Ansicht des ehemaligen Museums am Ostwall. Foto © Spital-Frenking + Schwarz Architekten

Das Gedächtnis der Bauschaffenden nimmt Gestalt an

Das lang erwartete „Baukunstarchiv NRW“ nimmt konkrete Formen an. Mitte Januar wurde im ehemaligen „Museum am Ostwall“ in der Dortmunder Innenstadt mit der Grundsteinlegung das Startsignal für die Revitalisierung und Modernisierung des Gebäudes gegeben.

Aufgabe des künftigen Baukunstarchivs NRW wird es sein, Nachlässe einflussreicher und regional bedeutsamer Architektinnen und Architekten sowie Ingenieurinnen und Ingenieure zu sammeln und für die wissenschaftliche Bearbeitung zugänglich zu machen. Zudem soll ein lebendiges Zentrum der Baukultur entstehen, das mit Ausstellungen und Vorträgen auch ein breites Publikum ansprechen wird. „Mit dem Baukunstarchiv NRW erhält die Stadt Dortmund eine wertvolle Ergänzung unserer Kunst- und Kulturmeile“, unterstrich Oberbürgermeister Ullrich Sierau anlässlich der heutigen Grundsteinlegung. „Gleichzeitig ist es uns gelungen, eine ebenso angemessene wie hochwertige neue Nutzung für dieses stadtgeschichtlich bedeutende Gebäude zu finden.“ Die Stadt Dortmund ist Eigentümerin des ehemaligen Museums am Ostwall und wird das Gebäude der „Baukunstarchiv Nordrhein-Westfalen gGmbH“ miet- und abgabenfrei zur Verfügung stellen.

Baukunstarchiv_32-gl-Publikationengalerie-9490

Galerie des ehemaligen Museums am Ostwall. Foto © Spital-Frenking + Schwarz Architekten

 

Den Betrieb des Baukunstarchivs NRW übernehmen vier Gesellschafter: die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen, die Stiftung Deutscher Architekten, die Ingenieurkammer-Bau NRW und der Förderverein für das Baukunstarchiv NRW. „Als größtes und bauintensivstes Bundesland braucht Nordrhein-Westfalen ein landesweites Archiv, um die Dokumente seiner reichhaltigen Baukultur zu sichern“, unterstrich Ernst Uhing, der Präsident der Architektenkammer NRW. Gesichert werden sollen Pläne und Modelle, Zeichnungen und Skizzen, Dokumente und Schriftverkehr rund um die Planung und Entstehung wichtiger Bauwerke in Nordrhein-Westfalen. „Eine Aufgabe, die aktuell drängt, denn viele Architektinnen und Architekten, die in den letzten Jahrzehnten bedeutende Bauten realisiert haben, beenden ihr Lebenswerk oder versterben, ohne dass eine Büronachfolge gesichert ist“, erläuterte Kammerpräsident Ernst Uhing.

Das „Baukunstarchiv NRW“ soll bestehende regionale und lokale Sammlungen von Architekten- und Ingenieur-Nachlässen vernetzen und auch eine eigene Sammlung aufbauen. Den Grundstock steuert das „Archiv für Architektur und Ingenieurbaukunst“ (A:AI) der Technischen Universität Dortmund bei, das bereits über ein umfassendes Archiv bedeutender Nachlässe nordrhein-westfälischer Architekten und Ingenieure verfügt. „Seit 20 Jahren sammelt die TU Dortmund im Archiv für Architektur und Ingenieurbaukunst NRW die Vor- und Nachlässe bedeutender Architekten aus NRW. Es ist Zeit, dass diese Sammlung in Dortmund zum Nutzen für Forschung, Lehre und Praxis öffentlich gezeigt werden kann“, sagte Prof. Dr. Ursula Gather, Rektorin der TU Dortmund. Die Technische Universität Dortmund ist Kooperationspartner der Betreibergesellschaft und wird die wissenschaftliche Leitung des neuen Hauses übernehmen.

EMAO EG _ Layout

Erdgeschossgrundriss für das Baukunstarchiv NRW im ehemaligen Museum am Ostwall. © Spital-Frenking + Schwarz Architekten

 

EMAO OG _ Layout

Obereschossgrundriss für das Baukunstarchiv NRW im ehemaligen Museum am Ostwall. © Spital-Frenking + Schwarz Architekten

 

Das Gebäude am Ostwall 7 liegt in der Dortmunder Innenstadt und steht selber sinnbildlich für die kontinuierliche Entwicklung und Veränderung eines Bauwerks. Das 1872 – 75 nach Plänen des Berliner Architekten Gustav Knoblauch errichtete Landesoberbergamt wurde 1911 erstmals zum Museum umgewidmet, im Krieg jedoch weitgehend zerstört. Der Teilwiederaufbau als  Museum am Ostwall für die Kunst der Moderne erfolgte unter Nutzung noch vorhandener Gebäudeteile und Baumaterialien, darunter insbesondere der sogenannte Lichthof mit der originalen Konstruktion der Lichtdecke, der 1949 mit Hilfe der Dortmunder Bürger ohne öffentliche Gelder wieder hergerichtet werden konnte. Der Lichthof ist der älteste und schönste Veranstaltungssaal Dortmunds und der einzige überdauernde Kulturbau in Dortmunds Innenstadt aus der Kaiserzeit. Allerdings scheinen  die äußere Erscheinung des Gebäudes und sein Inneres seitdem in einem Widerspruch zu einander zu stehen.

Vernissage der Ausstellung "Architektur begreifen / Modelll Raum Konstruktion" Altes Museum am Ostwall am 01. September 2015

Ausstellung im Lichthof des ehemaligen Museums am Ostwall Ostwall 7 © Podehl Fotodesign Dortmund

 

2010 zog das Museum am Ostwall mit seiner Kunstsammlung in das Dortmunder U. Nach einigen Jahren des Leerstandes und dem Einsatz der Bürgerinitiative „Rettet das ehemalige Museum am Ostwall“ für den Erhalt des Gebäudes,  wird die Stadt Dortmund das Haus nun revitalisieren, modernisieren und für die Nutzung als „Baukunstarchiv NRW“ aufbereiten. Mit der Planung wurde das Büro Spital-Frenking + Schwarz Architekten (Lüdinghausen/Dortmund) beauftragt, die Durchführung der Maßnahmen übernimmt die Städtische Immobilienwirtschaft.

Die notwenige Investitionssumme für die Ertüchtigung des Gebäudes beträgt 3,5 Millionen Euro. Das Land NRW unterstützt diese Maßnahme zu 80 Prozent mit Mitteln der Städtebauförderung, 10 Prozent trägt die Stadt, 10 Prozent der Förderverein für das Baukunstarchiv NRW. Die Einrichtung ist für Frühjahr 2018 geplant, sodass Mitte 2018 Betrieb aufgenommen werden kann.

 

red|uw

 

Lesen Sie zum Thema auch:

Kirchengeschichten: St. Johannes XXIII

Ostwall 7 – kein Einzelfall

Artikel teilen

Ihre Meinung zählt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.