Vogelperspektive des neuen Parks am Eifelwall © Förder Landschaftsarchitekten, Essen

Die Parkstadt Süd beginnt am Eifelwall, Entwurf von Förder Landschaftsarchitekten ausgezeichnet

Als ersten Schritt zur Erweiterung des Inneren Grüngürtels und Realisierung der Parkstadt Süd möchte die Stadt Köln zwischen dem entstehenden Neubau des Historischen Archivs mit Rheinischem Bildarchiv und dem Justizzentrum am Eifelwall einen neuen Park anlegen. Das Amt für Landschaftspflege und Grünflachen hat dazu einen Wettbewerb mit 14 international renommierten Freiraumplanern durchgeführt. Ende Juni wählte die Jury aus den eingereichten Plänen fünf Arbeiten in drei Preisgruppen aus.  Der erste Preis geht  an Förder Landschaftsarchitekten aus Essen, zwei zweite Preise bekamen Levin Monsigny Landschaftsarchitekten aus Berlin und Vogt Landschaftsarchitekten Zürich sowie zwei dritte Preise Club L 94 Landschaftsarchitekten aus Köln und FSWLA Landschaftsarchitekten aus Düsseldorf.

 

Lageplan © Förder Landschaftsarchitekten, Essen

 

1. Preis Förder Landschaftsarchitekten, Essen
Der neue Park am Eifelwall stellt im Entwurf von Förder Landschaftsarchitekten in vielerlei Hinsicht das Bindeglied zwischen Vergangenheit und Zukunft dar: Als Zeitzeuge und Träger von archäologischen Schätzen aus der Römerzeit bis hin zur Neuzeit, als neuer Parkabschnitt zwischen denkmalgeschütztem Volksgarten und bestehendem Grüngürtel und als robustes räumliches Gerüst für eine Vielfalt an Funktionen und Nutzungen die dem Wandel der Zeit unterliegen. An dieser Schnittstelle schlägt der neue Park die Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft. Er greift das Erbe der Vergangenheit auf und fügt behutsam Neues hinzu.   Als weithin sichtbare Metapher für das Konstante in all den vorgefundenen Spuren der Vergänglichkeit befindet sich der neue Spiegel der Zeit im Zentrum der Parkanlage: Eine bespielbare Wasserskulptur die bei Tage den Himmel und bei Nacht das Sternenbild des seit Jahrtausenden gleichen Anblicks der Atmosphäre spiegelt. Die Grünfläche am Eifelwall dient als Schlüsselgrundstück und Auftakt zur Rückgewinnung des Freiraumes am Grüngürtel. Damit einhergehen die vielfältigen Funktionsansprüche hinsichtlich seiner Biotopvernetzung, stadtklimatischen Bedeutung, Quartiersgrün mit Spiel- und Aufenthaltsfunktion sowie als Träger eines übergeordneten Fuß- und Radwegesystems. Mit dem Ziel ein robustes Parkgerüst für die vielfältigen Ansprüche und Wünsche der zukünftigen Nutzer zu schaffen greift die Planung vorhandene Strukturen auf, führt sie behutsam weiter und interpretiert sie neu. Die neue Gliederung erfolgt durch ein klares Raum- und Wegesystem, das Halt und Orientierung bietet.

 

Vogelperspektive des Plangebiets, rechts, der geplante Neubau für das Historische Archiv der Stadt Köln © Förder Landschaftsarchitekten, Essen

 

Parkräume: Die Parkräume werden aus einem kleinräumigen Rahmen und einer weiten Lichtung geformt. So entstehen Weite und Dichte, Geborgenheit und Freiheit direkt neben einander. In Anlehnung an die charakteristischen Platanenalleen des Grüngürtels erhält der neue Park einen Baum-Hain, den „Entdeckerhain“ mit vielfältigen Nutzungen und raumprägender Prägnanz entlang der Hans- Carl-Nipperdey-Straße. Die Lichtung besteht aus einer multikodierten Wiesenfläche. Damit können die intensiven Nutzungen weitgehend im Parkrahmen integriert werden, um die Parkmitte frei zu halten.

