plan04: Licht, Luft und Grün – Riphahns Erbe

Die Siedlungsbauten von Wilhelm Riphahn und Caspar Maria Grod in einer Bild- und Tondokumentation des Historischen Archivs der Stadt Köln.

Fernsehgucken im Stadtarchiv

Der gemeinnützige Wohnungsbau im Köln der 1920er Jahre steht im Zentrum der Bilddokumentation sowie der Statements von Experten unterschiedlichster Disziplinen.

Architekten, Historiker, Designer, Kunstgeschichtler nehmen Stellung zum Werk der beiden Protagonisten Wilhelm Riphahn und Caspar Maria Grod, die ihrem Selbstverständnis nach nicht nur Architekten sondern auch Sozialreformer waren.

Werkswohnungen bedeuteten doppelte Abhängigkeit vom Arbeitgeber, erklärt Werner Heinen von der GAG. Eine Genossenschaftswohnung aber sicherte das Mietverhältnis auch für den Fall der Arbeitslosigkeit. Allein das bedeutet eine soziale Errungenschaft.

Dirk Backes betrachtet die Siedlungen kunsthistorisch und hebt die Kooperation mit Kölner Malern, allen voran Heinrich Hoerle, als eine Besonderheit hervor. Sie befassten sich mit der farblichen Gestaltung, entwarfen Wandbilder und Möbel für die Räume, die Riphahn und Grod bauten. Der Designfachmann Holger Fritzlar wiederum unterzieht die Straßenfluchten der Siedlungen einer semiotischen Untersuchung. Das Ornament strukturiert; wo kein Ornament – da keine Orientierung, denn es fehlt der Maßstab für Nähe und Ferne, so lautet sein Fazit.

Doch es geht nicht allein um Geschichte, denn auch die Frage, wie man heute mit dem Erbe umgeht, wird beleuchtet. Der nachhaltigen Qualität von Siedlungen wie der „Blaue Hof“ oder die „weiße Stadt“ spürt die Professorin Ursula Tischler nach, die Riphahns Nutzerorientierung als seine besondere Qualität würdigt.

Während Architekt Simon Humbacher meint, Riphahn habe die Typologie des bürgerlichen Wohnens gewissermaßen für den „kleinen Mann“ adaptiert, betont Architekturvermittler Andreas Ruby den „egalitären Impuls“, der hinter den für damalige Verhältnisse sehr fortschrittlichen Siedlungsbauten stand. Den heutigen Ansprüchen an einen individualisierten Lebensstil werden sie allerdings nicht mehr gerecht.

„Das einzige, was im Moment für eine solche Siedlungswohnung spricht, ist: sie ist billig“ – sagt Ruby. Um zu verhindern, dass ganze Straßenzüge zum „Abstellgleis für sozial Unterprivilegierte“ werden, schlägt der Architekturvermittler vor, die unzeitgemäße Monokultur reiner Wohnsiedlungen aufzubrechen und die Bereiche Arbeit und Kultur zu integrieren. Warum nicht in einem Riegel wohnen und im nächsten sein Büro haben? Für ihn hieße genau das, an Riphahns und Grods Ideen anzuknüpfen und den Gedanken der Moderne weiter zu denken.

Petra Metzger

plan04: Stadtarchiv

Bilder aus dem Rheinischen Bildarchiv zeigen Siedlungsbauten der 20er Jahre zeitgenössischen Aufnahmen.

1 Kommentar

Ich bin eine Enkelin von Herrn Grod und würde gerne erfahren, wie ich an persönliche Unterlagen über meinen Großvater kommen könnte. Ich wäre Ihnen für Ihre Hilfe bzw. eine Hinweis sehr dankbar.
Mit freundlichem Gruß
G.Rump

Schreibe einen Kommentar