Keine Angst mehr in der guten Stube. Visualisierung des Tunnels Johannisstraße als Auftakt zur Via Culturalis © Ute Piroeth Architektur

Ute Piroeth bringt Licht und Farbe ins Dunkel des Tunnels Johannisstraße

Der unter den Gleisanlagen des Hauptbahnhofs hindurch führende Tunnel der Johannisstraße verbindet den Chargesheimer Platz mit dem Breslauer Platz. Während der Stadtraum auf der östlichen Domseite kürzlich fertig gestellt wurde, ist der Breslauer-Platz seit inzwischen fast drei Jahren ein aufgeräumter Platz. Doch sah die Stadt in genau diesem noch dunklen und ungemütlichen Zwischenraum Potential, ihn mit den vom Bund gewährten Fördermitteln für „Nationale Projekte des Städtebaus“ zum Auftakt der Via Culturalis zu transformieren. Zur Auslotung der gestalterischen Möglichkeiten sowie ihrer Umsetzung lobte sie ein europaweites Verhandlungsverfahren aus, in dem Ute Pieroth mit einem Entwurf überzeugte, der den Tunnel zur Guten Stube macht

Schnitt durch den Tunnel Johannisstraße. linkgs die Funktionswand aus Streckmetall, in der Mitte die Radspur, rechts der Gehweg © Ute Piroeth Architektur

 

Gehen und Fahren

Der Tunnel, der trotz seines Aufstiegs in die Kulturszene auch weiterhin als transitorischer Raum dienen soll, wird in der neuen Planung in einen Gehweg und einen Radweg geteilt, der nur in Ausnahmefällen zur Anlieferung oder Durchfahrt für den PKW-Verkehr freigegeben werden soll. Die klare Zonierung des Tunnelbereichs hat Ute Piroeth zum Thema ihres Entwurfs gemacht und sie mit ebenso einfachen wie baukünstlerischen Mitteln wirkungsvoll inszeniert. Der mit taktilen Leitelementen barrierefrei geplante Fußweg ist mit einem als Lichtleitlinie ausgebildeten Bordstein vom Radweg getrennt.

 

Transformation des Ornaments zum Betonsteinmosaik nach dem Arbeitsprinzip „Tarnen und Täuschen“ © Ute Piroeth Architektur

 

Ornament und Abstraktion

Sein besonderes Merkmal ist der Belag mit farbigem Betonpflaster, für das die Architektin in Zusammenarbeit mit dem Künstler Wolfgang Rüppel einen Rapport als Abstraktion eines dekorativen Ornaments entwickelt hat. Die über dem Fußweg abgehängte Decke aus polierten Edelstahlpaneelen verdoppelt das Bodenmosaik mit seiner Spiegelung und öffnet den Raum auf wundersame Weise nach oben. Viel Bildhaftes mag darin stecken, die Erinnerung an die Gute Stube, eine neue Freude auf die Entdeckung der Via Culturalis und eine ironische Brechung zum Begriffspaar Heimat und Reise. Interessant ist auch die Vorstellung, das Mosaik des Gehwegs verstecke sich im Tunnel vor seinen berühmten Brüdern, dem Dionysos Mosaik und dem Mosaik im Chorumgang des Kölner Doms.

Die Gliederung der Wandfläche an der Gehwegseite mit weißen Fliesen und bossiertem Naturstein erschien den Architekten erhaltenswert, die Werbetafeln sollen jedoch entfernt und in der Art einer möglicherweise auch digitalen Bildergalerie zeitgemäß ersetzt werden.

 

Ute Piroeth versteht die Mündungsbereiche des Tunnels (links domseitig, rechts Breslauer Platz) als Foyers, die eine deutliche Einladung aussprechen sollen, die Gute Stube zu betreten. © Ute Piroeth Architektur

 

Ohne Nischen und Schlupflöcher

Um mit einer einheitlichen Oberfläche an die neue Gestaltung des domseitigen Mündungsbereichs anzuknüpfen, erhält der Radweg den gleichen Bodenbelag aus Granitplatten. Die Nischen und Schlupflöcher in der Decke über dem Fahrweg und entlang der Stürzen werden mit einer transparenten Streckmetallkonstruktion verschlossen und beleuchtet. So bleibt der Raumquerschnitt des Tunnels erhalten und die Konstruktion sichtbar. Eine kontrollierte Möglichkeit zum Urinieren wird an einer der Säulen auf der Seite zum Breslauer Platz gegeben. Denn auch darüber muss man nachdenken, wenn man einen Unort in einen Ort mit Bedeutung transformieren möchte. Die Zeichen für das Neue müssen stark sein und die Gelegenheiten für alles Unterwünschte genommen werden.

 

Uta Winterhager

 

Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit unterstützt zwei große Vorhaben der Stadt Köln als Nationale Projekte des Städtebaus mit einer Fördersumme von insgesamt rund zehn Millionen Euro. Die von der Stadt Köln beantragten und vom Bund gewährten Zuschüsse belaufen sich auf fünf Millionen Euro für das Projekt „Lebenswertes Chorweiler – ein Zentrum im Wandel“ und 4,8 Millionen Euro für die Via Culturalis in der Innenstadt.

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