Lageplan © Förder Landschaftsarchitekten, Essen

 

Wegevernetzung: Die Wegevernetzung erfolgt über deutlich unterschiedliche Wegetypen: den Hauptweg, die Rahmenwege und die Verbindungswege. Sie definieren sich über Breite und Materialität und ermöglichen dem Nutzer so eine eindeutige Orientierung. Der breite Hauptweg aus wassergebundener Wegedecke mit einem Schlechtwetterstreifen aus beschichtetem Asphalt verbindet die einzelnen Parkteile des Grüngürtels über die Parkmitte. Fußgänger, Radfahrer und Jogger nutzen ihn um schnell weite Strecken innerhalb des Grüngürtels zurück zu legen. Die etwas schmaleren Rahmenwege aus farbig beschichtetem Asphalt sind Rundwege für die Anwohner des Quartiers und erschließen die einzelnen Parknutzungen. Die Verbindungswege aus wassergebundener Wegedecke queren den Park und greifen die wichtigen Anknüpfungspunkte der angrenzenden Stadtquartiere auf.

Vegetationsstrukturen: Baumpflanzungen, Wildwiesen und Rasenflächen tragen im Wesentlichen zur eindeutigen Ausformulierung der einzelnen Parkräume bei. Auf Strauchpflanzungen wird bis auf die Heckenpflanzung entlang der Hans-Carl-Nipperdey-Straße zugunsten einer größt möglichen Transparenz verzichtet. Baumpflanzungen erfolgen in Anlehnung an die Ausgestaltung des bestehenden Grüngürtels: Als rahmender Hain und als freie Baumgruppen innerhalb der Lichtung. Rahmenbereiche, die keiner Spielnutzung zugeführt werden, erhalten ebenso Wildwiesen wie die raumprägenden Baumgruppen der Parkmitte. Die weiten Rasenflächen der Parkmitte lassen alle Nutzungen zu.

 

Entdeckerhain, © Förder Landschaftsarchitekten

 

Topografie: Um den archäologischen Belangen Rechnung zu tragen greift die Planung die vorhandene Topografie weitgehend auf ohne sie zu verändern. Lediglich entlang der Rudolf-Amelunxen- Straße entsteht ein flacher Hügel, als „kleiner Bruder“ des angrenzenden Bahndammes. So ergibt sich zwischen den beiden Verbindungswegen eine seichte Talsituation, die der sportlichen Nutzung zugeführt wird.

Park-Programm: Das von Förder Landschaftsarchitekten entwickelte Parkprogramm spiegelt die vielfältigen Bedürfnisse aller Altersstufen und Bevölkerungsgruppen wider und lässt aufgrund seiner weitläufigen Lichtungen viel Raum für Fantasie bei der Nutzungsaneignung. Neben diesen multikodierten Gemeinschaftsräumen sind vielfältige Spiel- und Sportnutzungen geplant.

 

Der Spiegel der Zeit © Förder Landschaftsarchitekten, Essen

 

Spiegel der Zeit: Ein aus dunklem Beton geformter um 30 cm erhabener und mit Wasser- und Nebeldüsen ausgestatteter Teller wird mit einem Wasserfilm benetzt und spiegelt so den Himmel bei Tag. Fluoreszierende Steine sind innerhalb des Tellers einem Sternenbild gleich angeordnet und leuchten bei Nacht. So wird die Wasserskulptur Spiel und Parkmetapher zugleich. In den warmen Sommermonaten wird der Wasserstand auf 15-20 cm erhöht, um Spielen im Spiegel der Zeit zu ermöglichen. Wasserdüsen sind über verschiedene Tastfelder bedienbar, diese stellen Sternbilder nach und bieten somit einen erhöhten Spielwert.

 

Das Tal der Talente © Förder Landschaftsarchitekten, Essen

 

Tal der Talente: Die leichte Senke am südlichen Parkende ist Treffpunkt für Jugendliche und Sportinteressierte aller Altersgruppen. Fußball, Slackline und Skaten ist hier in einem geschützten lärmunempfindlichen Rahmen möglich. Das seitlich ansteigende Gelände dient als Tribüne und Ausblick zugleich.

Detail Entdeckerhain © Förder Landschaftsarchitekten

 

Entdecker Hain: Der Baum- Hain ist Rahmen und Spielangebot zugleich. In Anlehnung an die archäologischen Funde sieht die Planung ein Sand – Experimentierfeld für die Kleinen, mit Fundgrube, Kaleidoskopen, Ferngläsern und Baumtelefonen vor. Die „Lange Bank“ aus Beton bietet einen schattigen Sitzplatz mit Blick über den Park.

