Kann ein Kaufhaus ironisch sein? So viele Markisen und keinerlei Öffnung! @ koelnarchitektur.de

Aus für Hertie in Porz. Ein letzter Fototermin und eine Machbarkeitsstudie von JSWD Architekten.

Die Haltestelle heißt Porz Markt. Wem da idyllische Bilder von kleinstädtischem Treiben in den Sinn kommen – genau so sieht es hier nicht aus. Dafür aber führt ein direkter Zugang ins Shopping Center. Der Weg durch diesen Nicht-Ort ist relativ kurz, und da steht es schon, das 2009 geschlossene Hertie-Kaufhaus in Porz Mitte. Aber nicht mehr lange, ab Oktober wird es entkernt und dann abgerissen. Wegen der städtebaulichen Blockadehaltung des Gebäudes werden darüber wohl nur die ganz leidenschaftlichen 70er Jahre Enthusiasten trauern, aber digitale Erinnerung hat es doch verdient!

 

Ungefähr ein Jahr wird der Abriss dauern. Hoffentlich nimmt jemand das Schild mit. @ koelnarchitektur.de

 

Im Olympia-Sommer 1972 eröffnete das Haus, als Bestandteil der Stadtsanierung, die wie allerorten gewachsene Strukturen auftrennte in Fußgängerzonen und Bereiche für den Autoverkehr, so dass beide zu ihrem Recht kommen mochten. Was vormals Markt war, wurde Kaufhaus – auch das in Porz ist eine Variante des gängigen Schemas: Schaufenster im Erdgeschoß, darüber ein geschlossener Block und unter allem die Tiefgarage. Diesem Exemplar mag man noch eine gewisse Ironie ablesen: Die flächendeckend und rasterhaft applizierten Metallelemente auf der Fassade sehen aus wie Fenstermarkisen, aber von wegen.

Nichts mehr zu schauen gibt es hinter den Fenstern im ehemaligen Hertie-Kaufhaus in Porz. @ koelnarchitektur.de

 

Neue Mitte Porz

Die Stadt Köln erwirbt das Haus im Jahr 2014. Im Kölner Südosten ist noch viel Potential für den dringend benötigten Wohnraum, und ein lebendiges Stadtzentrum in dieser „Nebenmitte“ – ein von Fritz Schumacher geprägter Begriff – würde weitere Investitionen nach sich ziehen. Die Stadtentwicklungsgesellschaft moderne stadt GmbH erstellt gemeinsam mit JSWD Architekten 2015 eine Machbarkeitsstudie.

Herren- und Damenbekleidung im OG, im UG noch in den Supermarkt, und dann schnell mit dem Wagen aus der Tiefgarage nach Hause zum Mittagessen. @ koelnarchitektur.de

 

Ein unzugänglicher Block, in dessen Umfeld städtische Dunkelzonen entstanden, verstellt die Mitte der Porzer Innenstadt. In Werkstätten mit den Bewohnern wurde entschieden, dass er Platz machen wird für drei neue Baukörper auf 30.000 m² Bruttogrundfläche mit Einzelhandel in den Erdgeschossen und Wohnungen in den oberen Etagen. Von den rund 100 neuen Wohnungen sollen 30 Prozent öffentlich gefördert werden.

So soll sie aussehen, die neue Mitte Porz, mit Giebelhäusern und klar strukturierten Lauf- und Sichtbeziehungen. @JSWD Architekten, Mohan Karakoc

 

„Bei unserer letzten Aufsichtsratssitzung ist der Durchführungsbeschluss für das Projekt gefallen, ein Investitionsvolumen von 39,5 Mio. Euro steht bereit,“ erläutert Andreas Röhrig, einer der beiden Geschäftsführer der moderne stadt, bei der Eröffnung des Projektbüros. Parallel zum Abriss arbeiten die Partner an der Planung weiter, sie soll im Frühjahr nächsten Jahres vorgelegt werden.

Drei neue Baukörper mit Ladenlokalen und Wohnungen werden an die Stelle des Hertie-Kaufhauses gesetzt. @moderne stadt gmbh

 

@moderne stadt gmbh

Von rechts nach links
zeigt der Ausschnitt
den Bahnhof für den Nahverkehr, direkt überdacht zum
Shopping Center,
das Hertie-Kaufhaus
und die Bebauung
rund um den
Friedrich-Ebert-Platz.

 

 

 

 

 

 

„Hier im Projektbüro werden wir Führungen starten, und wir wollen Anlaufstelle für die Bewohner sein,“ so Röhrig. „Wir packen es an, und wir brauchen Ihre Unterstützung.“ Am 7. Oktober beim Porzer Innenstadtfest wird es noch einmal Gelegenheit geben, sich von Hertie und den 70er Jahren zu verabschieden.

 

Die Kaufhaus-Cafeteria, diese hier oder an anderen Orten, ein vergessener Ort. @ koelnarchitektur.de

 

Ortstermin für die Fotografen: Der Geruch nach Leerstand ließ sich nicht mit fotografieren, vielleicht besser so. @ koelnarchitektur.de

 

Und so sieht es auf dem Dach aus: Pionierpflanzen und wunderbare Schattenspiele. @ koelnarchitektur.de

 

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01.09.2015
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Zur Internetseite von JSWD Architekten

 

Redaktion koelnarchitektur.de

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