Rückwärtige Ansicht des Riphahn-Baus © Foto Uta Winterhager

Wie ksg einen Neubau vor den Altbau der WiSo-Fakultät setzen, ohne ihn in den Schatten zu stellen

Auch eine Universität deren Exzellenz offiziell bescheinigt wurde, darf sich nicht auf ihren akademischen Lorbeeren ausruhen, wenn sie im Wettbewerb der Hochschulen weiter einen der vorderen Ränge einnehmen möchte. Weil es in und um den Campus der Universität zu Köln noch erhebliches Verbesseringspotential – insbesondere in Bezug auf die Vernetzung mit den angrenzenden Stadt- und Grünräumen gibt – beaufrage sie ASTOC Architects and Planners mit einem Struktur- und Entwicklungsplan, der 2012 vorgestellt wurde.

 

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Ansicht der WiSo-Fakultät vom Grüngürtel, im April 2017 erhebt sich der Neubau deutlich über den eingeschossigen Teil des Altbaus, bleibt aber vier Geschosse niedriger als das Hochhaus. © Foto Uta Winterhager

 

Licht, Luft und Bäumchen

Ein Baustein dieses Masterplans ist der Ausbau der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät, die Ende der 50er Jahre von Wilhelm Riphahn gebaut wurde. Das inzwischen unter Denkmalschutz stehende Gebäudeensemble liegt mit seiner Eingangsseite an der stark befahrenen Universitätsstraße direkt neben dem Hauptgebäude. Es besteht aus einem neungeschossigen Hochhaus, das vor Kopf eines flachen Sockelbaus steht. Dieser hat, seinen Nutzungen entsprechend, zwei ganz unterschiedliche Ansichten.

Zur Straßenseite hin zeigt sich der eingeschossige Seminartrakt mit einer einfachen Lochfassade überaus bescheiden, während die drei auf den Grüngürtel ausgerichteten polygonalen Hörsäle wie Schmucksteine in dem hier durch den Geländeversprung zweigeschossigen Baukörper sitzen. Besondere Aufenthaltsqualität erhält das Fakultätsgebäude durch die drei individuell gestalteten Gartenhöfe, die zur natürlichen Belichtung und Belüftung in den tiefen Baukörper eingeschnitten sind.

 

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Visualisierung aus dem VOF-Verfahren 2013, Ansicht vom Albertus-Magnus-Platz, rechts das Hauptgebäude © Grafik kister scheithauer gross (ksg)

 

Altes, Neues und eine Fuge

In einem 2013 entschiedenen VOF-Verfahren suchte die Universität eine bauliche Lösung für die Erweiterung der Fakultät, die 1967 mit dem Kölner Architekturpreis ausgezeichnet worden ist. Dabei überzeugten ksg mit einem Entwurf, der auf zeitgemäße Weise die Idee der denkmalgeschützten Fassaden und Grundrisse weiterentwickelt und konnte sich damit für die weitere Bearbeitung qualifizieren. Geplant ist die Fertigstellung der Fakultätserweiterung für das Frühjahr 2018, doch bereits heute zeigt der Rohbau dass dem Riphahnbau der Maßnahme durchaus gewachsen ist. Der fünfgeschossige Neubau steht straßenseitig vor den eingeschossigen Altbau, dazwischen bleibt eine deutlich lesbare Fuge, eine Zäsur, die Alt und Neu visuell sauber trennt.

 

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Aus dem Hochhaus auf Neubau und Erweiterung geblickt. © Foto: Uta Winterhager

 

Die Seminarräume, die im Erdgeschoss, spiegelsymmetrisch zu den Hörsälen des Altbaus, in den Köpfen des Riegels sowie in seiner Mitte liegen, sollen das Raumangebot des Altbaus erweitern. Dort, wo sie die Fuge kreuzen, werden sie mit gläsernen Verbindungselementen angeschlossen, damit der Durchblick über die gesamte Länge des Riegels offen bleibt. Die dazwischen liegenden Räume werden – analog zu den Gartenhöfen des Altbaus – als grüne Loggien für die Seminarteilnehmer eingerichtet. Da sie zweiseitig verglast sind, wird der Altbau dahinter von der Straßenseite aus weiterhin zu sehen sein. Mit diesen drei großen Schaufenstern setzen die Architekten den dringenden Wunsch der Universität um, sich zur Stadt hin zu öffnen und sichtbarer zu werden.

 

 

Auf dem mit Betonfertigteilen verkleideten Sockel sitzen vier Bürogeschosse. Zu beiden Seiten gibt es hier eine strenge Lochfassade, ähnlich der des Hochhauses. Auch wenn beide Fassaden eine Ziegelhaut haben, lassen Materialität und Farbe es zu, das Neue als eine Interpretation des Alten zu erkennen.

 

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Blick auf die Baustelle aus der Verbindungsbrücke zwischen Hauptgebäude und Wi-So-Bestandsgebäude (April 2017) © Foto Uta Winterhager

 

Auf den neuen Eingang, der auf den Albertus-Magnus-Platz ausgerichtet ist, verweist ein großer in den Beton eingegossener Schriftzug. Deutlich subtiler verweisen dagegen die Ziegelreliefs von Minerva und Merkur, sowie Herakles mit dem Bogen (Emile Antoine Bourdelle, 1908) an der Eingangsfassade des Hochhauses auf seine Bestimmung. Aber nicht zuletzt ging es hier ja auch um die Sichtbarkeit, da kann man schon einmal deutlich werden.

 

 

Uta Winterhager

 

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