Der Kunstsammler und Direktor der Vereinigten Seidenwebereien (VerSeidAG) Hermann Lange beauftragte zusammen mit Dr. Josef Esters, ebenfalls Direktor der VerSeidAG 1927 den Architekten Ludwig Mies van der Rohe die Wohnhäuser für beide Familien zu entwerfen. Haus Esters (li) und Haus Lange (re) entstanden zwischen 1928 und 1931. © Hans Peter Schaefer / CC BY-SA 3.0 (via Wikimedia Commons)

Unter dem Titel "Bauhaus100" werden Reiseziele, Ausstellungen und Events gebündelt - auch für NRW

Alle Wege führen nach Krefeld. bauhaus100.de heißt die Internetseite, die schon jetzt zusammenbringt, was im nächsten Jahr an Ausstellungen, Symposien, Führungen, Debatten und Events zum großen Jubiläum der legendären Lehreinrichtung über die Bühne gehen wird. Deutschlandweit, wohlgemerkt. Denn 2019 findet das 100-jährige Gründungsjubiläum des Bauhauses statt. Doch zwei, drei Klicks nur und schon ist man zurück in NRW: Etwa im Zentrum der Seidenindustrie, die in den 1920er Jahren dafür sorgte, dass Ludwig Mies van der Rohe seine Spuren am Niederrhein hinterließ – und unter anderem sein einziges Fabrikgebäude.

 

 

Als Vorstand der Vereinigten Seidenwebereien (Verseidag) knüpfte Hermann Lange die Kontakte zum Bauhaus und ließ sich von Ludwig Mies van der Rohe neben den Wohnhäusern auch das so genannte HE-Gebäude für die Verseidag (1930) bauen. ©Projekt Mik e.V., Krefeld

 

Neben den Villen Haus Lange und Haus Esters hätte es fast auch noch einen Golfclub von ihm gegeben, den die Kunsthistorikerin Christiane Lange 2013 in einer spektakulären Aktion temporär mit einem Nachbau aus MDF-Platten erlebbar machte. 2019 nun will ihr Verein „Projekt MIK – Mies in Krefeld“ in eine begehbare Skulptur, in einen oktogonalen Pavillon des Künstlers Thomas Schütte ziehen. Eine Ausstellung soll es hier geben, Vorträge und Debatten. In einem „besonderen Leuchtturm“, wie es unter dem Stichwort „Nordrhein-Westfalen“ auf der Internetseite heißt.

Visualisierung des Modells: Die edelstahlummatelten Stützen geben einen Hinweis auf die ursprünglich geplante Materialästhetik. Wände aus weiß gestrichenem MDF und fehlenden Glasscheiben kennzeichnen das Gebäude als Modell. Rendering © Robbrecht en Daem

Modell des Golfclub-Modells von Robbrecht en Daem: Die offene kreuzförmige Raumkomposition soll als Inszenierung der zentralen Themen Mies van der Rohes verstanden werden. Nur die Kernbereiche, die diese Ideen ab genauesten illustrieren werden gebaut, alles andere bleibt skizzenhaft. Foto©Robbrecht en Daem

 

Selfies im Bauhaus-Bau

Dass das Bauhaus-Jubiläum ein bundesweites Ereignis ist, steht außer Frage. Beachtlich ist dann aber doch, wie viele Projektpartner aus verschiedenen Bundesländern, Museen und Forschungseinrichtungen im Bauhaus-Verbund zusammengekommen sind. Da kooperieren etwa unter dem Stichwort „Neues Bauen“ die Architektenkammer NRW mit den LWL/LVR-Ämtern für Denkmalpflege, da ist ein Symposium geplant und, wie es heißt, ein „Bildungskonvent“. Da soll es Ausstellungen zu Kunst, Architektur, Design, Fotografie, Tanz, Theater, Politik und Gesellschaft geben, an denen sich die Landes- und Industriemuseen, aber auch die Regionalinstitute der Landschaftsverbände beteiligen. Zu den weiteren Akteuren und Partnern des Verbundes zählen in NRW unter anderem das RuhrMuseum, die Alte Synagoge Essen, das Lehmbruck Museum Duisburg, das Josef Albers Museum Quadrat in Bottrop und das Museum Kunstpalast in Düsseldorf. Ein Veranstaltungskalender sammelt und bündelt schon jetzt Vorträge und Führungen, zudem kann jeder eigene Ansichten einsenden – von und über das Bauhaus, durch eine spezielle Schablone fotografiert. Oder ein Selfie vom eigenen Arbeitsplatz oder aus dem Wohnzimmer – vorausgesetzt sie liegen in einem Bauhaus-Bau…

 

Lilly Reich, Ludwig Mies van der Rohe, Repräsantationsstand der Seidenindustrie „Café Samt und Seide“, Die Mode der Dame, Berlin 1927 © Projekt MIK e.V.

 

Kontinuitäten und Brüche

Und Köln? Taucht immerhin auf, sobald man etwa auf „Reiseziele zum Bauhaus-Jubiläum“ klickt. Der Prolog zum NRW-Verbundprojekt „100 jahre bauhaus im westen“ ist mit dem Titel #alleskönner Peter Behrens zum 150. Geburtstag bereits ab 17.März im Kölner MAkK zu sehen. Auch ein Ausflug zur großartigen Engelbert-Kirche von Dominikus Böhm wird hier empfohlen oder nach Buchforst in die Planstadt Blauer Hof und Weiße Stadt von Wilhelm Riphahn und Caspar Maria Grod. Allesamt keine originären Bauhäusler, aber natürlich interessante Figuren des Neuen Bauens, der Weimarer Republik und Nachkriegszeit. Gebaut hatte etwa Riphahn ja in den 20er Jahren schon einiges – wie aber setzen solche Architekten ihre Arbeit nach 1945 fort? Die Plattform bauhaus100.de will auch „Nachwirkungen der Bauhaus-Idee in der Bundesrepublik“ aufzeigen, wie es heißt. Und dass damit nicht nur Kontinuitäten, sondern auch Brüche gemeint sind, zeigen Links nach Düsseldorf, wo etwa Wilhelm Kreis mit der Tonhalle einen richtungsweisenden Entwurf des Neuen Bauens präsentierte – um seine Karriere auch in der NS-Zeit nahtlos fortzusetzen.

Der deutschlandweite Fokus macht allerdings auch deutlich, wie klein Kölns Rolle war, wenn es speziell um Bauhäusler ging: Architekten wie Mies van der Rohe oder Künstler wie Johannes Itten und Georg Muche zog es eher dorthin, wo Aufträge vergeben wurden: zur Textilindustrie. Das „Weimar des Westens“, es lag damals am Niederrhein…

Annika Wind

 

 

2019 findet das 100-jährige Gründungsjubiläum des Bauhauses statt, hier geht es zur Internetseite 100 Jahre Bauhaus

Bauhaus im Westen

 

Georg Muche, ehemals Bauhaus-Meister in Weimar und Dessau und nach 1938 Leiter der Meisterklasse für Textilkunst an der Krefelder Textilingenieurschule (TIS), mit Elisabeth Kadow, ehemals Bauhaus-Studentin und später in Krefeld Assistentin und Nachfolgerin von Georg Muche. Foto um 1956. ©Projekt Mik e.V., Krefeld

 

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