Inszenierte Natur: An den nicht überdeckten Abschnitten erleichtern Sitzstufen den Zugang zum ehemaligen Kanal, das Gewässer wird zu einem „Wassergarten“. Picknickplätze machen den Uferbereich zum Naherholungsgebiet für die Bevölkerung. ©Beat Schweizer

Neue Strategien für die Renaturierung der Landschaft

Das BDA Montagsgespräch am 19. März stellt zentrale Annahmen und Bilder, die der Landschaftsplanung bis heute zugrunde liegen, am Beispiel eines herausragenden Renaturierungsprojektes in Genf zur Diskussion!

 

Umsicht – Regards – Sguardi, so heißt der Baukultur- und Nachhaltigkeitspreis für die zukunftsfähige Gestaltung des Lebensraums, der alle drei Jahre vom Schweizer Ingenieur- und Architektenverein SIA vergeben wird. Mit der Auszeichnung würdigt der SIA Projekte, die sich durch einen umfassenden interdisziplinären Ansatz ebenso wie durch Weitsicht und Sorgfalt auszeichnen.

Im Rahmen des Montagsgespräches stellen wir eines der ausgezeichneten Projekte vor: Revitalisation de l’Aire, Genève. Bis in die 1940er-Jahre griff man mit Eindeichungen und Kanalisierung stark in den Flusslauf der l’Aire ein. Wasserqualität und Artenvielfallt litten so sehr, dass ab den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts die Aire als nahezu totes Gewässer galt. Aus einem vom Kanton Genf ausgeschriebenen Wettbewerb für die Revitalisierung des Flusses, ging das Team Groupement Superpositions aus Architekten, Biologen, Hydrologen sowie Bau- und Umweltingenieuren als Sieger hervor.

Ihr Vorschlag zur Renaturierung mit einem Neben- und Übereinander von kanalartigen und natürlichen Elementen wurde begleitet von einem intensiven und partizipatorischen Austausch mit Anwohnern, Landwirten, Umweltorganisationen und Kantonsvertretern. Entstanden ist eine differenzierte Landschaft, ein Hybrid aus Natur und Artifiziellem, die der Spagat zwischen zivilisatorischen und ökologischen Ansprüchen gelingt und die darüber hinaus eine außergewöhnliche und spürbare Gestaltungsfreude über alle Disziplinen auszeichnet.

Flussabwärts verlässt die Aire den Kanal und darf sich auf einer 50 bis 80 m breiten Fläche ihren eigenen Lauf suchen. Um einen möglichst natürlichen Verlauf zu evozieren, gewährten die Planer dem Gewässer Starthilfe: Das Gelände wurde in Form eines rautenförmigen Gitters ausgehoben. ©Easytomap

 

Das Projekt „Revitalisation de l’Aire, Genève“, stellt gewohnte Strategien der Renaturierung von Gewässern und im weiteren Sinn auch von Landschaftsräumen in Frage. Mit der Naturierung, beispielsweise von begradigten Bachläufen, wird auch hierzulande meist ein idealisiertes Naturbild verbunden. Gibt es dazu Alternativen? Und resultiert aus der Landschaftsgestalt eines konsequent nach ökologischen Zielen umgesetzten Projektes eigentlich automatisch ein gelerntes Bild von „Natur“?

Begrüßung und Einführung

  • Simon Hubacher, Architekt, Vorstand SIA-Sektion International, Köln
  • Thomas Knüvener, Landschaftsarchitekt, Vorstand BDA-Köln

 

Projektvorstellung und Diskussion

  • Georges Descombes, Landschaftsarchitekt, Atelier Descombes Rampini sa, Verfasser des prämierten Projekts „Revitalisation de l’Aire, Genève“, Genf (Vortrag in Englischer Sprache)
  • Stephan Lenzen, Landschaftsarchitekt, Vizepräsident des BDLA, Bonn/Köln
  • Simon Hubacher, Architekt, Vorstand SIA-Sektion International, Köln

 

Moderation

  • Thomas Knüvener, Landschaftsarchitekt, Vorstand BDA, Köln

Das Montagsgespräch findet in Kooperation mit dem Schweizer Ingenieur- und Architektenverein SIA / SIA-Sektion International statt.

Ausstellung 

Umsicht – Regards – Sguardi wird vom 09.03 bis zum 19.03.2018 in der Stiftung für Kunst und Baukultur Britta und Ulrich Findeisen gezeigt. Köln ist die erste Station der Wanderausstellung im Ausland, in der alle 2017 prämierten Arbeiten des Wettbewerbes Umsicht – Regards – Sguardi  zu sehen sind.

Die Eröffnung der Ausstellung findet am Freitag, 9.3.2018, 18.30 Uhr, in den Räumen der Stiftung für Kunst und Baukultur Britta und Ulrich Findeisen, statt. Aus aktuellem Anlass der Wohnungsbaudiskussion in Köln rückt die Vernissage den prämierten genossenschaftlichen Wohnungsbau der Bau- und Wohngenossenschaft Kraftwerk1 Zwicky-Süd an der Peripherie der Stadt Zürich in den Fokus. Julia Hofstetter, Vertreterin der Bau- und Wohngenossenschaft Kraftwerk1 wird das Projekt vorstellen.
Parallel zum Montagsgespräch sind alle acht prämierten Arbeiten zu sehen.

Das Montagsgespräch ist bei der AKNW als Fortbildung für zwei Stunden anerkannt.

Ort
Stiftung für Kunst und Baukultur Ulrich und Britta Findeisen
Venloer Straße 19
50672 Köln

 

 

red|bs

 

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