Am 11. September 2004 findet zum zwölften Mal in Köln der Tag des offenen Denkmals statt.

Insgesamt umfasst das vom Stadtkonservator organisierte und koordinierte Programm des Tags des offenen Denkmals 99 Punkte und ist damit so umfangreich wie noch nie.

Der zwölfte Tag des offenen Denkmals in Köln legt den Schwerpunkt auf das Thema Wasser. Ob als Durst- oder Feuerlöscher, als Transport- oder Handelsweg, als Energielieferant oder Wasserspiel, in religiöser oder weltlicher Funktion – Wasser spielt in unserem täglichen Leben und unserer Umwelt eine zentrale Rolle. Gut ein Drittel der insgesamt 99 Führungen und Rundgänge geht den verschiedenen Erscheinungsformen und Bedeutungen des Wassers in Köln nach.

Baudenkmale ganz unterschiedlicher Art geben einen Einblick in die historische Entwicklung der Wasserversorgung. Der Schlammfang in Sülz, der im ersten nachchristlichen Jahrhundert als Teil der römischen Wasserleitung erbaut wurde, steht stellvertretend für die herausragende ingenieurtechnische Leistung der Römer, die ihr Frischwasser aus der Eifel und dem Vorgebirge bezogen. Bis ins 19. Jahrhundert existierte kein vergleichbares Wasserversorgungssystem in Köln. Brunnen und Pumpen lieferten hygienisch nicht immer einwandfreies Wasser. Der 1868-72 nach Plänen des englischen Ingenieurs John Moore errichtete Wasserturm in der Kaygasse und das 1904 in Westhoven erbaute Wasserwerk markieren Beginn und Ausbau des ersten kommunalen Wasserversorgungssystems Kölns, das schließ-lich jedem Haushalt einen eigenen Wasser-anschluss bescherte.

Der Zusammenhang von Wasser und Hygiene lässt sich auch andernorts nachvollziehen. Das 1911/12 als Vollbadeanstalt errichtete Neptunbad in Ehrenfeld erinnert an Zeiten, da ein Großteil der Bevölkerung über keine ausreichenden sanitären Anlagen verfügte. Badean-stalten, die mit Wannen-, Brause- und Schwitzbädern ausgestattet waren, sollten vor allem auch der Körperpflege dienen. Der heute im Vordergrund stehende

„Spaßfaktor“ war nebensächlich. Das ehemals städtische Neptunbad wurde mittlerweile aufgrund mangelnder Rentabilität privatisiert und nach einfühlsamer Sanierung einer neuen Nutzung als Fitnesscenter zugeführt.

Die zentrale Bedeutung des Rheins für die Stadt Köln wird am Tag des offenen Denkmals aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet. Die städtebaulichen Entwicklungen der Rheinvorstadt (Martinsviertel) wie auch des ehem. Fischerdorfes Zündorf werden anhand erhaltener Baudenkmale ebenso erläutert wie die Bedeutung des Rheins als Handels- und Transportweg. Von letzterem zeugen noch die ab 1892 im Zuge des Ausbaus des Rheinauhafens errichteten historischen Gebäude (u.a. Krafthaus, Hafenamt, Hauptzoll- und Haupt-steueramt), wenngleich diese längst neue Nutzungen erhalten haben.

Eine in dem als „Siebengebirge“ bekannten ehemaligen Speichergebäude der Agrippinawerft zu besichtigende Musterwohnung gibt einen Vorgeschmack auf das derzeit neu entstehende Hafenviertel. Das 1909 errich-tete Baudenkmal wird in Abstimmung mit der städtischen Denkmalpflege saniert und umgebaut.

Doch nicht nur der Rhein spielte als Siedlungsfaktor im Gebiet der heutigen Stadt Köln eine Rolle. Ein Rundgang durch Nippes spürt einem seit 100 Jahren aus dem Stadt-bild verschwundenen Gewässer nach, an dessen Ufern die Besiedlung des jetzigen Stadtteils begann. Die einstige Bedeutung der Strunde für die rechtsrheinische Landschaft lassen einige erhaltene Mühlen und Herrensitze noch erahnen, die zugleich auf zwei weitere Nutzungsmöglichkeiten des Wasser hinweisen: als Antriebskraft und Schutzstreifen.

Den vielen profanen Nutzungen des Wassers stehen seine religiösen und symbolhaften Bedeutungen gegenüber. Der Besuch der Mikwe, des Ritualbades der mittelalterlichen Judengemeinde, informiert über die symbolhaft reinigende Kraft des Wassers im jüdischen Glauben. Beim Besuch verschiedener Tauforte wird der Symbolik von Taufkapellen und Taufsteinen im Christentum nachgegangen und das Sakrament der Taufe näher erläutert.

Viele weitere Baudenkmale und thematische Rundgänge werden am Tag des offenen Denkmals einen Bezug zum Wasser erkennen lassen: Brücken, Brunnen, Grünanlagen, Brauereigebäude und auch eine Feuerwache …

Der Tag des offenen Denkmals des Jahres 2004 findet in Köln abweichend vom bundesweiten Termin, dem zweiten Sonntag im September, bereits am Samstag, dem 11. September statt. Grund für die Vorverlegung des Denkmaltages ist die Terminüberschneidung mit dem Köln-Marathon. Für alle Denkmalinteressierten bietet sich damit in diesem Jahr die Gelegenheit, an zwei aufeinanderfolgenden Tagen Denkmalpflege „live“ erleben zu können: am Samstag in Köln, am Sonntag im Kölner Umland, der Region sowie im übrigen Bundesgebiet.

Über das Programm des am 12. September deutschlandweit begangenen Denkmaltages informiert die Deutsche Stiftung Denkmalschutz

Die Durchführung des Tags des offenen Denkmals in Köln wird wie bereits in den vergangenen Jahren durch die großzügige finanzielle Unterstützung der Stadtsparkasse Köln und der Friedrich Carl Heimann Gesellschaft ermöglicht.

Das ausführliche Programmheft wird ab Ende August im Stadthaus Deutz, im Bürgerladen, in den Bürgerämtern der neun Stadtbezirke, in den städtischen Museen und bei KölnTourismus kostenlos erhältlich sein.

Hier finden Sie das aktuelle Programm inklusive einer pdf-Version des Programmheftes.

Kontakt

Katharina Zander

Stadtkonservator

Willy-Brandt Platz 2 (Stadthaus)

50679 Köln

T. 0221/221-27716

katharina.zander@stadt-koeln.de

Katharina Zander
Stadtkonservator

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Museum Zündorfer Wehrturm

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Wasserwerk Westhoven

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Neptunbad in Ehrenfeld

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Hotel Hilten, Innenstadt

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Ehemalige Feuerwache in der Vondelstraße

tdod04 brunnen

Fastnachtbrunnen am Gülichplatz

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Eine Reaktion auf “Tag des offenen Denkmals”

  1. Ute Chibidziura

    Dickes Lob für das vielfältige Programm und die gute Organisation

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