„spezifischen Objekte“

Donald Judd Retrospektive in der Kunstsammlung NRW – Düsseldorf

10 Jahre nach dem Tod Donald Judds zeigt die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen 40 seiner Objekte, die an der Grenze zwischen Malerei und Skulptur angesiedelt sind. Die Ausstellung ermöglicht einen Überblick über Judds Arbeitsprozess der Jahre 1961 bis 1993 und gibt damit Einblicke in das Werk eines der wichtigsten amerikanischen Künstler, der die Entwicklung dreidimensionaler Kunst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sowohl visuell als auch konzeptuell maßgeblich bestimmt hat.

Die Ausstellung spannt einen Bogen von den frühen Gemälden und den handgefertigten Werken über die „spezifischen Objekte“, die kubischen Boden- und Wandarbeiten aus industriellen Materialien bis zu den gestapelten und gereihten Werken aus verschraubtem Stahl. Sie macht das komplexe Zusammenspiel von Volumen, Material, Farbe und Licht anschaulich, das Judds kubisch geometrischen, Objekten innewohnt.

Judd, 1928 in Missouri geboren, arbeitete schon früh gegen die europäische Tradition der Malerei, die auf dem flachen Bildträger räumliche Tiefe vorzutäuschen suchte, wo bereits zwei kontrastierende Farben fast automatisch eine räumliche Wirkung erzeugen. Bereits 1961 begann Judd dreidimensionale Objekte, wie z.B. Aluminiumbackformen in seine Bilder einzubauen, um statt einer vorgetäuschten eine wirkliche räumliche Tiefe zu schaffen. Seine Arbeiten, die er als Hochreliefs bezeichnete sprangen in der Folgezeit immer weiter von der Wand vor, bis sie sich ganz von ihr lösten.

Mitte der sechziger Jahre entwickelte er die erste freistehende Bodenskulptur und variierte sie in Material und Farbe: Farbiges Plexiglas umgeben von immer neuen Kombinationen aus Aluminium, Stahl, Messing, Kupfer oder Sperrholz. Die Farben wirken je nach Materialwahl und des Lichteinfalls ganz unterschiedlich: Matt im Sperrholz, glänzend spiegelnd in Alu oder feurig spiegelnd in einer Kupferkiste mit kadmiumrotem Lack.

zeitlebens wehrte sich Judd, im Zusammenhang mit seiner Arbeit, gegen die Einordnung zum Begriff Minimalismus. Er, der sein Werk als „einfachen Ausdruck komplexen Denkens“ bezeichnete, hinterlies Objekte mit einem vielschichtigen Beziehungsgeflecht zwischen Farbe, Material und Raum, deren formale Strenge und Klarheit der Konzeption ausschließlich auf Maßstab und Proportion ausgerichtet ist.

Auch als Architekt war Judd in vielfältiger Weise tätig. Besonders der Um- und Weiterbau als architektonisches Konzept interessierte ihn. So z.B. an den Gebäuden seiner Ranch in Texas oder bei einem ehemaligen Hotel am Vierwaldstädter See. Architektonische Maßnahmen, die sich durch wenige präzise Eingriffe auszeichnen.

Leider sind in der Düsseldorfer Ausstellung diese Arbeiten, sowie die zahlreichen Möbel, die er bereits Ende der 50er Jahre in direkter Beziehung zum umgebenden Raum entwarf, nicht dargestellt und damit die Vielfalt seines Oeuvres ausgeblendet. So kann nicht im eigentlichen Sinne von einer Retrospektive gesprochen werden.

Insgesamt kommt die Ausstellung ein wenig lieblos daher, besondern die Präsentation der Frühwerke im Erdgeschoss ist gründlich fehlgeschlagen. Die Arbeiten wirken additiv und abgestellt. Werke, die Kontext des privaten Raumes oder in Industriehallen experimentell und wegweisend wirken, entfalten sich in der sterilen Museumsatmosphäre seltsam artig und dekorativ. Besonders willkürlich die Präsentation von fünf Stahlboxen aus einer Arbeit, die eigentlich aus sechs Objekten besteht.

Umfassend dagegen der detaillierte Katalog mit vielen Farbfotos, auch von Architektur und Möbelbeispielen und Aufsätzen von Serota, Fuchs und Batchelor.

Zusammengestellt wurde die Ausstellung von Sir Nicholas Serota, Direktor der Tate Gallery, London, sowie Marianne Stockebrand, Direktorin der Chinati Foundation, Marfa, Texas für die Londoner Tate Modern. Nach der Düsseldorfer Zwischenstation wird sie nach Basel weiterwandern.

In Düsseldorf wird die Ausstellung noch bis zum 5. August zu sehen sein.

Barbara Schlei
Redaktion

donaldjudd 0

Ohne Titel, 1989-90

Einbrennlackiertes Aluminium und galvanisiertes Eisen, 150 x 750 x 165 cm

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