Ansicht des Senats-Hotels am Laurenz-Platz © Raimond Spekking / CC BY-SA 3.0 (via Wikimedia Commons)

Die erste Stufe des städtebaulichen Verfahrens für das Laurenz-Carré läuft

Ja, es gibt sie noch, diese phantastischen Lagen in der Kölner Innenstadt auf denen dringend etwas geschehen muss. Zwei fast vollständige Blöcke – kuriose Cluster aus zum Teil sehr vernachlässigten Bauten und einem durchaus schützenswerten Denkmal – zwischen Roncalliplatz und Rathausplatz sind seit einigen Jahren im Gespräch, mehrfach verkauft und mehrfach umgenannt worden. Seit dem vergangenen Sommer ist das nun Laurenz-Carré genannte Areal im Besitz der Düsseldorfer Gerch Group. Zu ihrem Vorhaben schreiben die Entwickler: „Neben voraussichtlich zwei Hotelentwicklungen werden auch marktgerechte Büro- und Handelsflächen entstehen. Zudem sind hochwertige Wohnungen in der Planung integriert, so dass ein durchmischtes und lebendiges Quartier mitten in der Kölner City entstehen kann.“

Wenn der Baubeginn wie geplant 2019 erfolgt, soll das Projekt (33.000 Quadratmeter BGF) in das 250 Millionen Euro investiert werden, 2021 abgeschlossen sein.

Der Stadt Köln liegt die Neuordnung wie auch die gestalterische Qualität des Quartiers sehr am Herzen, da es die vom Johannistunnel im Norden bis zu St. Maria im Kapitol führende Achse via culturalis über eine weite Strecke flankiert.

 

Luftbild der Kölner Innenstadt, das Areal des Laurenz-Carrés ist rot umrandet © Stadt Köln / Gerch Group

 

Nun hat die Gerch Group ein zweistufiges städtebauliches Verfahren (mit einer nicht bekannten Zahl nicht bekannter Teilnehmer) ausgelobt. Mitte März wird es eine Zwischenpräsentation geben über deren Ergebnisse wir hier berichten werden. Nach dem Abschluss des Verfahresn im Mai soll auf der Basis des daraus hervorgegangenen städtebaulichen Entwurfs ab Mitte des Jahres ein Hochbauwettbewerb durchgeführt werden.

Bevor es allerdings soweit kommt, möchten wir einen kleinen Baustein des Planungsareals noch einmal besondere Aufmerksamkeit schenken und stellen heute das Senats-Hotel vor.

 

Senats-Hotel, Unter Goldschmied 9, Köln. Architekt: Wilhelm Koep, Baujahr: 1958. Foto: Ansicht vom Laurenzplatz mit dem Eingang zum Senatssaal © Raimond Spekking / CC BY-SA 3.0 (via Wikimedia Commons)

 

Das Senats-Hotel

Koep hatte an der Kölner Kunstgewerbeschule studiert und entwickelte in den 50er Jahren bereits eine charakteristische Handschrift. Seine Bauten gelten heute die Paradestücke eines überaus modernen und eleganten Ansatzes des vorwärtsgewandten Wiederaufbaus. Seine feine Linienführung, seine unbeirrbare Ordnung, die perfekte Proportionen sowie sein stilsicherer Einsatz von Farben und Materialien machten ihn auch zum Hausarchitekten des in Köln ansässigen Parfümereiunternehmens 4711. Mit dem Blau-Gold-Haus am Dom abert auch mit dem Fabrikgebäude in Ehrenfeld (heute Barthonia-Forum) setzte er neue Maßstäbe.

 

© Raimond Spekking / CC BY-SA 3.0 (via Wikimedia Commons)

Doch zahlreiche andere Bauten, die mit ihrer Eleganz im Stadtbild auffallen, stammen von Wilhelm Koep. So zum Beispiel das Wohn- und Geschäftshaus Glockengasse 2a, direkt an Kolumba, die Sartory-Säle. Aber auch das Möbelhaus Buch an der Aachener Straße oder Haus Schwabenland Glockengasse 2 wurden von ihm gebaut.

