Eines der fünf ausgezeichneten Projekte: Haus Altenberg von gernot schulz architektur © Foto Simon Wegener | Fotografie

Wir stellen die Preisträger das kap 2017 vor. Teil 1

In dieser Woche widmen wir uns ganz den Preisträgern des diesjährigen Kölner Architekturpreises und stellen sie mit dem Urteil der Jury vor.

 

Die Baugruppe „Stadtteilchen“ © Foto violaepler

 

Baugruppe „Stadtteilchen“

Ist das jetzt schön? Die Jury war sich von Anfang an nicht sicher, ob dieses Projekt den Kölner Architekturpreis wegen seiner herausragenden Gestalt verdient hat und auch nach der langen Besichtigung kamen dem einen oder der anderen Jurorin wieder Zweifel – es wurde kontrovers diskutiert – wie man im Jurorenjargon so gerne sagt, denn nach einem langen Tag mit wunderbaren Fassaden und Detailliebeleien steht das Stadtteilchen ein wenig im Schatten – ein verputzter durch große Loggien geformter/geschnitzter Massivbau, mit einer zweifarbigen Fassade, die man nicht nur auf dem Clouthgelände – sondern auch sonstwo in der Welt moderner Wohnbauten schon in abgewandelter Form mindestens zweimal gesehen hatte.

 

Baugruppe „Stadtteilchen“ auf dem Clouthgelände © Foto violaepler

 

Warum dann dieser Preis?

Das Haus ist einfach und mit wenig Geld erstellt worden, es ist Heim einer Baugemeinschaft, die sich selbst ein Stück Heimat gebaut hat und offensichtlich Architekten gefunden hat, die mit einfachen Mitteln umzugehen in der Lage sind. Nichts ist spektakulär, aber alles sitzt, die Treppe bildet eine feine Mitte, die mit einer großen Eingangshalle auch Pufferraum bei Regenwetter ist, die Oberflächen sind wohl überlegt, robuste Böden, rohe Wände, viel Licht und Luft im Inneren. Hier können Begegnungen stattfinden und wenn unser Besuch nur einen Wert hatte, dann dass der Architekt alle Wohnungen aufsperrte – man vertraut ihm – und so wurde das Haus, für einen Moment, zu einem großen Ganzen. Gemeinschaft wird dort gelebt. Im Bereich der Gemeinschaftsangebote könnte man sogar noch mehr machen und hatte auch mehr vor, aber Geld ist endlich. Am Ende blieb aber genügend Geld über, um neben der feinen, gemeinsamen Mitte, wunderbare Wohnungen zu schaffen –alle sind in jeweils mehrere Richtungen orientiert, haben mehrgeschossige Loggien oder sind als Maisonette ausgebaut- alle organisieren sich um einen großen, manchmal mehrgeschossigen, Wohnraum und bieten einfache Individualräume entlang einer Hausseite. Und wieder die Materialität – die Details stimmen – man mag hier einziehen – ein Haus – nichts Besonderes – aber das wirklich gut gemacht – Glückwunsch!

Architekt: office 03, Waldmann Jungblut Architektenpartnerschaft mbB

Bauherr: Baugruppe „Stadtteilchen“

Adresse: Auf dem Stahlseil 6, 50733 Köln

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Baugruppe Stadtteilchen auf dem Clouth Gelände © Foto violapler

 

 

