten die 438 Teilnehmer des Baulücken-Wettbewerbs der Architektenkammer NRW.

Als zweite Phase des Projekts „1.000 Baulücken in NRW“ waren die ganz normalen städtischen Bewohner im vergangenen Jahr dazu aufgefordert worden, Vorschläge für eine bessere Nutzung vorgegebener „unbebauter oder unzulänglich bebauter Flächen zwischen bebauten Grundstücken“ in Aachen, Köln, Duisburg, Essen und Dortmund zu machen. Die Kölner Lücke am Wallrafplatz 6-8 fand dabei im Rahmen des Ideenwettbewerbs „pro Stadt – contra Lücke“ das kreative Interesse von 90 Architekten, Künstlern, Designern, Softwareentwicklern, Geografen, Studenten, Schülern und Hausfrauen.

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Die Jury, auf der Suche nach einer „eigenwilligen, auch temporären“ Lösung für das zwei Parteien gehörende, inmitten eines archäologischen Fundgebiets gelegene Grundstück, sprach den mit 1.001 € dotierten Hauptgewinn dem Informatiker Roger Kalden aus Aachen für sein Projekt „Auflösung in Köln“ zu: „Die Arbeit löst mit einer temporären Lichtinstallation das Problem der unansehnlichen Lücke. Eine Umsetzung könnte kurzfristig mit überschaubarem Aufwand erfolgen. Dieser Ansatz kann symbolisch für eine temporäre Lösung vieler städtebaulich defizitärer Teilbereiche gelten. Insofern hat die Arbeit einen beispielhaften Aussagewert, zumal mit der Realisierung einer baulichen Lückenschließung dieses mediale Thema nicht verloren gehen muß, sondern sich dann entsprechend der architektonischen Lösung variieren läßt. Das Thema paßt darüber hinaus zur Medienstadt Köln und zum Westdeutschen Rundfunk, dem wichtigsten Medienträger Kölns.“

Um nicht nur den wenigen künstlerischen Vorschlägen einen Preis zuzuerkennen, errang Ingenieur Markus Gehrs aus Kiel für seinen konkret-baulichen Entwurf „Grünes Kaufhaus Köln“ nebst 500 € den zweiten Platz: „Die Arbeit zeigt mit einem ökologischen Ansatz eine lebendige, differenzierte Schließung der Baulücke mit einem für den Ort realistisch möglichen Programm. Dabei würde mit einer jahreszeitabhängigen Gestaltung der Fassade eine Besonderheit innerhalb des gebauten Gesamtstadtbildes entstehen, die sowohl auf vorhandene Defizite als auch auf allgemeine Zielsetzungen in der Planung hinweisen könnte.“

Künstlerisch-temporär hingegen wieder Rang drei (300 €) von Architekt Prof. E. Adrian Adrianowytsch aus Karlsruhe: „Mit dem Baulückendrücker wird symbolhaft und sehr originell auf städtebauliche Defizite hingewiesen. Diese künstlerisch gelungene und durchaus mit Humor versehene Lösung kann als symbolhafter Hinweis auf eine möglichst baldige Schließung der Lücke verstanden werden. Die Lösung hat temporären Charakter und soll weitere Schritte initiieren.“

„Baulücken brauchen Intelligenz“

Weniger die Ergebnisse des Ideenwettbewerbs, als vielmehr das Anstoßen von Diskussionen stehen nun im Mittelpunkt von Phase 3 des 1.000-Baulücken-Projekts: parallel zur Ausstellung der Kölner Lückenvorschläge traf man sich in der vergangenen Woche im Museum für Angewandte Kunst, um „StadtBauKultur – Perspektiven für eine schönere Stadt“ zu erörtern.

Dabei wurde deutlich, wie groß zwar das städtebauliche Potenzial der oft als Parkplatz oder Imbißbude getarnten Baulücken ist, wie schwer sich aber auch die Umsetzung von Nutzungsideen gestaltet. So behindern nicht nur schwierige Besitzverhältnisse und komplexe statische Gegebenheiten eine schnelle Verwirklichung. Auch der vom Baurecht geforderte Nachweis von Abstandsflächen und Stellplätzen läßt sich nur schwer erfüllen, das Einfügungsgebot wird zum Hemmschuh für eine temporäre, mancherorts vielleicht sinnvolle Mindernutzung.

Für viele Bauträger jedoch liegt gerade in den äußeren Zwängen die Attraktivität der Baulücke: in Zeiten schrumpfender Städte werden Objekte mit einem individuellen und anspruchsvollen architektonischen Konzept stärker nachgefragt – und sind somit Gewinn bringender zu vermarkten.

Ulrich Grützner

Lücken 6

Die Kölner Baulücke soll Menschen zum Nachdenken über die Qualität der Kölner City bewegen.

Lücken 2

1. Preis: ‚Auflösung in Köln‘

Lücken 3

2. Preis: ‚Grünes Kaufhaus Köln‘

Lücken 4

3. Preis: ‚Baulückendrücker‘

Lücken 5

4. Preis: ‚1.000 Rosen – ein Rosengarten‘

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