Die Wasserkinetische Plastik von Wolfgang Göddertz auf dem Ebertplatz © Foto Cordula Schulze

Die Wasserkinetische Plastik von Wolfgang Göddertz auf dem Ebertplatz

1970 gewann der Pulheimer Künstler Wolfgang Göddertz (1944-2016) mit dem Entwurf der „Wasserkinetische Plastik“ den Wettbewerb für die künstlerische Gestaltung des Ebertplatzes. Das große Edelstahlobjekt, begehbar, bespielbar und von schlichter, robuster Ästhetik, versprach einen lebendigen und modernen Ort. Doch Planung und Umsetzung verliefen schleppend, die von Göddertz mitgelieferten Ideen für die weitere Platzgestaltung fanden darin keine Verwendung mehr. Sieben Jahre dauerte es, bis der Platz auf allen Ebenen schließlich eröffnet wurde.

 

Schönes Spiel

Aus dem einfachen Betonpflaster der Platzfläche wölbt sich ein kreisförmiger mit Kopfsteinpflaster belegter Ausschnitt leicht empor. Darauf liegt ein Bündel von Edelstahlröhren, die so geknickt sind, dass sie in der Mitte nach oben ragen. An jedem ihrer Enden sind kreisrunde, gewölbte Edelstahlschilde befestigt, die sie wie überdimensionale Nägel erscheinen lassen. Wenn der Brunnen in Betrieb ist (Fotos davon gibt es auf der Homepage des Künstlers) – und das war leider nur für sehr kurze Zeit so – spritzen zahlreiche verborgene Düsen das Wasser so gegen die Schilde, dass es in einem gleichmäßigen Schleier nach innen zurück spritzt. Es ist ein schönes Spiel, das mit scheinbar einfachen Mitteln zum Spielen und Schauen einlädt. Doch die unter dem Platz liegende Technik der Pumpen erwies sich als zu sensibel für den Gebrauch, sodass ein Fehler beim Abschalten gleich zweimal schon zu einer Beschädigung geführt hat. Beim ersten Mal fand Göddertz noch einen Sponsor, der die Reparatur bezahlte, beim zweiten Mal dann nicht mehr. Ursprünglich gehörte die Brunnenplastik dem Gerling-Konzern, inzwischen ist die Gebäudewirtschaft der Stadt Köln dafür zuständig.

 

Auf dem Trockenen

Um die Kunst im öffentlichen Raum der Stadt Köln steht es nicht gut, zahlreiche Initiativen und Aktionen weisen seit Jahren immer wieder darauf hin. Und dabei ist die Wasserkinetische Plastik mit ihren gut 18 Metern Durchmesser kein kleines Problem. Doch ihr wird die ungeklärte Zukunft des Ebertplatzes zum Verhängnis. Vom Rheinischen Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz wurde der trockene Brunnen im Juli 2011 zum Denkmal des Monats gewählt. In diesem Jahr wurde die Bezirksregierung gebeten das Objekt wenigstens anzuleuchten und die Graffitis zu entfernen – Interimsmaßnahmen, die mit geringen Kosten doch schon einen sehr positiven Effekt hätten.

Während es von der gesamten Gestaltung des Platzes kaum etwas gibt, das in seiner derzeitigen Form erhaltenswert wäre, sollte die Wasserkinetischer Plastik, der man einiges zutrauen kann, doch wenigstens so erhalten werden, dass sie auf dem Ebertplatz der Zukunft, der irgendwann ein lebendiges, sichereres und modernes Stückchen Stadt sein muss, selbstbewusst von den alten Idealen erzählen kann.

 

Neue Spiele

Bis dahin beschäftigen sich Künstler wie Johanna Reich im Rahmen des StadtLabors für Kunst im öffentlichen Raum in ihrem Projekt Cut-Outs mit diesem sperrigen Objekt und nutzen es als Projektionsfläche für eigene Ideen.

 

Ebertplatz, CUT-OUT zur “Wasserkinetischen Plastik” (1970/77) von Wolfgang Göddertz

 

 

Weitere Projekte von Wolfgang Göddertz im öffentlichen Raum:

  • Freiplastik „Raumverknotung“, Auswärtiges Amt, Bonn
  • Zeitkinetik, Rathaus, Wesseling
  • Skulptur in Edelstahl vor der „Baukunst-Galerie“, 1976 (2010 entfernt); Theodor-Heuss-Ring, Köln
  • „Durchdringung“, reliefartige Edelstahlplastik auf der Fassade, ca. 16 Meter hoch, 1972 (2015 entfernt); Breslauer Platz, Köln; seit 2015: Remigiusplatz, Viersen (vom Künstler für den neuen Standort gekürzt)
  •  „Rheinwellen“, Großplastik, 1995, Wesseling
  • Freiplastik „Raumverknotung“, Ministerium für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien NRW, Düsseldorf
  • „Netzknoten“, vor der NetCologne-Zentrale; Köln-Ossendorf

 

 

Herzlichen Dank an Cordula Schulze, die uns das Titelfoto des Brunnens zur Verfügung gestellt hat.

 

Uta Winterhager

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