Corporate Design Anno 1914: Der berühmte Reiter, der die Fackel der Wahrheit unter die Menschen trägt, zierte Plakate, Kekspackungen, Briefmarken und – später „abgekupfert“ – auch Zigarettendosen. Bahlsen Werkbund-Paket, Entwurf Peter Behrens, Hannover, 1914, © Bahlsen GmbH & Co. KG

Eine Ausstellung im MAKK zeigt sein frühes Werk.

100 Jahre Bauhaus – der 1919 gegründeten legendären Hochschule wird im nächsten Jahr landauf landab gedacht werden. In Köln ist jetzt schon eine Schau zu sehen, die in das Thema einführt. Zum 150. Geburtstag von Peter Behrens, dem Vorreiter der funktionalen Baukunst und Lehrer u.a. der Bauhauskünstler Walter Gropius und Ludwig Mies van der Rohe, zeigt das MAKK frühe Arbeiten des „Alleskünstlers“ aus der Periode von 1894 bis 1914.

 

© Foto: RBA Köln, Marion Mennicken

Zur Kunstausstellung in der Kölner Flora 1906 baute Peter Behrens das Tonhaus „im Sinne harmonischer Gesamtkunst“, wie es im Stadtanzeiger hiess. In der Ausstellung ist der Originalplan zu sehen. Hier Ansichtskarten aus der Sammlung Brokmeier. © Foto: RBA Köln, Marion Mennicken

 

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht der Wandel vom Jugendstil hin zur frühen modernen Sachlichkeit. Aber auch die lachende Kanne von Kaiser’s Kaffee, das AEG-Waben-Logo, der Schriftzug „Dem Deutschen Volke!“ am Berliner Reichstag und viele weitere Entwürfe des Künstlers Peter Behrens, die sich tief im kulturellen Gedächtnis der deutschen Moderne festgesetzt haben. Urheber dieser und vieler weiterer Schöpfungen ist der in Hamburg geborene Künstler Peter Behrens. Am 14. April 2018 jährt sich der Geburtstag des großen deutschen Gestalters und Architekten zum 150sten Mal. Besonders sein Wirken um die Jahrhundertwende bis zur Werkbund-Ausstellung in Köln hat seine Spuren in Kunst- und Designgeschichte hinterlassen.

Für Ende April schon mal ein Ausflug nach Oberhausen vormerken!

Anstatt mit übergroßem Ehrgeiz den „ganzen Behrens“ zu präsentieren, suchte sich das MAKK zwei Partner für die Aufgabe. Die Kunstmuseen Krefeld bringen ab dem 18.05. eine Ausstellung mit graphischem Schwerpunkt. Und ab dem 28. April lohnt sich ein Ausflug nach Oberhausen: In einem Gebäude von Peter Behrens werden Modelle von Behrens-Bauten zu sehen sein.

Der Behrens Bau in Oberhausen, 1925 fertiggestellt, war einst das Lager der Gutehoffnungshütte , jetzt des LVR. Im 5. Stock eröffnet im April eine Dauerausstellung zum Architekturschaffen von Behrens. @ Wikimedia commons, GHH-Warehouse Oberhausen

 

Das ehemalige Hauptlagerhaus des Gutehoffnungshütte-Konzerns (GHH) entstand zwischen 1920 und 1925 und dient heute dem LVR-Industriemuseum als zentrales Sammlungsdepot. Die Peter Behrens School of Arts der Hochschule Düsseldorf hat nach Originalentwürfen Architekturmodelle gebaut, die hier im 5. Stock nun als Dauerausstellung gezeigt werden, ergänzt mit zahlreichen aktuellen und historischen Fotografien der Bauten. Weitere Exponate thematisieren Behrens als Industriedesigner.

Druckkunst in eigener Sache: Haus Behrens, 1901, in: Deutsche Kunst und Dekoration, Bd. IX, 1901/02, © MAKK, Foto: RBA Köln, Marion Mennicken

 

Bei der Eröffnung der Künstlerkolonie auf der Darmstädter Mathildenhöhe war das Haus Behrens, das als Gesamtkunstwerk angelegt und bis ins kleinste Detail durchgestaltet war, die Sensation und machte Behrens mit einem Schlag international bekannt. In der Folgezeit befasste er sich mit nahezu allen Gestaltungsfragen und entwickelte beispielsweise das Corporate Design – lange bevor es diesen Begriff überhaupt gab – für die Delmenhorster Linoleumfabrik Anker-Marke und ab 1907 für die Berliner AEG. Er gilt als Prototyp des Industriedesigners, für AEG kümmerte er sich um die gesamte Firmenwelt: Abgesehen von der sensationellen Architektur der AEG Turbinenhalle entwarf er elektrische Wasserkessel, Lampentypen und Heizstrahler bis hin zu Plakaten, Geschäftspapier und Reklamemarken – allesamt in der Ausstellung präsentiert.

Das Behrens Haus auf der Darmstädter Mathildenhöhe. @ Wikimedia commons, Mathildenhoehe-behrens-haus-048.jpg

230 Objekte und acht Themenräume

Die Präsentation im MAKK gliedert sich in acht Themenräume mit 230 Objekten, die Behrens‘ künstlerisches Schaffen in den Bereichen Möbel, Keramik und Porzellan, Glas und Bestecke, sowie Gebrauchsgrafik, Buchkunst und Industriedesign nachzeichnen. DER Hingucker für Architekten: Die „Akte 1700“, geborgen aus dem Historischen Archiv, mit dem Originalplan für das Tonhaus in der Flora.

Kolorierter Entwurf des Mosaik-Bodens im Haus Behrens, Deutsche Kunst und Dekoration, Bd. IX, Darmstadt 1902, © MAKK, Foto: RBA Köln, Marion Mennicken

 

Die Ausstellung im MAKK ist Teil des Prologs zum NRW-Verbundprojekt „100 jahre bauhaus im westen“. Fünf wirklich schön gestaltete Themenhefte in DINA5 Format zu bislang nicht publizierten Aspekten des Schaffens von Peter Behrens begleiten die Schau. Insgesamt geben die drei Museen zwölf solcher Hefte heraus, die ab Mai 2018 im Schuber für € 35,00 (Museumspreis) erworben werden können (Einzelpreis € 3,50).

@ Wikimedia Commons, Geschäfts- und Verwaltungsgebäude 37-4896

In Köln baute Behrens 1914 das Geschäftshaus Frank & Lehmann, Unter Sachsenhausen, ein Unternehmen für Modeartikel.

 

Ira Scheibe

17. März bis 1. Juli 2018
#alleskönner. Peter Behrens zum 150. Geburtstag
MAKK – Museum für Angewandte Kunst Köln

Di – So 10 – 18 Uhr, Mo geschlossen
am ersten Do im Monat (außer an Feiertagen) 10 – 22 Uhr,

Umfangreiches Rahmenprogramm Arbeitskreises des MAKK

 

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