:envihab – Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin

Das :envihab ist ein neues Forschungsgebäude für die Raumfahrt, welches durch seine sehr kompakte und effiziente Organisation überrascht. Unter einem flexiblen, visuell eher geschlossenen Technikgeschoss befindet sich eine durchgängige, gläserne Erdgeschossebene auf der sich verschiedene Forschungsmodule des Institutes befinden. Diese wurden nach dem Haus-im-Haus-Prinzip realisiert wurden und sind ebenfalls sehr flexibel. Zwischen den Modulen entwickelt sich der gemeinschaftliche Raum des Instituts, der Blickachsen auf die Umgebung bietet, über kleine Höfe belichtet wird und zum Verweilen einlädt. Hierdurch stimuliert dieser Raum die soziale Interaktion zwischen den Forschern innerhalb des Institutes. Nach außen hin präsentiert sich das Envihab einerseits als klarer, autonomer Körper mit einem eher landschaftlichen und distanzierten Charakter. Anderseits wirkt das Haus aber durch sein gläsernes Erdgeschoss auch einladend und kommunikativ.
Die Jury ist besonders begeistert vom konsequenten typologischen Durcharbeitung, die einen überzeugenden architektonischen Rahmen für Forschung schafft.

Architekten: Glass Kramer Löbbert Architekten mit Prof. Uta Graff

Bauherr: Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR)

Adresse: Linder Höhe, 51147 Köln

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:envihab © Fotos: Christian Gahl

 

 

Haus Altenberg

Neustrukturierung, Erweiterung und Umbau Jugendbildungsstätte des Erzbistums Köln

Die Neustrukturierung des „Haus Altenberg“, einer Jugendbildungsstätte des Erzbistums Köln, welches seinen Ursprung in einer Klosteranlage der Zisterzienser im 13. Jahrunderts fand, war nicht nur bautechnisch und denkmalpflegerisch ein hochkomplexes Unterfangen. Verschiedenste Zeitschichten, welche durch die komplette Zerstörung, teilweise Rekonstruktionen und verschiedenste bauliche Ergänzungen vorgefunden wurden, waren der Ausgangspunkt für eine umfassende Neustrukturierung, Erweiterung und Sanierung der Anlage. Mit einer verblüffend einfachen Gebäudekonfiguration und explizit zeitgemäßen Mitteln gelingt die Wiederherstellung einer Gesamtanlage, welche die Historie lesbar erhält, sie dennoch im Sinne dieses Ortes weiterentwickelt und sich räumlich und atmosphärisch beinahe selbstverständlich in die historische Anlage einfügt. Höhepunkt ist die neu geschaffene Kapelle die mit ihrer Zweischiffigkeit eine überraschende, aber sinnfällige Raumkonzeption erhält. Insgesamt ist dieses Projekt beispielhaft für eine behutsame aber dennoch eigenständige Weiterentwicklung eines historischen Baubestands.

Architekt: gernot schulz : architektur GmbH

Bauherr: Erzbistum Köln – Generalvikariat

Adresse: Ludwig-Wolker-Straße, 51519 Odenthal

 

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Haus Altenberg © Foto Simon Wegener | Fotografie

 

 

Die weiteren Auszeichnungen und Anerkennungen stellen wir im Laufe dieser Woche vor.

 

50 Jahre kap – 13 mal Kölner Architekturpreis – 70 Jahre Baukultur

Rund 250 Bauten und Freianlagen erhielten seit seinem Bestehen den kap. 1967, bei der ersten Preisverleihung, waren es 80 Gebäude: eine erste Bilanz der Kölner Bautätigkeit nach Kriegsende. Somit sind die Feiern in diesem Jahr gleichzeitig auch Anlass, auf 70 Jahre Kölner Baugeschehen zurückzublicken. Durch die Auszeichnung von Gebäuden soll dazu beigetragen werden, das öffentliche Bewusstsein für Baukultur zu schärfen und die kulturelle Relevanz des Planens und Bauens zu verdeutlichen. Und diese finden sich nicht nur bei den prominenten Bauten, sondern in gleicher Weise bei den alltäglichen Bauaufgaben, die das Gesicht unserer Städte und Landschaften prägen.

Die mit dem kap ausgezeichneten Gebäude und städtebaulichen Anlagen sind eingebunden in ein System von BDA Preisen sowohl auf Landes-, als auch auf Bundesebene, und stets für den nachfolgenden BDA-Architekturpreis Nordrhein-Westfalen nominiert.

red|uw

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