Staircase "It's Beyond Me", Oscar Tuazon 2014 (Verzinkter Stahl, Rigipsplatte, Pinienholz, Eichenholz, Glass, Lampe, Farbe) in der zweiten Etage. Foto: Michael van den Boogard Courtesy of the artist and Galerie Eva Presenhuber, Zurich

Oscar Tuazons Architekturfragmente im Treppenhaus des Museum Ludwig

Am Ende seiner Amtszeit als Direktor des Kölner Museum Ludwig wagte Philipp Kaiser ein Experiment und erklärte das Museum zum Labor, damit es sich aktiv an der Produktion von Kunst beteiligen könne. Protagonist dieses Versuchs war der US-amerikanische Künstler Oscar Tuazon (*1975). Zwei Wochen hat er im Museum gearbeitet. Er hat gebaut, nicht nach Plan, sondern suchend, sich dabei auch Raum und Zeit auch für Verfehlungen gelassen.
Zum Pressetermin 30 Stunden vor der Eröffnung der Ausstellung war Tuazon nicht fertig. Aber macht das etwas? Muss eine derartige Arbeit überhaupt fertig werden oder ist ihr Potential im Entstehen nicht sogar größer, die unvollständige Aussage viel verlockender? Tuazon hat Architektur benutzt, wie andere Bilder: er kopiert sie, fragmentiert sie, nahm ihr Bestimmung und Kontext und erschuf aus den Versatzstücken Räume, die keine sind. Vergessen muss man also alles, was man jemals über Architektur gelernt hat, um sich auf „Alone in an empty room“ einlassen zu können.

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„Doors On The Floor“, Oscar Tuazon 2014 (Gips, Stahl, Glass, Eichenholz, Farbe) im Eingangsbereich des Museums
Foto: Uta Winterhager

 

Architektur überschreiben

Kaiser hatte Tuazon das Treppenhaus, dem Kasper König irgendwann einmal den Charme eines Bulgarischen Kulturzentrums bescheinigt hat, als Arbeitsraum zur Verfügung gestellt. Über und gegen die Architektur des Museums (Busmann Haberer, 1986) ist schon viel gesagt worden, nun bezeichnete Kaiser auch Tuazons post-minimalistische Interventionen als Gegenargument zur Museumsarchitektur, ob situativ bedingt oder willentlich, führte er nicht weiter aus.
Der Parcours von Tuazons Arbeiten beginnt im Untergeschoss mit „Piece By Piece“, einem Tor ohne Garage, das dort bereits im Rahmen der Neupräsentation der Sammlung „Not Yet Titled“ seit Oktober 2013 gezeigt wurde. Im Kassenraum liegt „Doors On The Floor“, eine Betonplatte, darin eingegossen Hausfragmente, eine Tür und Glasbausteine. Erst zwischen erster und zweiter Etage beginnt die konkrete Auseinandersetzung mit dem Museum, wo Tuazon mit „A Prosthesis“ die Treppe besetzt. Zwei Wandstücke (Porenbeton und Sprossenfenster) stellen sich in den Weg, das längere läuft so weit die Stufen hinauf, bis es darin verschwindet. Es ist nur die Kopie eines Bruchteils von Tuazons eigenem Haus, mit der er sich da die Museumsarchitektur einschreibt und sie damit zur Prothese für etwas ganz und gar unvollständiges macht. „It’s Beyond Me“ liegt in der zweiten Etage, um 90° gekippt ist der Treppenhausnachbau vollkommen unlesbar, ein riesiges Volumen ohne Funktion, das umgangen werden muss. Eine Drehtür entlässt die Besucher auf die Dachterrasse, dort hat Tuazon noch eine Drehtür hingestellt. Die Kopie „A Person“ ist eine Dopplung bis ins kleinste technische Detail, die alles Sinnhafte ignoriert.

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Wall on the stairs „A Prosthesis“, Oscar Tuazon 2014, (Leichtbeton, Mörtel, Eichenholz, Glass, Farbe) im Treppenhaus zwischen erster und zweiter Etage
Foto: Uta Winterhager

 

Kunst erklären

Man hörte, dass Tuazon die körperliche Arbeit mag, dass er hier selbst eingebracht hat, sah man ihm an, er wirkte erschöpft, blieb wortkarg, mochte sich und seine Arbeit nicht erklären, was die Kuratoren der Ausstellung Philipp Kaiser und Anna Brohm für ihn übernahmen. Kein Künstler von Gordon Matta-Clark bis Bruce Nauman blieb ungenannt, inhaltlichen Verknüpfungen fanden sich zu jedem – Anlass genug, um gar von einer neuen Verortung des Diskurses um Raum, Material und Arbeit in der zeitgenössischen Kunst zu sprechen.
Schwer tragen die Fragmente des Gebauten an ihrem intellektuellen Überbau, wirken angestrengt, kaum experimentell. Und dann möchte man doch wieder an all das denken, was man über Architektur gelernt hat.
Alleine in einem leeren Raum, das kann ganz schön langweilig sein.

Uta Winterhager

Vom 15. Februar bis 13. Juli zeigt das Museum Ludwig die Ausstellung „Alone in an empty room“.

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Oscar Tuazon und Philipp Kaiser
Foto: Uta Winterhager

Am 21. Juni 2014 wird das Museum ein Künstlerbuch zur Ausstellung präsentieren. Dann allerdings wird Philipp Kaiser nicht mehr in Köln sein, wie Anfang des Monats bekannt wurde, wird er nach grade einmal 15 Monaten sein Amt als Direktor Ende Februar aus familiären Gründen niederlegen.

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Revolving door „A Person“, Oscar Tuazon 2014,(Stahl, Beton, Glas, Ziegel, Lampen, Farbe)auf der Dachterrasse des Museums
Foto: Michael van den Boogard Courtesy of the artist and Galerie Eva Presenhuber, Zurich

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