Café Jansen, Köln, © Tobias Kern / VG Bild-Kunst, Bonn

Fotografien traditioneller deutscher Caféhaus-Kultur von Tobias Kern

Eine lange gepflegte Tradition, die gegenwärtig aus unseren Städten zu verschwinden scheint, sind alteingesessene Cafés und traditionsorientierte Konditoreien. Mit seiner Fotoserie „Ein Kännchen Kaffee bitte!“ spürt der Kölner Fotograf Tobias Kern der deutschen Kaffeehaus-Kultur nach, die in den Wirtschaftswunderzeiten der 1950er Jahren begann und bis in die 70er Jahre florierte. Über mehrere Jahre entstand eine Dokumentation dieses speziellen Bau- und Gastronomietypus‘, der rückblickend als Spiegelbild einer wohlsortierten, gutsituierten Bürgerlichkeit der Bundesrepublik der Nachkriegszeit erscheint. – Die Ausstellung „Ein Kännchen Kaffee bitte!“ wird am 7. März 2017 im Haus der Architekten im Düsseldorfer Medienhafen eröffnet.

Tobias D. Kern kommt aus der Architektur- und Industriefotografie, hat sein Spektrum aber früh auf Innenräume und Raumwirkung erweitert. Sein Projekt „Ein Kännchen Kaffee bitte!“ startete er bereits vor mehr als elf Jahren; das Kulturwerk der VG Bild Kunst Bonn gab im Jahr 2006 den entscheidenden Impuls durch eine Forderung.

Kern zeigt die traditionsreichen Cafés in idealtypischem Zustand, als leere Räume mit dem entsprechenden Kaffeehaus-Mobiliar und -Dekor. Dabei interessieren den Fotografen nicht in erster Linie die manchmal durchaus skurril wirkenden Details der Innenausstattung. Als gelernter Architekturfotograf zielt Tobias Kern vielmehr darauf ab, die Raumwirkung und die besondere Atmosphäre der traditionellen Cafés einzufangen.

 

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Café Jansen, Köln, © Tobias Kern / VG Bild-Kunst, Bonn

 

Oftmals erscheint der Gastraum in seiner Leere und Größe als stark formalisiertes Gastronomiekonzept. Hier hat jeder Tisch seinen Platz, jeder Stuhl wurde genau angeordnet. Die Cafés erscheinen merkwürdig streng, strahlen wenig Heimeligkeit oder Kaffeeklatsch-Atmosphäre aus. Auch wenn man keine Menschen auf den Fotos sieht, kann der Betrachter sich ohne weiteres vorstellen, wie hier regelmäßig verkehrende Gäste Wert auf ihre Stammplätze legten.

Tobias Kern folgt in seinem dokumentarischen Versuchsaufbau dem Gesetz der Serie, wie es von Bernd und Hilla Becher entwickelt wurde: Alle Cafés werden aus vergleichbarer fotografischer Perspektive, mit gleicher Motivwahl und mit parallelem Bildaufbau abgelichtet, so dass ein Vergleich der dargestellten Szenerie möglich wird. Hier wird deutlich, dass jedes Haus eine spezielle gestalterische Sprache spricht, dass es Charakteristika gibt, die jedes der gastronomischen Angebote unverwechselbar und einzigartig macht. – Eine Erkenntnis, die manchen Betrachter der Fotos angesichts der modernen Café́-Restaurant-Ketten, welche die alten Angebote verdrängt haben, in eine melancholische Stimmung versetzen dürfte.

 

 

„Ein Kännchen Kaffee bitte! – Konditorei-Cafés der 50er bis 70er Jahre“ 08.03. – 31.03.2017

Haus der Architekten

Zollhof 1, 40221 Düsseldorf – Medienhafen

Öffnungszeiten Mo. – Fr. 8.00 – 17.00 Uhr. Eintritt frei.

Ausstellungseröffnung am 7. März 2017 um 18.30 Uhr

 

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Café Overbeck, Essen, © Tobias Kern / VG Bild-Kunst, Bonn

 

 

red|uw

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