Erster Preis: Der Rheinboulevard, Planorama (Berlin) © Foto Hanns Joosten

Der 1. Preis und zwei Auszeichnungen des Deutschen Landschaftsarchitekurpreises 2017 für Köln

Der Wettbewerb um den Deutschen Landschaftsarchitektur-Preis 2017 ist entschieden und der Erste Preis geht an den Rheinboulevard in Köln-Deutz, Entwurfsverfasser Planorama Landschaftsarchitekten, Berlin.

Im 13. Jahrgang erfolgten erstmals die Projekteinreichung und die Ermittlung der Nominierungen ausschließlich online. Auf ihrer Sitzung am 28. April 2017 im Deutschen Architektur Zentrum sichteten die elf vom bdla berufenen Preisrichter unter Leitung der Juryvorsitzenden Ursula Hochrein, lohrer.hochrein, München, die 30 nominierten Arbeiten, vergaben den Ersten Preis und Auszeichnungen in neun Kategorien (von denen drei weitere nach Köln bzw an den Stadtrand gingen):

Pflanzenverwendung – Lohsepark, Hamburg, Entwurfsverfasser Vogt Landschaftsarchitekten, Zürich/Berlin
Grüne Infrastruktur als Strategie – Zu neuen Ufern, Siegen, Entwurfsverfasser Atelier LOIDL Landschaftsarchitekten, Berlin
Quartiersentwicklung und Wohnumfeld – Dachgarten wagnis 4, München, Entwurfsverfasser Wamsler Rohloff Wirzmüller, FreiRaumArchitekten, Regensburg
Partizipation und Planung – wagnisART – wohnumfeld als partizipativer Prozess, München, Entwurfsverfasser bauchplan )
Naturschutz und Landschaftserleben – Botanischer Volkspark Blankenfelde, Berlin-Pankow, Entwurfsverfasser Fugmann Janotta Partner Landschaftsarchitekten und Landschaftsplaner bdla, Berlin
Sport, Spiel, Bewegung – Play_Land – Jugendtreff und Spiellandschaft, Oberhausen-Holten, Entwurfsverfasser wbp Landschaftsarchitekten GmbH | Christine Wolf, Rebekka Junge, Bochum
Klimaanpassung und Nachhaltigkeit:terra nova BiosphärenBand, Rhein-Erft-Kreis, Entwurfsverfasser bbz landschaftsarchitekten, Berlin
Licht im Freiraum – L.-Fritz-Gruber-Platz, Köln, Entwurfsverfasser scape Landschaftsarchitekten, Düsseldorf
Landschaftsarchitektur im Detail – Ottoplatz, Köln-Deutz, Entwurfsverfasser bbzl böhm benfer zahiri landschaften städtebau, Berlin, mit ISAPLAN, Leverkusen

 

HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH ALLEN PREISTRÄGERN!

 

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Ansicht des Rheinboulevards von der Hohenzollernbrücke. © Barbara Schlei

 

Der Rheinboulevard war eines der drei Kölner Leitprojekte, die im Rahmen des Strukturprogramms Regionale 2010 unter dem Titel „Stadtentwicklung beiderseits des Rheins“ gefördert wurden. Damit sollte unter anderem das Zusammenwachsen der Stadt über den Fluss hinweg sehr anschaulich illustriert werden und der Rhein selbst eine wahrnehmbare Aufwertung von der trennenden Schneise zu einem verbindenden Stadtraum erfahren.

Die Dimension des Flusses erlaubt – oder fordert – hier eine große gestalterische Geste, die das Berliner Architekturbüro Planorama in Form einer 520 Meter langen Treppe und einem großzügigen landseitigen Boulevard zwischen Deutzer- und Hohenzollernbrücke umgesetzt hat. Diese ist nicht nur eine direkte Verbindung zwischen Stadt und Fluss, sondern ein einzigartiger Freiraum zum Verweilen und Staunen, eine Tribüne, die mit der Postkartenansicht auf die Stadt zu Füßen des Domes lockt. Drei Bastione schieben sich von der Landseite als Aussichtsposten in die Treppe und gliedern sie in der Länge. Ihre natursteinverkleideten Wände werfen die Wellengeräusche des Flusses zurück und erzeugen eine dem Ort eigene Klangkulisse.

Ein schöner und gänzlich unerwarteter Mehrwert sind die beim Bau der Hochwasserschutzwand entdeckten Überreste des spätrömischen Kastells Divita, das 2000 Jahre unter der Erde verborgen lag. Dort soll es auch bleiben, nur der runde Turm seiner westlichen Ecke ragt aus der Treppe heraus, Hinweise auf die Größe und Lage der Befestigungsanlage geben die gesandstrahlten Markierungen auf den Stufen. Diese und weitere Funde aus der bewegten Deutzer Geschichte sollen für die Öffentlichkeit in einem Historischen Park zugänglich gemacht werden.

