Ausschnitt aus: Egon Eiermann, Foto: Werbetechnik IK GmbH Stuttgart © saai, Werkarchiv Egon Eiermann

Ausstellung zu den Sitzmöbeln von Egon Eiermann im UAA

Egon Eiermann (1904–1970) gehört zu den wichtigsten Persönlichkeiten der Architektur der bundesdeutschen Nachkriegszeit. Das UAA eröffnet am 14. Januar 2018 eine Ausstellung zu den Möbelentwürfen dieses wegweisenden Architekten.

Produktion des SE18 bei Wilde & Spieth in Wernau, Tauchlackierung, 1950er Jahre, © Wilde & Spieth


Der Architekt Egon Eiermann (1904–1970) gilt wie kein zweiter als der Baumeister der frühen Bundesrepublik Deutschland. Ende der 1940er Jahre machte er sich durch eine Reihe von Wohnhäusern und Industriebauten einen Namen, bevor er durch den Bau von eleganten Konzernzentralen für Neckermann, Hochtief, Olivetti oder IBM auch internationale Bekanntheit erlangte. Nach dem überwältigenden Erfolg seines gemeinsam mit Sep Ruf errichteten deutschen Pavillons auf der Weltausstellung in Brüssel (1958) erhielt Eiermann u.a. Aufträge für das Abgeordnetenhochhaus in Bonn, die Deutsche Botschaft in Washington und den Wiederaufbau der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, die zu einem Wahrzeichen für Berlin wurde.

Matthäuskirche in Pforzheim, 1952–1956, bestuhlt mit 370 Stühlen SE19, © saai



Nicht nur als Architekt erlangte Eiermann internationale Bekanntheit, auch das Möbeldesign prägte er nachhaltig. Als erster in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte er Serienmöbel, die internationale Standards erfüllten und nach der Zäsur des Nationalsozialismus wieder an die Ideale von Werkbund und Bauhaus anknüpften. Zu seinen wegweisenden Entwürfen zählen der Klappstuhl SE 18 oder der Stahlrohrstuhl SE 68, die seit den frühen 1950er Jahren ununterbrochen von Wilde und Spieth hergestellt und vertrieben werden. Dabei bestechen Eiermanns Möbel durch ein ungewöhnlich breites Spektrum von konstruktiven Prinzipien und verwendeten Materialien: Holz- und Stahlrohrgestelle, Formholzsitze, Gurt- oder Korbbespannungen, Korbsessel und -sofas, aber auch frühe Experimente mit Kunststoffschalen.

links: Entwurfsskizze eines Korbsessels, 1952, © saai, rechts: Korbsessel E10 © Foto: Horstheinz Neuendorff

 

1947 wurde Egon Eiermann als Professor an die Fakultät für Architektur an der Technischen Hochschule Karlsruhe berufen. Eiermann wurde als charismatischer Lehrer geschätzt. Zu seinen ersten Studenten zählte der junge Oswald Mathias Ungers, der ihm früh als Querdenker auffiel und den er nach dem Diplom in seinem Büro anstellen wollte. Die biographischen Verflechtungen zwischen Eiermann und Ungers verleihen der Ausstellung von Eiermann-Möbeln im UAA eine besondere Bedeutung.

Egon Eiermann, Foto: Werbetechnik IK GmbH Stuttgart © saai, Werkarchiv Egon Eiermann



Die Ausstellung zu Möbelentwürfen von Egon Eiermann wird in Zusammenarbeit mit dem Südwestdeutschen Archiv für Architektur und Ingenieurbau (saai) am Karlsruher Institut für Technologie konzipiert, das den Nachlass von Egon Eiermann verwahrt.

Eine Ausstellungskooperation des UAA Ungers Archiv für Architekturwissenschaft, Köln, und des Südwestdeutschen Archivs für Architektur und Ingenieurbau (saai), Karlsruhe

Eröffnung am Sonntag, den 14.01.2018, um 16 Uhr
Laufzeit: 15.01.–09.02.2018
UAA Ungers Archiv für Architekturwissenschaft, Belvederestraße 60, 50933 Köln
Öffnungszeiten:
15.01.-21.01.2018        täglich 11-16 Uhr
22.01.-09.02.2018        Mo-Fr 11-16 Uhr

Der Eintritt ist frei.
red|uw

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