Koep war mutig, entwarf Fassaden mit eigenständiger Geometrie, die bis heute stadtbildprägend sind, wie zum Beispiel an den Opernpassagen (Schweizer Ladenstadt) 1962-64 oder am Haus Weingarten am Friesenplatz 1966.

 

Das SEnats-Hotel mit denkmalgeschützter Fassade © Raimond Spekking / CC BY-SA 3.0 (via Wikimedia Commons)

 

Der Bau, dessen Fassade seit 1993 unter Denkmalschutz steht, wurde 1958 von Wilhelm Koep (*1905 in Auel (B), † 1999 in Köln) im Auftrag der Kölner Bürger-Gesellschaft gebaut. Betreibergesellschaft des Hotels wurde die Senats Hotel GmbH, eine vormals hundertprozentige Tochtergesellschaft der Bürgergesellschaft AG.

Die Gesellschaft benötigte nach der Zerstörung ihres Hauses und dem Verkauf des Grundstücks an der Nord-Süd-Fahrt an den WDR einen neuen Saal und plante Bau und Betrieb über das Hotel zu finanzieren. So entstand unter Einbeziehung der neusten Erfahrungen im Saal-, Gaststätten- und Hotelbau das Senats-Hotel direkt gegenüber dem kurz zuvor fertig gestellten Spanischen Bau. Für viele Kölner Familien wurde der elegant und detailreich ausgestattete Saal zu einem zweiten Wohnzimmer, in dem sich insbesondere gerne zum Tanz traf. Viele der Details und Ornamente mit denen Koep Decken, Wände und Fenster schmückte sind bis heute trotz zahlreicher Modernisierungen erhalten und lassen die wiedererwachte Lebenslust der 50er Jahre noch deutlich erkennen. Ein Glück für das Haus ist der Denkmalschutz, der ihm ein Überleben im Laurenz-Carré sichern sollte.

 

Eine Mini-Doku des WDR zum Senats-Hotel gibt es hier.

 

Uta Winterhager

 

 

Nachtrag

Am Dienstag, dem 13. März 2018 findet im Senatshotel die öffentliche Vorstellung der Zwischenergebnisse  des Städtebaulichen Verfahrens Laurenz Carré statt.

Folgender Ablauf ist geplant:
 
14:30 – 17:45 Uhr
Präsentation der Zwischenergebnisse der sechs Planungsbüros vor der Bewertungskommission18:00 – 20:00 Uhr
Diskussion der interessierten Bürgerinnen und Bürger mit den Planungsbüros vor ihren jeweiligen Plänen (Kojen-Gespräche)

20:30 – 21:30 Uhr
Vorstellung der Empfehlung der Bewertungskommission und Zusammenfassung der Anregungen aus den Kojen-Gesprächen

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2 Antworten auf “Sahneschnittchen”

  1. Oliver Grebe

    Ein schöner Beitrag über ein noch vorhandenes Sahnestück Kölner Nachkriegsarchitektur. Damals gab es bei den vielen Familienfesten im Bürgerhaus auch Sahne für die Bürger. In der WDR-Doku kommt die Wertschätzung und Detailliebe des Stadtkonservators in Bezug auf die Architektur des Bürgerhauses besonders gut rüber.
    Ich hoffe sehr, dass seine Haltung PRO-Gebäude und PRO-50er-Jahre-Architektur bei den kommenden Investorenkonzepten eine Rolle spielt wird. Wer die Sahne der Zukunft bekommt wird sich dann zeigen.

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  2. Armin

    ich bin bei der gerch-group sehr sehr sehr skeptisch! da müssen wir alle, denen köln am herzen liegt, gerade an dieser neuralgischen stelle jetzt ganz genau hinsehen!

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