Mit dem klassischen Haus im Haus-Konzept gelang Wächter + Wächter die gleichzeitige Verbindung und Trennung der funktional so gegensätzlichen Nutzungseinheiten. Ein langer rechteckiger dreigeschossiger Baukörper nimmt die Traufhöhe der umliegenden Wohnbebauung am Eifelwall auf und umschließt einen sechsgeschossigen Magazinbau. © Waechter + Waechter

Der Neubau des Historischen Archivs und des Rheinischen Bildarchives

Am 3. März, heute vor acht Jahren, versank das Stadtarchiv in Schutt und Schlamm. Nun, viel später als gedacht, steht der Termin für die Grundsteinlegung des Neubaus von Waechter + Waechter fest. Am 17. März wird Oberbürgermeisterin Henriette Reker um 11 Uhr den Grundstein für das neue Stadtarchiv legen. Ein kluges Konzept dazu hatte das Darmstädter Architekturbüro Waechter + Waechter bereits vor sechs Jahren geliefert – und dann zusehen müssen, wie der Stadtrat die Pläne aus Kostengründen nach und nach zusammenstrich. Um 20 Millionen Euro im Kulturetat zu sparen, wird auf dem 9000 Quadratmeter großen Grundstück an der Luxemburger Straße/Ecke Eifelwall daher nur eine „kleine Lösung“ gebaut: „In dem künftigen Neubau werden das Historische Archiv und das Rheinische Bildarchiv erstmals in ihrer Geschichte zusammengeführt“, kündigt die Stadt in einer Mitteilung an. Die Kunst- und Museumsbibliothek (KMB) allerdings, die hier auch ein Domizil finden sollte, bleibt wo sie ist. In viel zu kleinen Räumen.

Eifelwall – Archivzentrale in Uni-Nähe

 

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Während der Magazinbau rundum bronzefarben verkleidet ist, öffnet sich die mit Elementen aus Baubronze fein gegliederte Fassade der Mantelbebauung zu allen Seiten und auf zwei kleinere begrünte Innenhöfe. © Waechter + Waechter

 

Dabei hätte der Neubau am Eifelwall ihr jahrelanges Nomadentum beendet: „Unser Haus ist zurzeit auf fünf Standorte in der Stadt verteilt“, sagt KMB-Direktorin Dr. Elke Purpus: Über 50 Prozent der Bestände mussten schon aufgrund enormer Platzprobleme in Magazine ausgelagert werden – dabei ist die KMB eigentlich eine Präsenzbibliothek. An die 10.000 Menschen nutzen die Bibliothek im Jahr – bei gerade einmal 32 Arbeitsplätzen, die ihnen im Lesesaal des Museum Ludwig und Museum für Angewandte Kunst zur Verfügung stehen. Kostbare Folianten seien nur in den Verwaltungsräumen einsehbar, in denen es nicht einmal einen Vorlege- oder Lesesaal gebe. Zudem fehlten eine Garderobe, Aufenthalts-, Medien-, Veranstaltungs-, Ausstellungs- und Gruppenarbeitsräume. Und vor allem Magazinflächen – all das hätte man im Neubau des Stadtarchivs gemeinsam nutzen können.

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So soll der Neubau des Historischen Archivs mit Rheinischem Bildarchiv einmal aussehen. Durch den Entfall der Kunst- und Museumsbibliothek musst der ursprüngliche Wettbewerbsentwurf überarbeitet werden. Das Gebäude wurde in seiner Länge reduziert, sowie im Ganzen ein Geschoss niedriger. © Waechter + Waechter

 

Haus-in-Haus-Konzept und Schatzkiste

So hatten es Waechter + Waechter mit ihrem „Haus-in-Haus-Konzept“ (Wettbewerbsentscheid von 2011) schließlich auch vorgesehen: Geplant ist nun ein rechteckiger Baukörper, der einen sechsgeschossigen, fensterlosen, bronzefarben verkleideten Magazinbau umschließt. Ein Entwurf, der den Spagat schafft, ein offenes Foyer an der Kopfseite zur Luxemburger Straße zu ermöglichen, tageslichthelle Räume für die Büros der 150 Mitarbeiter, für Werkstätten und 45 Leseplätze. Und zugleich eine „Schatzkiste“ für das Archivgut mit allen erdenklichen Sicherheitsstandards bereitzuhalten. Doch statt vier Geschossen bekommt der Manteltrakt jetzt nur noch drei.

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Der gesamte Komplex wird über ein großzügiges Foyer an der Kopfseite zur Luxemburger Straße erschlossen, in denen sich auf der Gebäudenordseite die Werkstätten und auf der Südseite die Büros der Verwaltung befinden. © Waechter + Waechter

 

Auf einer Gesamtfläche von etwa 20.300 Quadratmetern soll es rund 58 Regalkilometer und 460 Planschränke für das Archivgut geben – weitere 2,2, Regalkilometer Lagerfläche sind für das Rheinische Bildarchiv vorgesehen. Dass sich der Baustart nun um mehrere Jahr verzögert hat – ursprünglich war die Eröffnung des neuen Stadtarchives für 2015 vorgesehen – ist nicht nur ärgerlich, sondern teuer: Für die provisorische Unterbringung der Dokumente aus dem Stadtarchiv – unter anderem im Restaurierungs- und Digitalisierungszentrum Porz oder im Sächsischen Staatsarchiv Wermsdorf – muss die Stadt jährlich ganze 3 Millionen Euro aufbringen. Zusätzlich werden noch Archivflächen des Erzbistums (jährliche Kosten: 43.000 Euro) und im Kunstlager der Spedition Hasenkamp (macht noch einmal 115.000 Euro im Jahr) angemietet. Nach dem Einsturz waren die Archivalien zudem auf rund 20 Asylarchive in ganz Deutschland verteilt worden – sie brauchen ihre Magazinflächen nun allerdings langsam wieder zurück. Daher werden die Dokumente notgedrungen noch in den nächsten Jahren im ehemaligen Landesarchiv in Düsseldorf zwischengeparkt. Kostenpunkt für die insgesamt rund 20 Regalkilometer, die man dafür anmietet: noch einmal jährlich 465.800 Euro. Plus weitere 150.000 Euro für die Transporte nach Düsseldorf (nicht berechnet ist darin der spätere Weitertransport nach Köln).

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Die räumliche und thermische Trennung der Funktionen wird durch die beiden Innenhöfe noch deutlicher. Lageplan © Waechter + Waechter

 

In einer Beschlussvorlage des Rates vom 20. April 2015 hieß es zuletzt, mit den Ausschachtungsarbeiten am Eifelwall wolle man „spätestens im Dezember 2015“ beginnen. In dem Dokument wird als Eröffnungstermin das Jahr 2019 genannt. Auch dieses Datum wird nun nicht mehr einzuhalten sein. Allein der Einzug sämtlicher Bestände dürfte ein halbes Jahr in Anspruch nehmen. Im Archiv selbst peilt man daher lieber nun das Jahr 2020 an – wohlwissend, dass Papier geduldig ist…

Annika Wind

 

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