Café Wien am Hohenzollernring, Köln, Aufnahme von 1929 © VG Bild-Kunst, Bonn 2017 

Eine Ausstellung im Museum Ludwig führt beide Teile im Schaffen des Fotografen zusammen

Häuser ohne Menschen, Menschen ohne Namen. Die Architekturaufnahmen von Werner Mantz im Stil der Neuen Sachlichkeit aus den 1920er und 30er Jahren sind schon in mehreren Ausstellungen gezeigt worden. Als man Anfang der 1980ger Jahren sein Oeuvre sichtete, veröffentlichte der KStA einige Fotos, um mithilfe der Leser die Gebäude identifizieren zu können. Auch jetzt versucht man wieder über die Presse, den Modellen einen Namen zu geben – diesmal den porträtierten Menschen. Mantz, der über die Architekturfotografie sagte: „Architekturfotografie kostet enorm viel Zeit und Mühe. Ich hatte Tage, wo ich 18 Stunden arbeiten musste,“ sah seine Porträtaufnahmen als gleichwertig an mit den Architekturen, aber sie ließen sich am Kunstmarkt nicht unterbringen. Nun sind die Häuser und die Menschen in einer Ausstellung vereint.

Im Handwerk verankert, vom Kunstmarkt entdeckt

Mantz studiert Anfang der 1920er Jahre in München Fotografie und erhält dort eine sehr solide Ausbildung als Handwerker, auf die er zeitlebens sehr stolz ist. Bevor aber der künstlerische Teil seiner Ausbildung beginnt, wird er vom Vater heim zitiert und eröffnet im Wohnhaus seiner Eltern am Hohenstaufenring 46 sein Atelier. Hier verdient er sein Geld zunächst mit Porträts.

 

Die Ausstellung im Museum Ludwig bringt zum ersten Mal den weniger bekannten Teil im Oeuvre von Werner Mantz, die Porträtfotografie, mit seiner Architekturfotografie zusammen. Hier das Kommunionsporträt eines Mädchens, entstanden in Maastricht zwischen 1934 und 1938 (© VG Bild-Kunst, Bonn 2017) und ein Haus am Botanischen Garten in Köln, um 1929 © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

 

Im selben Haus hat Wilhelm Riphahn sein Büro, und vielleicht ist es ein Fall von Nachbarschaftshilfe, dass Mantz 1926 den Auftrag erhält, den von Riphahn gestalteten Friseursalon Pickenhahn zu dokumentieren. Das macht er so gut, dass immer mehr Architekten bei ihm anfragen, wie Adolf Abel, Clemens Klotz, Erich Mendelsohn, Helmuth Wirminghaus, Peter Franz Nöcker und Caspar Maria Grod.

Diese Kölner Jahre wird Mantz die sieben fetten Jahre nennen. Um finanziell die Auswirkungen der Wirtschaftskrise in Deutschland besser abzufangen, eröffnet er 1932 ein zweites Studio in Maastricht. Wegen seiner jüdischen Herkunft wird die Lage für ihn in Köln unhaltbar, er schließt sein Atelier hier 1938. Auch in Belgien ergibt sich der Zugang zur Architekturfotografie eher zufällig, indem er das Kind eines Architekten fotografiert. Er dokumentiert zahlreiche Zechen- und Straßenanlagen für niederländische Behörden und arbeitet mit dem Architekten Frits Peutz zusammen. Erst nachdem er sich in den 70er Jahren schon zur Ruhe gesetzt hat, entdeckt ihn der Kunstmarkt.

 

Menschenleere Häuser und meist namenlose Menschen, der hier aber ist bekannt: Porträt von Anton Räderscheidt, 1923 (© VG Bild-Kunst, Bonn 2017) und Haus in der Kölner Lentstraße, um 1928 © VG Bild-Kunst, Bonn 2017.

 

 

Fassade, facies, Gesicht

„Er hat das Bauen der Internationalen Moderne auf eine sehr moderne Art fotografiert,“ sagt Miriam Halwani vom Museum Ludwig, die gemeinsam mit Frits Gierstberg vom Nederlands Fotomuseum in Rotterdam die Ausstellung kuratiert hat. „Mit der Strenge, Kühle und Sachlichkeit seiner Fotografien hat er sich seinen Motiven angepasst.“ Seine Aufnahmen, die von Anfang an auch in namhaften Architekturzeitschriften erscheinen, sind meistens in einem harten Schwarz-Weiß bekannt. Bei den Originalabzügen in der Ausstellung ist zu sehen, dass er aber diese moderne Formensprache in einer Art Rolle rückwärts dann mitunter sepiagetönt hat.

Arbeitszimmer, um 1929 © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

 

Stets sind die Häuser menschenleer – was natürlich der langen Belichtungszeit geschuldet, aber wohl auch gewollt ist. Die Fassade, von dem lateinischen Wort facies – Gesicht, lässt vom Innenleben nichts erahnen. Und so wie er die Fassaden der Häuser fotografiert, so widmet er sich auch den Gesichtern seiner Modelle. Eine merkwürdige Kühle liegt darüber, oder wie Kuratorin Halwani findet, fast eine Unheimlichkeit, die in der Gegenüberstellung der menschenleeren Häuser und der namenlosen Menschen noch spürbarer wird.

Mantz selbst sah durchaus Verbindungen zwischen beiden Genres. Bei seinen Porträtaufnahmen ist er auf Kinder spezialisiert: „Ein Kinderfotograf braucht Unmengen Geduld. Die hatte ich durch die Architekturfotografie geübt, durch das Warten auf Sonne und Wolken.“ Für die Architekturaufnahmen wartet er schon mal ein halbes Jahr auf das richtige Licht. Auch die Kinder fotografiert er im Sonnenlicht. Welche Motive ihn denn wohl die lieberen waren, darüber kann man nun spekulieren. In einem Interview jedenfalls wird Mantz einmal gefragt, ob er sich eigentlich auch persönlich für Architektur interessiert. „Ich möchte sagen: Nicht direkt,“ lautet seine Antwort.

 

Ausstellung im Museum Ludwig

14. Oktober 2017 – 21. Januar 2018
Weitere Infos auf den Seiten des Museum Ludwig

Die Ausstel­lung ist ein Ge­mein­schaft­spro­jekt mit dem Ned­er­lands Fo­to­mu­se­um in Rot­ter­dam, das den um­fan­greichen Be­s­tand von Mantz’ Fo­to­gra­fien aus den Nied­er­lan­den be­wahrt.

 

 

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