Köln, Christi Auferstehung, Innenraum. Architekt: Gottfried Böhm © Christoph Seelbach

Die Fotogenität brutalistischer Bauten
Brutalismus ist hip. Die geburtenstarken Jahrgänge haben die Architektur der 1960er- und 70er-Jahre als Zuhause erlebt und wissen sie zu schätzen. Das DAM und die Wüstenrot Stiftung widmen 2017 ausgiebig dem Thema. Und der Kölner Fotograf Christoph Seelbach, Jahrgang 1962, setzt die vertraute Epoche ins Bild.

JVA Köln © Christoph Seelbach

Brutalismus erlebt gerade seine Wiederentdeckung. Von dem französischen Begriff „béton brut“ (roher Beton) hergeleitet, ist er so hip wie nie. Überall bilden sich Gruppen, die für den Erhalt und einen neuen Blick auf die Betonbauten der 1960er- und 70er-Jahre werben.
In Köln hat sich gerade die Initiative „Brutalismus im Rheinland“ gebildet. Die „Brutalism Appreciation Society“ auf Facebook hat über 50.800 Mitglieder. Und das Deutsche Architekturmuseum in Frankfurt, das für das Jahr 2017 eine große Brutalismus-Ausstellung plant, startete mit der Wüstenrot-Stiftung im Internet „#SOSbrutalism“.

Köln/Bonn „Konrad Adenauer Flughafen“ Architekt: Paul Schneider-Esleben © Christoph Seelbach

Der 1962 geborene Fotograf Christoph Seelbach meint dazu: „Ich selbst bin quasi brutalistisch geprägt. Als Kind wuchs ich im Schatten der Bochumer Ruhr-Universität auf, einem Paradebeispiel für die brutalistische Architektur. Mein Vater arbeitete damals an der Uni, ich
bin als Schüler oft mit ihm nach der Schule in die Mensa essen gegangen. Und mit der Familie haben wir Sonntagsspaziergänge durch den Betoncampus zum Botanischen Garten gemacht. Später habe ich sogar selbst ein paar Semester an der Uni studiert und war überwältigt von der rohen Kraft des Treppenhauses der Universitätsbibliothek.

Uni-Bibliothek von Rolf Gutbrod, 1966 © Christoph Seelbach

Nun habe ich in Köln zahlreiche Beispiele für diesen Architekturstil gesucht, gefunden und fotografiert. Und es ist kein Wunder, dass beim Anblick dieser Formen, Oberflächen und Materialien auch viele gute Erinnerungen an meine Kindheit hochkamen.“
Dieser wunderbaren Beschreibung davon, welche Bedeutung Architektur für die Bindung an Orte erzeugt, folgen die Fotografien.

Rathaus Bensberg, Architekt: Gottfried Böhm © Christoph Seelbach

 

Musikhochschule Köln, Architekt: Werkgruppe 7 und Bauturm, Köln 1969 © Christoph Seelbach

Der Foto-Essay erschien zuerst im Magazin von Marlowes am  21. Juli 2017. Alle Fotos sind vom Kölner Fotograf Christoph Seelbach, www.seelbachfotografie.de
red | bs

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