 

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Preis für Licht im Freiraum – L.-Fritz-Gruber-Platz, Köln, Entwurfsverfasser scape Landschaftsarchitekten, Düsseldorf © Foto: Gereon Holtschneider

 

Wie hieß dieser kleine Platz zwischen Nord-Süd-Fahrt und Dischhaus eigentlich früher? Falls er einen Namen hatte, dann haben wir ihn vergessen, erinnern ihn nur als einen dieser anonymen Orte, an denen man gedankenlos Autos und Mülltonnen abstellte. Dass das nicht immer so war, zeigen die inzwischen denkmalgeschützten Fassaden der 1920er und 1960er Jahre, die durchaus wahrgenommen werden wollen. Erst mit dem Bau des Kolumbamuseums rückte der Platz als öffentlicher Raum wieder ins Bewusstsein und verlangte nach Gestaltung. Man wollte ihn dem 2005 verstobenen Kurator, Sammler und Gründer der Photokina L.-Fritz Gruber widmen. Den zur Gestaltfindung ausgelobten Wettbewerb gewannen die Düsseldorfer Landschaftsarchitekten scape mit einem Entwurf, der das Phänomen der Fotografie im Stadtraum sichtbar und die Passanten zu Akteuren in einer vom Zufall choreografierten Szene macht. So sind es nun Licht und Schatten, durch die der L.-Fritz-Gruber-Platz zu einem so außergewöhnlichen Ort wird. In das ortstypische Basaltpflaster ist in der Größe des Platzes eine Fläche aus hellen Betonplatten mit den Proportionen des Kleinbildformats 6 : 9 eingelegt. Tagsüber lässt nur das in den Boden eingelassene Man Ray Zitat vermuten, was hier mit Anbruch der Dunkelheit passieren wird: „Alles kann durch Licht verändert, deformiert oder eliminiert werden. Es ist genauso geschmeidig wie ein Pinsel.“ So wird die helle Fläche zum Träger gestochen scharfer aber vergänglicher Bilder aus Licht und Schatten, erzeugt von einer in einer Hohlkugel über dem Platz abgependelten Lichtquelle.

Bühne und Parkett, Spielen und Schauen – so funktioniert die Stadt. Und auch das erklärt dieser kleine Platz auf wunderbar anschauliche Weise.

 

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Preis für Landschaftsarchitektur im Detail – Ottoplatz, Köln-Deutz, Entwurfsverfasser bbzl böhm benfer zahiri landschaften städtebau, Berlin, mit ISAPLAN, Leverkusen

 

„Es tut der Stadt gut, dass es Diskussionen um das Erscheinungsbild des öffentlichen Raums gibt“, sagte Baudezernent Franz-Josef Höing in einer Diskussion um die Neugestaltung des Ottoplatzes. Dieser ist zwei Stufen höher als seine Umgebung, eine steinerne Fläche aus der sich zwei lange Bänke erheben, die von fünf jungen Bäumen umstanden sind. Ein Bahnhofsvorplatz im besten Sinne, der allen verkehrstechnischen Ansprüchen Genüge tut und den Reisenden im Moment des Kommens oder Gehens einen Moment visueller Ruhe und Orientierung bietet. Mehr nicht, denn das ist schon eine große Aufgabe. Es ist kein Ort für Kontemplation, kein Park und kein Spielplatz, sondern ein Stadt-Entrée. 1913 gebaut, galt der Bahnhof schon bald als ein Symbol für die städtebauliche Umgestaltung in Deutz, die mit dem kontinuierlichen Ausbau der Messe und dem von Fritz Encke geplanten Volkspark am Rheinufer fortgesetzt wurde. Doch mit dem Ausbau der Verkehrsflächen und der angrenzenden Bebauung waren die früheren Bezüge, die Achsen und Ordnung im Bereich des Bahnhofs verloren gegangen und entsprachen bei weitem nicht dem Bild des zukunftsweisenden Standorts, das Deutz nach dem Ausbau der Messe, der MesseCity und des Bahnhofs zum ICE Knotenpunkt geben soll. Mit der neuen Gestaltung des Ottoplatzes von bbzl nimmt das historische Bahnhofsgebäude wieder die zentrale Position auf dem Platz ein. Dieser ist nun bis auf die umfassend restaurierte Vorfahrt autofrei und mit einem in Längsrichtung verlaufenden Belag aus verschiedenfarbigen Muschelkalkplatten als räumliche Einheit gekennzeichnet. Jedem der angrenzenden Gebäude – auch den zukünftigen – ist ein eigener, durch hellere Platten gekennzeichneter, Vorplatz zugewiesen. Zusätzliche Baumsetzungen ergänzen die fehlenden räumlichen Kanten und vermitteln zwischen den unterschiedlichen Gebäudehöhen. Es müssen also nicht immer Pauken und Trompeten sein: die Gestaltung des Ottoplatzes – schlicht, schön und konsequent – eröffnet für Deutz als Messestandort ebenso wie als Veedel eine neue Perspektive.

 

Uta Winterhager

 

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2 Antworten auf “Nichtgrüne Landschaften”

  1. Dietmar

    Die Jury des Deutschen Landschaftsarchitektur-Preises 2017 hat seine Entscheidung ganz offensichtlich vor Einbau der Wellenbrecher auf der Treppe getroffen. Allüberall Design und dann wird zum Schluss absolut Medriokres aus der hintersten Ecke des Bauhofs verbaut.
    Typish kölsch möchte man ausrufen – „wirklich schön“ kann Köln nicht!

    Antworten
    • Dietmar

      Korrektur
      Gestern habe ich bemerkt, dass die hässlichen Wellenbrecher wieder entfernt worden sind!
      Jetzt ist alles schick!!

      Antworten

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