Jugendlounge: Am Entreebereich Eifelwall befindet sich geschützt unter Bäumen die Jugendlounge – ein Holzpodest zum Chillen, Sehen und gesehen werden – ein idealer Treffpunkt also im Parkauftakt neben einer platzartigen Aufweitung für kleinere und größere Veranstaltungen. Die Jugendlounge ist örtlich dem Entreebereich Eifelwall zugeordnet, grenzt sich jedoch räumlich größtenteils durch Pflanzungen und Baumstellung von diesem ab.

 

 

Ein 2. Preis Levin Mosigny Landschaftsarchitekten

Die heutige Erscheinung des Inneren Grüngürtels nimmt der Beitrag von Levin Mosigny Landschaftsarchitekten auf und setzt sie in großen Teilen fort. Dabei fällt die klare Struktur mit den Leitthemen eines durchgängigen Platanenhains, vielfach nutzbaren Wiesenflächen in der Mitte und einem lockeren Platanenbestand hin zu den Gebäuden auf. Am südlichen Rand des Plangebiets sieht der Entwurf ein durchgängiges Band von Sportflächen mit zahlreichen, attraktiven Angeboten vom Skaten bis zum Streetball vor. Dabei überdecken die Kronen eines Platanenhains die zahlreichen Spielfelder vor dem baulichen Ensemble des Gerichtsgebäudes. Positiv herauszuheben sind im Gesamtentwurf die klar ablesbaren Strukturen, die Wiesen in der Mitte sowie die Zugänglichkeiten und Sitzmöglichkeiten.

 

Ein 2. Preis Vogt Landschaftsarchitekten

Der Entwurf des Büros Vogt Landschaftsarchitekten überzeugt durch sein starkes Alleinstellungsmerkmal eines dichten „Stadthains“ und einer topografischen Insel als Erdmodulation im offenen Wiesenraum. Aus dem Gesamtkontext des Inneren Grüngürtels übernimmt der Entwurf die Idee einer Platanenallee und einer großen, offenen Wiese und fügt ihnen das Motiv des „Stadthains“ hinzu. In diesen eingebettet  sind vielfältige Nutzungsmöglichkeiten und Räume in Form von Lichtungen. Die Arbeit besticht weiterhin durch eine Vielzahl von geschickt angeordneten landschaftsarchitektonischen Ideen, wie die Absenkung der Wiesenfläche, die einen Eindruck von Weite erzeugt. Der Besucher wird intuitiv über den Weg in geschwungener Form bis zum Eifelwall und weiter in Richtung Volksgarten geleitet.

 

Ein 3. Preis Club L 94

Eine großzügige, klare und entschiedene Lösung für die Fortführung des inneren Grüngürtels zeigt die Arbeit von Club L 94. Die Aufgabe wurde durch präzise Raumkonturen, Ruhe und Einfachheit, mit guten Anschlüssen und Wegeverbindungen gelöst, auch im Übergang zum Volksgarten und im Anschluss an die Platanenallee jenseits der Zülpicher Straße. Unterschiedliche Baumsäume nordöstlich und südwestlich eines zentralen Grünraums prägen den Entwurf: Eine Platanenallee südöstlich der Luxemburger Straße bildet als logische Fortsetzung der bestehenden Allee mit räumlichen Abstand zum Historischen Archiv eine neue Kulisse und schafft es, selbst den Parkplatz gut zu integrieren. Ein lockeres Baum- und Wiesenband an der Südseite und am östlichen Abschluss des Parks nimmt mit seinen Wiesenräumen Spiel- und Sportflächen auf und bietet ruhige Rückzugsorte.

 

Ein 3. Preis FSWLA

Der Entwurf von FSWLA Landschaftsarchitektur stellt rigoros den inneren Freiraum als zentrales Element in den Mittelpunkt. Er greift damit das Konzept des Grüngürtels konsequent auf: Freiflächen im Kern und Bäume am Rand. Die Arbeit verlängert die strengen Linien der Wegeführung vom Gelände vor dem Hauptgebäude der Universität und der angrenzenden Gebäude (Mensa, Physik, Chemie, Archiv) zunächst in die Bereiche des Grüngürtels nordwestlich der Luxemburger Straße, wo heute noch geschwungene Wegeführungen liegen, und führt sie von dort nach Südosten ins Plangebiet. Ein Dach von Bäumen über einem den Eifelwall begleitenden Spielbereich schafft es, den hier gelegenen Parkplatz des Archivs zu integrieren. Eine Besonderheit des Entwurfs besteht darin, dass er das Archivgebäude bis an seine südliche Kante in die Grünfläche integriert, ohne es durch Baumpflanzungen zu „verdecken“.

red |uw

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