Skulpturenpark Waldfrieden. Skulptur von Tony Cragg "Caldera" (2009) (c) Süleyman Kayaalp

Der perfekte Dreiklang

So kurz vor den Sommerferien gibt es mal wieder Heimaturlaub – einen Ausflugstipp zu einem architekturaffinen Ort in der Region.

Zwar lohnt der Skulpturenpark Waldfrieden in Wuppertal zu jeder Jahreszeit die halbstündige Fahrt von Köln, doch weil es im Bergischen gerne einmal hartnäckig trüb und feucht bleibt, ist ein Besuch im Sommer zu empfehlen, wenn die Wahrscheinlichkeit einen schönen Tag zu erwischen am größten ist.

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Jaume Plensa: Mariana W’s World (2012) Marmor Foto: Robert Winterhager

 

Architektur und Natur

Der 1949 in Liverpool geborere Bildhauer Tony Cragg zog Ende der 70er Jahre nach Wuppertal. Auf der Suche nach einem Gelände, wo er seine Skulpturen dauerhaft ausstellen könnte, entdeckte er das verlassene Anwesen um die Villa Waldfrieden. Gebäude und Parkanlage, wie Cragg 2006 sie vorfand, wurden zwischen 1947-1950 von dem Künstler und Architekten Franz Krause (1897-1997) für den Lackfabrikanten Kurt Herberts (1901-89) errichtet. Herberts hatte Krause mit dem Wiederaufbau seines im Krieg zerstörten Hauses beauftragt, ließ ihm aber bei der Gestaltung freie Hand.

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Villa Waldfrieden Architekt Franz Krause, BJ. 1947-50 Foto: Robert Winterhager

 

Krause wollte „nicht Raumkuben aneineander reihen, sondern Kraflinien bilden“. So entwickelte er einen zweigeschossigen Bau mit organischem Grundriss, dessen Form im Inneren von der menschlichen Bewegung und dem Einfall des Tageslichts bestimmt wurde, und dessen äußere Erscheinung als Reaktion auf den natürlich an gelegten Park und die Modulation des Geländes zu betrachten ist. Zählt man das Kellergeschoss mit sind hier 30 Räume mit vollkommen individuellem Zuschnitt zu finden. Krause entwarf Einbauschränke, die den Kurven der Wände folgten und ließ sie aus Zitonen- und Bambusholz anfertigen. Ungewöhnlich für die frühen Fünziger Jahre und unerwartet an diesem Ort, klingt hier noch einmal Mendelsohn an, doch das Anwesen, in dem „Mensch und Haus gleichsam zu einer Einheit verschmelzen“, wie Herberts es beobachtet hatte, bot genau jene Qualitäten, die Cragg gesucht hatte. Sehr einfühlsam hat er die denkmalschützte Villa und den Park saniert und neu interpretiert, so dass der von Franz Krause inszenierte Dialog von Architektur und Natur bis heute durchaus vernehmbar ist. Das historische Wegenetz, das durch Wiesen, Mischwald und Gehölze führt, wurde für die neue Nutzung des Parks übernommen und weiter ausgebaut, um die Standorte der zahlreichen Plastiken zu erschließen.

Ausstellungspavillon im Skulpturenpark Waldfrieden (Architekt: Rudolph Hoppe, Wuppertal) Hier finden Wechselausstellungen statt – bisher eine Vielzahl bedeutender Bildhauer, wie Eduardo Chillida, Mario Merz, Richard Lon, Jan Fabre, Richard Chamberlain, Jaume Plensa u.v.a. Foto: Robert Winterhager

 

Architektur und Natur und Kunst

2008 eröffnete die Cragg Foundation den Skulpturenpark Waldfrieden mit einer stetig erweiterten Sammlung, die neben Werken von Tony Cragg auch über Dauerleihgaben von Richard Deacon, Thomas Schütte, Wilhelm Mundt, Norbert Kricke, Bogomir Ecker und anderen verfügt und damit ein breites Spektrum bedeutender Positionen der Moderne und der Gegenwart zeigt. Neben den prächtigen historischen Laubbäumen und Gehölzen – heimischen Arten aber auch Exoten – macht die bewegte Topografie des Geländes den Spaziergang durch den Skulpturenpark zu einem besonderen Erlebnis. Die Plastiken fügen sich hier wunderbar ein, können jeden Tag und jedes Jahr weitaus mehr Facetten zeigen, als in einem immer gleichen klinischen Ausstellungsraum.

 

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Tony Cragg: Distant Cousin,( 2006) Edelstahl Foto: Robert Winterhager

 

Die Villa, die immer noch das Herzstück der Parkanlage ist, beherbergt heue das Archiv und die Verwaltung der Cragg Foundation. Leider ist sie nicht öffentlich zugänglich, kann jedoch für spezielle Anlässe angemietet werden.

Mit zwei Neubauten des Wuppertaler Architekten Rudolph Hoppe wurde der Skulpurenpark um einen gläsernen Ausstellungspavillon und ein Eingangsgebäude für nicht wetterfeste Skulpturen erweitert, die auch für Konzerte und Vorträge genutzt werden.

Außer seiner ständigen Sammlung präsentiert der Skulpturenpark Wechselausstellungen, die das künstlerische Spektrum erheblich erweitern. Derzeit sind bis bis zum 28. September Maschinenskulpturen von Gereon Lepper unter dem Titel Roaring Forties und vom 12. Juli  bis 12. Oktober 2014 Skulpturen von Stephan Balkenhol zu sehen.

 

Zur homepage des Skulpturenparks Waldfrieden

 

Kaffee und selbstgebackenen Kuchen aber auch leckere warme Gerichte bietet das Café Podest an, das direkt am Eingang zum Skulpturenpark liegt.

 

 

 Uta Winterhager

 

 

 

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